Donnerstag, 27. August 2015

Persönliche Beratung: Möglichkeiten und Vorgehen


Das Ziel jeder meiner persönlichen Beratungen ist es, Menschen auf ihrem eigenen Weg des Herzens zu unterstützen. Wir schauen dabei die gegenwärtigen Lebensumstände an und leiten daraus ab, wie die nächsten Schritte aussehen könnten. Ebenso identifizieren wir vorhandene Hindernisse und die Möglichkeiten, diese anzugehen. Wichtig ist dabei immer auch das Erkennen und Heilen alter Wunden auf der Ebene der Aura oder der Seele. Als Teil der Beratung kann auf folgende unterstützende Methoden zurückgegriffen werden. In jedem Fall wird jedoch das Anliegen zuerst in einem Gespräch umrissen.

Die schamanische Reise. Entweder unternehmen Sie selbst mit meiner Unterstützung eine schamanische Reise zu Ihrem Anliegen oder Sie stellen Fragen, während ich diese Reise für Sie vornehme. In beiden Fällen interpretieren wir die Reise und suchen nach Erkenntnissen betreffend den  nächsten Schritte Ihres Weges, den anstehenden Hindernisse oder der Heilung alter Wunden.

Die Aurazeichnung:  In der Aurazeichnung werden allfällige Hindernisse oder Wunden in den Aurachakren ersichtlich. Mit dieser Information können gezielt Wunden erkannt und angegangen werden. Eine Aurazeichnung dient deshalb auch als gute Vorbereitung für eine schamanische Reise, damit dort dann gezielter Fragen gestellt werden können. Erkennen wir beispielsweise Wunden in einem konkreten Chakra, dann können wir in einer anschliessenden schamanischen Reise spezifischen Heilungsmöglichkeiten für diese Chakra erfragen. Eine solche Zeichnung ist rasch erstellt und kann deshalb gut in den Ablauf der Beratung integriert werden.

Die Seelenzeichnung: Die Seelenzeichnung diagnostiziert den Zustand der Seelenchakren (Ich unterscheide zwischen der Aura und der Seele) und zeigt so Heilungsmöglichkeiten auf der Ebene der Seele auf. Die Heilung auf der Ebene der Seele ist umfassend und hat oft einen starken Einfluss auf die Aura und auf den Körper. Auch diese Zeichnung ist rasch erstellt und kann so die Basis für eine anschliessende schamanische Reise bilden.

Die Beratungen finden in Windisch statt. Termine können Sie mit einem Email an jakob.oertli@swissonline.ch oder per Telefon (+41 56 441 92 16) vereinbaren. Die Kosten pro Stunde betragen CHF 90.-. In der Regel benötigt eine Beratung etwas mehr als eine Stunde, jedoch selten mehr als zwei. Ziel jeder Beratung ist, dass Sie möglichst selbstständig auf Ihrem Weg weitergehen können, zusätzliche Termine sind aber auf Wunsch durchaus möglich. Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.

Mehr Information auf jakoboertli.populus.ch.
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Mittwoch, 1. Juli 2015

Ist "Alles" erklärbar?


„Alles“: Können wir die Gesamtheit erklären?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein – so zumindest meine Behauptung – wir können die Gesamtheit, also „Alles“ nicht erklären. Es ist nicht möglich eine Theorie, ein Modell, eine Beschreibung oder eine Erklärung zu erarbeiten, welche vollständig ist und restlos alles erklärt. Nicht, dass es nicht schon unzählige Versuche gegeben hätte: Die Wissenschaft, die Religion, die Philosophie – alle haben es immer wieder versucht. Nicht nur haben sie es versucht, oft sind sie sogar vollkommen überzeugt, die Erklärung für Alles auch gefunden zu haben. Und wenn es noch irgendwo eine Erklärungslücke gibt, dann platzieren sie einen Gott oder Götter an diese Stelle. Andere Erklärungsversuche sind weniger radikal und anerkennen durchaus, dass sie unvollständig sind, behaupten aber mitunter, wenn man nur lange genug an der Erklärung weiterarbeitet, mehr forscht, mehr analysiert, wird man am Ende die durchaus Gesamtheit beschreiben können.

 


Meines Erachtens scheitern aber alle derartigen Versuche. Wieso? Und noch wichtiger: Wieso ist es für unseren eigenen Weg (die Motivation des Schamanen!) so wichtig, dass wir die Gesamtheit nicht beschreiben können, dass es keine Theorie, kein Modell und keine Erklärung für alles gibt?

Zuerst, wieso es keine Erklärung von Allem geben kann: Eine Erklärung von Allem würde bedingen, dass wir auch alles wahrnehmen können. Sowohl in unserem eigenen Leben wie auch als Menschheit insgesamt, beobachten wir aber ständig neue Dinge, solche, die wir bisher nicht festgestellt haben. Unsere Theorien und Modelle können wir aber nur auf dem aufbauen, was wir bisher wahrgenommen haben. Jede neue Beobachtung hat das Potential, die bisherigen Theorien und Erklärungsversuche über den Haufen zu werfen. Wir müssen dann neue oder verfeinerte entwickeln, die aber immer nur so lange Gültigkeit haben, bis wir wiederum etwas Neues feststellen, was unserem Erklärungsmodell widerspricht. Da wir aber ständig neue Dinge feststellen, die wir vorher nicht kannten, wissen wir nie, ob wir nun alles wahrgenommen haben oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr gross, dass es immer noch etwas hat, und folglich ist auch unsere Erklärung nicht auf Vollständigkeit überprüfbar, denn das nächste, was wir wahrnehmen, könnte immer die Erklärung nichtig machen.

Was ist aber, wenn wir sehr lange nichts Neues wahrgenommen haben? Können wir dann sicher sein? Nein, sogar wenn wir hunderte, tausende von Jahren nichts Neues wahrnehmen, heisst nicht, dass wir nicht plötzlich genau die Beobachtung machen, welche unser Erklärungsmodell unstimmig macht.

Kurz: Wir können nie wissen, ob es nicht noch eine weitere Beobachtung gibt, die wir noch nicht gemacht haben. Folglich können unsere Erklärungsversuche und Modelle nie vollständig sein. Oder sogar wenn sie es wären, wüssten wir es nicht, ja, wir könnten es gar nicht wissen.

Was heisst dies nun? Wir müssen davon ausgehen, dass alle Erklärungsversuche unvollständig sind. Bestenfalls erklären sie alle bisherigen Beobachtungen, aber wir haben nie eine Garantie, dass sie auch zukünftige erklären. Aber meistens erläutern die Modelle, welche wir antreffen, nicht einmal alle bestehenden Beobachtungen vollständig.

Also: Religionen sind unvollständig, die Wissenschaft ist unvollständig, alle Philosophien sind unvollständig…

Vergleichen wir es mit einem Berg. In der Landschaft gibt es keinen Ort, von wo wir diesen vollständig aus allen Seiten gleichzeitig anschauen könnten. Wir können immer nur das beschreiben, was wir gerade sehen. Der eine Beobachter wird dann sagen: Dieser Berg besteht aus Gletscher und Felswänden, ein anderer sieht aber Wald, ein dritter Felsbrocken und so weiter. Jede Erklärung ist unvollständig, weil keiner den ganzen Berg sieht.

Wieso ist es nun für unseren Weg wichtig, dass jede Erklärung unvollständig ist? Wir leben in einer Welt in der ständig um diese Modelle oder Erklärungsversuche gerungen wird. Die eine Religion behauptet, sie sei richtig und alle anderen falsch. Die Wissenschaft behauptet wiederum, alle Religionen seien falsch und so weiter. Zudem identifizieren wir uns mit unseren Erklärungsversuchen (wir sind Christen, Darwinisten, Atheisten, Freudianer usw.) und grenzen uns von den anderen Erklärungsversuchen ab. Dies kostet uns unglaublich Energie und wir vergessen dabei, dass unser Modell ja genauso unvollständig ist, wie die anderen auch. Und weil sie unvollständig sind, ist es auch nicht verwunderlich, dass sie sich in gewissen Punkten widersprechen. Doch genau wegen diesen Widersprüchen, bekämpfen wir den anderen, manchmal bis aufs Blut.

Diese Energie ist aber verschwendete Energie. Sie hilft unserem Weg kaum, schadet ihm sogar, weil wir diese Energie für unseren Weg nicht mehr zur Verfügung haben. Gehen wir zurück zum Beispiel des Berges. Wollen wir nach oben, dann studieren wir den Berg zuerst, überlegen uns die beste Route und entwickeln Theorien und Modelle, wie wir ihn erklimmen wollen. Unser Nachbar sieht den Berg jedoch aus einem anderen Blickwinkel und gibt lautstark von sich, wie man seines Erachtens besser oben käme und dass unser Weg falsch sei. Und der nächste hat wieder eine andere Theorie. Die Diskussionen fressen die ganze Energie. Was machen?

Wir müssen erstens anerkennen, dass es keine vollständige Theorie gibt. Es gibt keine absoluten Regeln, keine absolut richtigen Vorgehensweisen auch nicht solche, die uns lieb geworden sind. Dies ist unmöglich. Zweitens können wir mit dieser Offenheit nun verschiedene Blickwinkel wahrnehmen, beurteilen welche für unsere unmittelbar nächsten Schritte nützlich sind. Wir können also je nach Situation einen anderen Blickwinkel und demnach ein anderes Modell oder eine andere Erklärung verwenden. Auf unserem eigenen Weg unternehmen wir so immer wieder eine neue Beurteilung und können so durchaus von Blickwinkel zu Blickwinkel, von Modell zu Modell wechseln. Und so gehen wir weiter, Schritt um Schritt.

Konkret: Wenn uns also Zen Buddhismus jetzt hilft, dann folgen wir ihm. Wenn er uns morgen nicht mehr hilft, dann stoppen wir und verwenden ein neues Modell und gehen vielleicht einige Schritte als Wissenschaftler. Das mag uns den Vorwurf der Inkonsequenz einholen. Aber eigentlich ist dies ein Lob – denn Inkonsequenz gehört zum Weg, muss fast zum Weg gehören, denn jede Erklärung, jedes Modell ist lückenhaft und wenn wir wechseln, dann anerkennen wir dies.

Was heisst das jetzt für den Schamanen auf dem Weg zu mehr und mehr Liebe: Wir anerkennen also, dass jeder Erklärungsversuch, jedes Modell und jede Theorie zwar unvollständig ist, aber aus einem klar definierten Blickwinkel heraus durchaus sinnvoll sein kann. Wenn wir unseren Weg gestalten, dann dürfen – sollen wir sogar – ganz viele unterschiedliche Blickwinkel einnehmen. Jeder Blickwinkel, jeder Erklärungsversuch ist somit wie ein Werkzeug aus einer Werkzeugkiste. Es ist nichts falsch – es sind alles immer nur Blickwinkel, die an die konkrete Herausforderung angepasst sind. Wir vermeiden deshalb jeden Kampf um Theorien und Methoden, aber gleichzeitig suchen wir viele unterschiedliche auf, um daraus um daraus für die konkrete Situation die beste zu wählen.

Der Schamane ist also nicht an eine konkrete Philosophie, Religion oder Wissenschaft gebunden. Er anerkennt alle und kann sich so in einer reichhaltigen Umgebung bewegen. Er lässt sich deshalb auch nicht daran messen, ob er nun konsequent ist oder nicht. Er kann also, um ein konkretes Beispiel nehmen, ein Teil seines Weges mit der Vorstellung gehen, es gäbe eine Inkarnation, dann ein weiteres, wo die Seele gar nicht existiert, ein nächstes, wo die Seele aus vielen Teilen besteht, welche sich beim Tod auflösen – und so weiter. Jeder Blickwinkel ist unvollständig, jeder kann aber nützlich für ein bestimmtes Stück seines Weges sein.

Wir müssen uns dabei aber auch den Tücken bewusst sein: Weil die meisten Philosophien solches nicht zulassen, wird diese Inkonsequenz bestraft, der Betreffende wird aus der Gruppe ausgeschieden, ihm werden gewisse Belohnungen verweigert oder Hindernisse aller Art in den Weg gestellt. Dies kann den Schamanen bis ans Äusserste fordern.

Wie gehen wir damit um? Dort wo wir solche Hindernisse antreffen, nehmen wir gleich die Gelegenheit wahr, dank des Hindernisses einen Schritt auf unserem Weg zu gehen. Wir fragen uns: Was können wir lernen? Was können wir heilen? Welche Methode, welcher Blickwinkel, welches Modell können wir hier anwenden?

Zusammengefasst: Schamanen anerkennen, dass es keine vollständigen allumfassenden Theorien, Modelle oder Erklärungsversuche gibt. Alle Religionen, die Wissenschaft, alle Philosophien sind unvollständig. Auf ihrem Weg, lassen Schamanen sich deshalb nicht an eine konkrete Philosophie binden und sie identifizieren sich auch nicht mit einer. Je nach Herausforderung wählen sie das passende Modell, die geeignete Erklärung, als sei es ein Werkzeug aus einer Werkzeugkiste.

Freitag, 1. Mai 2015

Lauter Fragen


Ist es wichtig, sich mit Fragen auseinanderzusetzen? Soll man die Frage kennen, bevor man eine Antwort erhält oder ist es umgekehrt? Reicht die Antwort? Falls Fragen nötig sind, welche Fragen lohnt es sich zu stellen? Wie soll man sie stellen? Und was ist eigentlich eine Frage?

Gibt es wichtige Fragen und unwichtige? Wie unterscheide ich zwischen beiden? Wird eine Frage dann wichtig, wenn sie auch andere Menschen interessiert? Oder ist eine Frage dann wesentlich, wenn sie etwas betrifft, was ich nicht schon weiss? Wie weiss ich, ob das, was ich weiss, stimmt? Oder wie kann ich herausfinden, was ich weiss? Gibt es andere Wege, interessante Fragen zu bestimmen?

Ist es sinnvoll, bei den wichtigsten Fragen zu beginnen? Gibt es eine wichtigste Frage? Etwa: Was ist der Sinn des Lebens? Aber dann: Was bedeutet „Sinn“? Oder: Was bedeutet „Leben“? Sind das überhaupt die wichtigsten Fragen? Und wieso wären diese Fragen dann die wichtigsten? Gibt es Kriterien, mit denen man die wesentlichsten Fragen bestimmen kann?

Gibt es bedeutende Fragen, die meinen Weg betreffen? Ist das, was ich mache, auf meinem Weg, oder mache ich es für sonst jemand? Bringt mir etwas kurzfristig eine Befriedigung, oder hilft es mir auf meinem Weg? Fälle ich meine Entscheidungen mit dem Herzen? Bin ich wirklich sicher, dass ich mein Herz spüre? Nach welchen Kriterien entscheide ich sonst? Wer beeinflusst meine Entscheidungen?

Mit welchen Fragen beschäftige ich mich sonst? Ist es möglich, einen gänzlich neuen Gedanken zu denken? Oder sind alle Gedanken schon gedacht? Wie könnte ich einen vollkommen neuen Gedanken finden? Ist es möglich einen Gedanken zu denken, der nicht auf bestehenden Gedanken aufbaut?

Ist der Raum der Liebe konstant? Wenn ich in Liebe handle, heisst dies, dass an einer anderen Stelle die Liebe geringer wird? Oder, ist die gesamte Seelenmenge konstant? Wenn neue Seelen entstehen, heisst dies, dass woanders Seelen eingehen?

Müssen die Fragen dieses Forums geordnet sein, oder soll ich sie einfach so aufschreiben, wie sie mir in den Sinn kommen?

Mit was soll ich den Rest meines Lebens verbringen? Was würde ich tun, falls ich nur noch ein Jahr leben könnte? Was würde ich tun, wenn ich wüsste, dass ich heute Abend sterbe?

Gibt es eine absolute Wahrheit, oder ist Wahrheit immer etwas Relatives?

Wer bin ich? Bin ich mein Körper? Gibt es überhaupt ein konkretes Ich? Bin ich die Summe meines Denkens? Bin ich nur eine Illusion?

Braucht es Beziehungen zu anderen Menschen? Wie sollen die Beziehungen gestaltet sein? Was ist eine Beziehung? Wann ist es eine Beziehung? Wie entscheide ich, mit wem ich eine Beziehung suche und mit wem nicht? Wie viel soll ich alleine sein? Wieso habe ich Beziehungen?

Gibt es ein Nichts? Ist dieses Nichts die Summe von allem? Sollte alles nichts sein, wieso nehme ich dann etwas wahr? Ist meine Wahrnehmung eine Illusion?

Gibt es einen Grund für alles? Können auch Dinge existieren ohne Grund?

Kann man entscheiden, ob etwas gut oder böse ist?

Was soll ich gerade jetzt machen?

Was soll ich tun, mit dem, was ich weiss? Geht mein Wissen verloren, wenn ich sterbe? Oder vielleicht sogar schon vorher? Soll ich deswegen besorgt sein?

Was soll ich lernen? Bringt es etwas, Dinge zu lernen? Weiss ich schon genug und geht es nun nur noch um Beobachten?

Habe ich heute gelebt? Habe ich heute geliebt? Habe ich heute irgendetwas Bedeutendes getan? Spielt es überhaupt eine Rolle, ob ich diese Dinge getan habe oder nicht?

Gibt es irgendetwas wofür es sich zu sterben lohnt? Würde ich mich opfern, wenn ich wüsste, dass dadurch die Erde gerettet würde? Lohnt es sich überhaupt, die Erde zu retten? Ist die Erde in Gefahr?

Soll ich mir über meine Zukunft Gedanken machen? Ist es wichtig, Ziele zu setzen? Soll ich mir Fragen stellen wie: „Wo will ich in fünf Jahren sein?“ Wie soll ich diese Frage beantworten, falls mir sie jemand anders stellt?

Bin ich mir gegenüber ehrlich? Will ich Dinge von mir oder anderen nicht wahrhaben? Versuche ich anderen etwas vorzumachen? Wenn ja, wieso?

Was macht mich glücklich? Was macht mit wütend, traurig, sehnsüchtig? Von was habe ich Angst?

An was scheitere ich?

Was sind die bedeutendsten Erlebnisse meines bisherigen Lebens? Was sind die peinlichsten Momente?

Was soll ich nicht mehr tun?

Wofür bin ich dankbar?

Muss ich planen?

Wer sagt mir, wer ich bin? Spielt dies eine Rolle?

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt? Wie finde ich ihn?

Bin ich sicher? Soll ich sicher sein?

Sind es Menschen, die Ideen weiterbringen oder sind die Ideen bereits da und suchen Menschen, die sie tragen?

Was ist das wichtigste, was ich noch tun könnte? Wie beurteile ich, was wichtig ist und was nicht? Spielt es eine Rolle, ob ich Handlungen in wichtige und unwichtige einteile? Wenn ja, wieso?

Was wäre wenn?

Will ich wirklich, was ich behaupte zu wollen?

Wieso geschehen die Dinge, wie sie geschehen? Muss ich das wissen?

Auf was lege ich Wert? Soll ich überhaupt auf Dinge Wert legen? Soll ich mich um Dinge kümmern, die für andere einen Wert haben? Wieso legen Menschen auf bestimmte Dinge Wert und nicht auf andere?

Liebe ich mich selbst?

Was soll ich loslassen?

Gibt es Chancen, die ich nicht wahrnehme? Ist es wichtig, Chancen zu ergreifen? Oder kommen die richtigen Dinge so oder so auf mich zu, ohne dass ich mich darum bemühen muss?

Gibt es Dinge die ich bereue?

Was versuche ich zu vermeiden?

Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?

Woher komme ich? Woher kommt das Universum? Hat das Universum einen Grund? Hat es einen Anfang? Bestehen mehrere Universen? Kann ich erfahren, wie es dort zu und her geht? Wie?

Wieso gibt es Krieg? Kann die Menschheit verändert werden? Wäre es besser, es gäbe keine Menschen?

Gibt es Dinge die nicht akzeptabel sind? Wieso sind sie nicht akzeptabel? Wer beurteilt solches?

Wo bin ich? Wann bin ich?

Wenn ich die Schweiz verlassen müsste, wohin würde ich gehen? Wenn ich meine Arbeit beenden müsste, was würde ich tun?

Sind die Gesetze der Mathematik konstant oder können sie verändert werden? Und wie würde die Welt anders aussehen, falls wir die Mathematik ändern? Ist die Logik überall die gleiche? Wie kann man bestimmen, ob sie es ist oder nicht?

Was würde ich tun, falls ich einen Tag lang unsichtbar sein könnte?

Gibt es Fälle, wo Lügen in Ordnung ist? Was ist eine Lüge? Ist es immer klar, wann etwas eine Lüge ist, und wann nicht? Wie kann ich beurteilen, ob etwas wahr ist oder nicht? Gibt es überhaupt eine Wahrheit?

Soll ich Gesetzen Folge leisten, die ich sinnlos empfinde? Welche Gesetzt erachte ich als sinnlos? Welche Gesetzte fehlen?

Was würde ich tun, falls ich Bundesrat sein könnte? Was würde ich tun, falls ich absolut herrschen könnte?

Was würde ich der Welt sagen, falls ich die Gelegenheit hätte, dass mir alle 10 Minuten lang zuhören würden? Wenn ich in der Welt ein Ding ändern könnte, was wäre es?

Was würde ich in meiner Vergangenheit ändern, falls dies möglich wäre?

Würde ich mein Leben anders gestalten, falls niemand da wäre, der mich beurteilen könnte?

Was habe ich vergessen?

Was war mein grösster Fehler?

Was fehlt mir im Leben?

Habe ich Geheimnisse, die ich niemandem erzähle? Wieso nicht?

Welches ist das beste Geschenk, das ich je erhalten habe? Welches ist das Beste, das ich je gegeben habe?

Welches sind die besten Ereignisse, die mir passiert sind? Welches das Schlechteste? Wie unterscheide ich gute von schlechten Ereignissen?

Gebe ich mein Geld so aus, wie es mir entspricht? Was beeinflusst, wie ich es ausgebe?

Gibt es Dinge, von denen ich weiss, dass sie wahr sind? Wieso weiss ich das?

Sollen Menschen geklont werden dürfen? Ist es in Ordnung, Embryonen genetisch zu verändern? Haben Menschen, die heute leben, einen grösseren Wert, als solche, die in der Zukunft leben? Falls Menschen ewig leben könnten, dürfte man sie zum Sterben zwingen dürfen? Soll man sich um den Klimawandel kümmern? Soll man sich um die Probleme der Menschheit kümmern?

Welches sind die schwierigsten Fragen? Welches sind die schwierigsten Entscheidungen?

Gibt es auch unbedeutende Frage, die trotzdem interessant sind? Wieso kann ich mich zum Beispiel selbst nicht kitzeln? Oder habe ich etwas erreicht, wenn ich beschliesse nichts zu erreichen, und dies geschafft habe? Oder wie kommt ein „Rasen betreten verboten“ Schild auf einen Rasen?

Wenn ich eine dieser Fragen beantwortet bekäme, welche wäre es?

Wieso schreibe ich ein Forum mit lauter Fragen?

War das alles? Für was war das nun gut?

Sonntag, 1. März 2015

Der Schamane und die Welt


Egal wo man hinschaut, überall ist etwas am Geschehen, ob in der weiten Welt, im eigenen  Land oder in der Gemeinde. Wir hören vom Krieg in der Ukraine, von den ISIS Terroristen, von Epidemien, Attentaten, Bankenskandalen, Klimaveränderungen oder auch lokalen Problemen wie Korruption und Planungsfehlern beim Bau von neuen Strassen oder Turnhallen. Mitunter sind wir aktiv aufgefordert, unsere Meinung zu äussern, etwa an Wahlen oder an Abstimmungen, aber meist geschehen diese Dinge ohne unser Hinzutun. Wir äussern allenfalls unser Unmut in Diskussionen mit unseren Mitmenschen. Dabei denken wir oft, dass unser Einfluss klein ist – was zählt schon unsere Stimme, oder wie könnte der Ukrainekrieg durch unsere Meinung beeinflusst werden?

Aber schauen wir genauer hin: Unsere Reaktionen auf diese Ereignisse basieren auf Entscheidungen die wir fällen. Es ist eine Entscheidung, wem wir unsere Stimme geben. Es ist auch eine Entscheidung, wie wir gegenüber unseren Mitmenschen den Ukrainekonflikt oder die Ebola Epidemie kommentieren. Es ist ferner eine Entscheidung, ob wir eine konkrete Handlung tätigen oder nicht, etwa ob wir spenden, hingehen oder Flüchtlinge aufnehmen.  Und – wie schon sehr oft erwähnt – wollen wir unseren eigenen Weg im Leben gehen, so müssen alle unsere Entscheide mit dem Herzen gefällt werden. Dies gilt selbstverständlich auch für unsere Entscheide, ob und wie wir uns gegenüber Weltproblemen verhalten, wie wir wählen oder abstimmen oder welche Meinungen wir äussern.

Unsere konkrete Reaktion dürfen wir aber nicht davon abhängig machen, ob wir den Eindruck haben, unser Beitrag würde eine Rolle spielen oder nicht (dies wäre ein Kopf- oder ein Gefühlsentscheid), sondern wir tun etwas oder äussern uns auf eine bestimmte Art, weil unser Herz ja sagt dazu.

Abgesehen davon ist alles auf der Welt miteinander vernetzt. Dies geschieht in der spirituellen Welt sogar noch viel stärker als in der materiellen. So ist unser Einfluss unter Umständen viel grösser, als wir vermuten. Weil die Zusammenhänge vielfältig und komplex sind, ist es kaum abzuschätzen, was unser persönlicher Einfluss sein wird.

Und noch etwas gilt es zu beachten: Die Tatsache, dass wir Kenntnis davon haben, dass man mit dem Herz entscheiden kann, gibt uns auch eine grosse Verantwortung, dies tatsächlich zu tun. Oder umgekehrt, jeder nicht gefällte Herzentscheid hat einen negativen Einfluss auf das Geschehen, einen, den wir hätten vermeiden können.

 


Zeugnis aus der islamischen Zeit in Spanien. Wieso ich dieses Bild zeige wird im Verlauf des Textes klar.

Damit wir aber betreffend den Geschehnissen im Aussen mit dem Herzen entscheiden können, ob und welcher Beitrag wir leisten, müssen wir sicher sein, dass wir alle Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, auch wirklich wahrgenommen haben. Unser Herz kann nicht zu einer Möglichkeit zustimmen, die wir gar nicht kennen. Es ist deshalb nötig, dass wir die Situationen genau analysieren, bevor wir mit dem Herz entscheiden. So stossen wir allenfalls auf Handlungen, die uns sonst verborgen geblieben wären. Ohne diese genaue Analyse hätten wir also unseren eigenen Weg nicht gehen können, weil wir ihn gewissermassen nicht gesehen hätten.

Selbstverständlich können wir uns dabei nicht im Detail mit allem befassen was es auf dieser Welt gibt. Der Massstab ist unsere Betroffenheit. Spüren wir ein Gefühl, eine Verzweiflung oder Schmerzen, dann lohnt sich das genauere Hinsehen. Die anderen Themen können wir ruhig beiseitelassen.

Selbstverständlich geht es bei allen Themen auch immer um innere Wege und um die innere Heilung – dies sei hier explizit in Erinnerung gerufen. Wir beobachten also nicht nur die Themen im Aussen und bestimmen mit dem Herzen, wie wir darauf reagieren, sondern wir widmen uns gleichzeitig der Heilung unserer Wunden, die wir dank diesen Themen erkennen. Vielleicht ist dies auch schon genug und konkrete Handlungen im Aussen sind gar nicht notwendig. Dieser Ansatz gilt immer – ich habe ihn mehrmals in Foren und Büchern beschrieben – er ist aber nicht der Fokus des vorliegenden Artikels.

 Wie geht man nun konkret vor? Dies lässt sich am besten an einem Beispiel zeigen. Hierzu wähle ich den Islam, welcher in letzter Zeit dauernd in den Medien ist, sei es wegen ISIS, Charlie Hebdo, die Rettung des Abendlandes und dergleichen. Ich schildere dabei mein persönlicher Zugang – dies muss so sein, denn es handelt sich ja immer um eigene Wege. Andere Menschen mögen andere Möglichkeiten und andere Handlungen sehen, die sie dann von Herzen umsetzen können. Es geht mir hier also nicht darum, zu erklären, dass ich die richtige Ansicht oder die richtigen Handlungen mache, sondern zu zeigen, wie ich im Sinne eines Beispiels dieses Thema angegangen bin und wie ich zu den Entscheidungen und Handlungen gekommen bin, die meinem Herz entsprechen.

Schon lange vor Charlie Hebdo und ISIS stiess ich in Spanien auf den Islam. Grosse Teile der iberischen Halbinsel waren von 711 bis 1614 islamisch. In dieser Zeit – in der das übrige Europa im tiefen Mittelalter steckte  - erlebte Spanien eine wahre Hochkultur. Sehr geholfen hat dabei die Toleranz der islamischen Herrscher gegenüber anderen Religionen, hauptsächlich den Christen und Juden. In dieser Vielfalt konnten neue Ideen aufkommen und bedeutende islamische Weisheitsträger wie etwa Ibn Al-Arabi lebten und wirkten in Spanien.

Mein in Spanien generiertes Interesse am Islam führte mich zu den wichtigen Weisheitsträger und Poeten des Islam (wie Rumi) und zu den Sufis.  Ich entdeckte bei letzteren Ansichten, die ich nicht erahnt hätte – so liegt das Weltbild der Sufis sehr nah am schamanischen. Zum Beispiel geht es den Sufis auch darum, den eigenen Weg zur Liebe zu finden. Ich habe weiter die Stimmung in einigen Moscheen wahrgenommen und war erstaunt wie friedlich etwa die Stimmung in der Hauptmoschee von Paris war – überall hatte es Teppiche und Kissen auf denen Menschen sassen und beteten oder meditierten.

Kurz, der Islam, den ich erlebte, war ganz anders, als das was ich in der Zeitung las, oder etwa eine Woche nach Charlie Hebdo am Gard du Nord mitverfolgte, als ich beobachtete, wie fünf Polizisten einen zappelnden, arabisch aussehenden Mann durch den Bahnhof schleppten. Es war auch anders als die Hetze, die ich von rechtspopulistischen Parteien oder Exponenten wie Thiel oder von Pegida erlebte. Dieser Widerspruch beschäftigte mich, machte mich betroffen und ich forschte weiter.

Ich las einige Bücher über den Islam und begann dessen Entstehung und Inhalt zu verstehen. Ich sah durchaus die Widersprüche im Koran, ich sah die Passagen, welche zu Gewalt auffordern – entdeckte dann aber Passagen mit dem genau gleichen Inhalt auch in der Bibel. Auch das Christentum hat eine sehr blutige Geschichte und auch hier wurden Religionsstaaten mit Terror gefordert. Ein Beispiel ist Genf, wo der Reformator Calvin (heute gefeiert) seine religiösen Gegner öffentlich verbrannte… Erinnern wir uns auch an die Hexenverbrennungen, die Kreuzzüge, die Ausrottung der Katharer und so weiter. In anderen Worten waren die Texte beider Religionen voller Gewalt aber auch voller Weisheit. Und beide Religionen konnten Gutes oder Schreckliches begründen.

Meine Schlussfolgerung: Der Islam ist vielfältig. Er ist wie die Menschheit selbst, voller Gutem und Bösem. Das Problem ist nicht der Islam als solchen, sondern es entsteht dort, wo ihn Einzelne auf wenige Schlagworte reduzieren wollen und dabei natürlich meist ganz andere Ziele verfolgen, etwa mehr Macht oder Prestige. Dies gilt sowohl für die Anhänger, wie für die Gegner des Islam. Diese Beobachtung gilt ferner nicht nur für den Islam, sondern für jede Religion, überhaupt für jede Philosophie oder gar für jedes System. Die Dinge sind komplex und vielfältig – es ist eine Gefahr, sie zu stark zu vereinfachen.

Die Konsequenz ist, dass die Dinge in ihrer ganzen Vielfalt angesehen werden sollten. Es hat viele Aspekte zu allem und am besten erkennt man diese, wenn man die unterschiedlichen Sichtweisen wahrnimmt. Dies gelingt am besten, wenn man sie zuerst aus einer möglichst übergeordneten Perspektive ansieht. Dann bemerkt man, dass in den Teilsystemen die Menschen nur streiten, weil sie nicht das Ganze sehen. Es geht also darum, die Dinge nicht zu vereinfachen, nicht in Untersysteme einzuteilen sondern die Dinge immer in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Es geht in diesem Sinne nicht um Islam oder Christentum, sondern um organisierte Religionen, oder sogar um Philosophien oder um das Menschsein oder um das Leben als Ganzes.

Wie gehe ich nun damit um? Welche Handlungen ergeben sich aus dieser Analyse, zu denen mein Herz dann auch ja sagen könnte? Ich erkenne, dass ich – wo nur möglich – mich dafür einsetzen kann, dass Dinge differenzierter betrachtet werden. Ich muss die Vielfalt von Ansichten unterstützen und immer wieder anregen, die Dinge möglichst aus übergeordneter Sicht anzusehen.

Wo kann ich nun so handeln? Einerseits kann ich meine Erfahrungen mit dem Islam anderen mitteilen (wie ich jetzt zum Beispiel mit diesem Text tue). Ich kann auch mein übriges Leben betrachten, und mich dafür einsetzen, dass man die Dinge aus übergeordneten Sichtweisen betrachtet. Ich bin ja in sehr vielen Systemen eingebunden, etwa bei meiner Arbeit und kann dort beispielsweise verstärkt Projekte vorschlagen,  die Gesamtsysteme anschauen, statt Details.

Die Aufgaben (von Herzen), die ich also aus meiner Betrachtung des Islams ableite sind:

·        Überall wo ich in Systeme eingebunden bin, setze ich mich dafür ein, dass die Dinge aus übergeordneten Perspektiven angeschaut werden, statt, dass sie in Einzelteile heruntergebrochen werden.

·        Dort wo ich vereinfachende, plakative oder polemische Schilderungen höre, versuche ich die Vielfalt darzustellen und aufzuzeigen, dass es viele Wege und Sichtweisen gibt.

Diese Handlungen haben nun nicht direkt mit Charlie Hebdo, dem Krieg in Syrien oder Pegida zu tun – aber es sind die Handlungen, die ich konkret zu diesem Zeitpunkt machen kann. Ich muss dabei nochmals betonen: Für andere Menschen mögen andere Handlungen aus ihrer persönlichen Analyse stammen – jeder Mensch hat einen eigenen Weg des Herzens.

 

 

 

Donnerstag, 1. Januar 2015

Heimat


Viele von uns spüren eine Sehnsucht nach Heimat, nach einem Zuhause, einem Ort und meistens auch einer Zeit, an dem und in der wir uns wohl, sicher, aufgehoben und geborgen fühlen. Wo sind solche Orte? Wie findet man sie? Ist das Zuhause oder die Heimat im Aussen zu suchen? Oder ist „zu Hause sein“ vielleicht auch etwas ganz anderes?

Hier meine persönliche Suche nach Heimat, mit den Fragen, die ich mir dabei stellte und was dabei herausgekommen ist. Ich möchte dabei das „Persönlich“ betonen. Andere Menschen finden vielleicht ihre Heimat durchaus an Orten, wo ich sie nicht finde. Die Frage danach ist aber für alle gleich.

Ich fragte mich als Erstes: Was ist genau mit „Heimat“ gemeint? In einem Wörterbuch fand ich folgende Definitionen:  1) Das Land oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zu Hause fühlt, weil man schon lange dort wohnt ("nach einer langen Zeit in der Fremde in die Heimat zurückkehren") und 2) das ursprüngliche Herkunftsland von etwas ("Die Heimat der Kartoffel ist Südamerika."). Nimmt man den ersten Teil der Definition, müsste meine Heimat dort sein, wo ich der grösste Teil meiner Lebenszeit verbracht habe. Ich rechnete dies aus und kam auf folgende Grafik, welche aufgeteilt nach Länder, meine Heimat darstellen müsste:

 


 

Lebenszeit auf Länder aufgeteilt. Jedes Jahr wurde gleich gewichtet.

Ist nun die Schweiz eine halbe Heimat, die USA eine Drittelheimat? Müsste Heimat nicht eine mehr oder weniger ganze Sache sein? Dieser Ansatz fühlt sich nicht stimmig an. Ich habe deshalb den zweiten Teil der Definition ebenfalls berücksichtigt – was zu einer stärkeren Gewichtung der Anfangsjahre führt. Zusätzlich habe ich in der zweiten „Heimatrechnung“ Zeiten, die weniger lang zurück liegen, ebenfalls stärker berücksichtigt, da ich mich besser an sie erinnere. Um der Definition gerecht zu werden, habe ich also den Anfang des Lebens und die kürzlich vergangenen Jahre am stärksten gewichtet. Dies führt bei mir zur nachfolgenden „Heimat“:  

 


 

Lebenszeit auf Länder verteilt mit einer stärkeren Gewichtung der ersten und letzten Jahre.

 

Stellt dies nun meine Heimat dar? Das heisst, ich müsste mich in der Schweiz und in den USA am wohlsten fühlen, aber je nur zu knapp 40 Prozent -  nicht gerade eine hohe Zahl. Auch dieser Ansatz führt bei mir nicht zu einer Heimat. Für gewisse Menschen mag ein Ort oder ein Land einen viel höheren Wert aufweisen für andere einen kleineren – aber als allgemeine Heimatdefinition geht dies nicht. Heimat liegt nicht in einem konkreten Land oder an einem konkreten Ort…

Die Definition des Wörterbuchs funktioniert nicht. Ich muss andere Ansätze testen:

Vielleicht ist es die Sprache? Fühle ich mich dort zuhause, wo bestimmte Sprachen gesprochen werden? Ich habe diese Frage für mich analysiert und gemerkt: Ich fühle mich am meisten in den Sprachen Englisch (nur Amerikanisch), Italienisch und Spanisch zuhause. Dies hat interessenterweise nichts damit zu tun, wie gut ich diese Sprachen kann, und widerspricht zudem der oben erwähnten Länderaufteilung, wonach eher Schweizerdeutsch und English meine „Heimat“ sein müssten. Zumindest für mich: Heimat liegt nicht in einer konkreten Sprache…

Wenn es nicht Länder oder Orte sind und auch nicht die Sprache, dann ist es vielleicht die Landschaft? Ich beobachte an mir zwar Tendenzen - Ich fühle mich etwa in hügeligen mehr zuhause als in alpinen Gebieten, mehr in Weiten als in Tälern, mehr im Jura als in den Alpen, mehr in der Extremadura als in Norwegen - aber grundsätzlich kann ich an allen Landschaften Gefallen finden, es gibt keinen eindeutigen Favoriten. Mir scheint: Heimat liegt nicht in der Landschaft…

 Ist die Natur meine Heimat? Ich fühle mich sehr wohl in der Natur, aber auch hier in jeder Art von Natur. Es kann also nicht ein konkretes Biotop sein, wie etwa ein Wald oder eine Steppe. Es könnte allerdings die Natur als Ganzes sein. Nur würden mir dann kulturelle Dinge wie etwa Bücher oder auch andere Menschen fehlen. Die Natur als Heimat zu bezeichnen wäre also unvollständig. Deshalb: Die Natur ist nicht Heimat…

Vielleicht sind es die Menschen? Ist meine Heimat dort, wo ich mich verstanden fühle, ich so sein kann, wie ich bin, wo mich andere Menschen mögen? Überall wo ich bin (d.h. an allen Orten aber auch in allen Arten von Gruppen wie z.B. der Familie) kenne oder treffe ich Menschen, zu denen ich mich verbunden fühle. Aber überall hat es auch solche, zu denen ich keine Verbundenheit spüre. Es gibt also keine Gruppe, wo ich mich mit allen Mitgliedern verbunden fühle. Ich könnte nun sagen, Heimat sind immer nur diejenigen Menschen, zu denen ich gerade eine Verbundenheit spüre. Vielleicht. Aber manchmal ändert dies, das heisst ich spüre eine Verbundenheit zu einem Menschen und dann nicht mehr oder umgekehrt. Reicht das für eine „Heimat“? Mir scheint nicht, Heimat müsste stabiler sein und ich postuliere: Andere Menschen sind nicht Heimat…

Ist Heimat eine Zeit? Ist 2015 meine Heimat, beispielsweise im Gegensatz zur Römerzeit oder zu den Steinzeitmenschen? Ich beobachte zwar, dass es Zeiten gibt, zu denen ich mich hingezogen fühle (z.B. zu den Kelten oder eben zu den Römern) und zu anderen, zu denen ich weniger Verbindung spüre (z.B. dem Mittelalter). Aber zu welchen Zeiten ich mich auch immer verbunden fühle – ich kann nicht dorthin. Ich bin immer im Jetzt und nicht in anderen Zeiten. Wenn ich aber keine Wahl habe, dann ist es müssig in dieser Beziehung über „Heimat“ zu sprechen. Folglich: Eine bestimmte Zeit ist nicht Heimat…

Ist Heimat eine Philosophie oder Weltanschauung? Bin ich dort zuhause, wo andere Menschen gleich denken wie ich, etwa betreffend Politik, Religion, Lebensführung und dergleichen? Ich mag aber die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ideen und Weltanschauungen. Mir würde es langweilig, und ich würde meine eigenen Ideen nicht weiterentwickeln können, wenn ich nur von Menschen umgeben wäre, welche die Dinge gleich sehen wie ich. Nein, Heimat liegt nicht in einer bestimmten Philosophie…

Was dann? Wenn es nichts im Aussen ist, vielleicht liegt die Heimat bei mir selbst? Ist etwa mein Körper meine Heimat? Wie kann ich das testen? Ich konzentriere mich auf meinen Körper, nehme ihn wahr und frage: Fühle ich mich da zuhause? Verschwindet die Sehnsucht nach Heimat? Sie tut es nicht. Zumindest in meinem Fall nicht: Mein Körper ist nicht meine Heimat…

Ist die Heimat meine Seele? Hier muss ich nicht lange überlegen – im „Schamanischen Buch der Seele“ habe ich dargestellt, wie veränderlich eine Seele ist, wie wir ständig Bewusstseinselemente aufnehmen und abgeben, wie das, was ich als Seele betrachte, mein Bewusstsein also, eine veränderliche Sache ist. Und das andere – und hier das gleiche Argument wie beim Körper: Meine Seele besteht jetzt auch schon und trotzdem empfinde ich Sehnsucht nach Heimat. Heimat müsste also etwas sein, was ich noch nicht oder nicht vollständig besitze. Heimat liegt nicht in der Seele.

Ist meine Heimat mein Weg? Ein eigener Weg ist immer neu, man weiss nie wo er hingeht. Unser Weg löst Angst aus, weil wir auf Neues zugehen, Trauer, weil wir altes verlassen. Ein Gefühl von Geborgenheit entsteht da nicht. Zudem suche ich ja genau auf meinem Weg (unter anderem) nach Heimat. Nein, der Weg als solcher fühlt sich nicht wie ein Zuhause an. Vielleicht führt der Weg zur Heimat, aber er ist es nicht selbst. Mein Weg ist nicht meine Heimat…

Ist Heimat die Liebe? Dabei betrachte ich Liebe als übergeordneter Raum, welcher dank meines Weges des Herzens vergrössert wird. Die Ausdehnung der Liebe ist also das Ziel des eigenen Weges. Bin ich dann in der Heimat, wenn ich zur Liebe geworden bin? Nur, dieser Zustand erreiche ich nicht vollständig, solange ich lebe. Also kein vollständiges Zuhause solange ich lebe? Dennoch: Vielleicht ist Heimat die Liebe…

Oder – gibt es gar keine Heimat? Mit Denken komme ich nicht weiter. Zeit, also, für eine schamanische Reise! Ich fragte meine spirituelle Helferin: „Was und wo ist meine Heimat?“ Sie lacht mich an, schaut in jede Richtung, blickt zum Himmel und zu den Bäumen, sie schaut zu den Städten und zu anderen Menschen. Sie streckt die Arme weit aus und findet: „Alles ist Heimat, deine Heimat ist alles. Es gibt kein Ort, kein Land, kein Mensch, kein Wesen, kein Ding, welches nicht Heimat wäre. Und weil Liebe alles ist, ist Heimat auch Liebe.“

Ich frage nach: „Wenn Heimat Liebe ist, beziehungsweise alles, dann erreiche ich das nie, vielleicht dann, wenn ich gestorben bin, aber nicht jetzt.“

Sie antwortet: „Aber doch, wenn alles Liebe ist, wenn Heimat alles ist, dann bist zu jetzt schon zuhause. Du bist – egal wo du bist, egal mit wem du bist – du bist in deiner Heimat.“

„Aber wieso spüre ich dann noch eine Sehnsucht nach Heimat? Das würde doch eher heissen, ich bin noch nicht dort.“

„Deine Sehnsucht zeigt dir nur, dass du es noch nicht gemerkt hast. Sobald dir das voll und ganz bewusst bist, dass alles, was du jetzt wahrnimmst deine Heimat ist, dann vergeht die Sehnsucht.“

„Und wie kann ich das merken?“

„Öffne dein Herz für alles. Öffne es so weit, dass es wirklich alles umfasst. Sobald du das schaffst, bist du überall zuhause.“

Meine langen Überlegungen und dann eine so einfache Antwort! Ich kann nichts beifügen… ich kann aber zusammenfassen: Heimat ist nichts Konkretes im Aussen, Heimat ist nichts Konkretes im Inneren, Heimat ist alles, Heimat ist die Liebe, Heimat finde ich, indem ich alles ins Herz schliesse.

Samstag, 1. November 2014

Grenzen


In den letzten Monaten zog es mich immer wieder zu Wanderungen, welche auch Grenzen verlaufen. Meist führten diese auf den Landesgrenzen zwischen der Schweiz und Frankreich, z.T. auch zu Deutschland und Italien oder auch auf der Grenze zwischen  Liechtenstein und Österreich. Zu Beginn wusste ich nicht genau, wieso ich dies tat, ich wusste aber, dass es sich stets lohnt solchen Impulsen nachzugehen. Nach und nach merkte ich, dass es darum ging, die Qualitäten von Grenzen auf diese Art und Weise kennen zu lernen. Grenzen bestehen ja nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Menschen, oder zwischen der Arbeits- und Privatwelt oder etwas zwischen der materiellen und der spirituellen Welt. Hier möchte ich einige meiner Beobachtungen aufführen und schildern, welche Erkenntnisse ich daraus ableiten konnte.

 




Beobachtungen an Landesgrenzen können Erkenntnisse über Grenzen im Allgemeinen liefern. Alle Fotos: Jakob

Die Bewirtschaftung der Wälder und Felder ist meist von Land zu Land radikal anders. Der Wechsel findet meist genau an der Grenze statt und ist deshalb hier besonders ersichtlich. Sehr gut ist diese Änderung entlang der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz ersichtlich, weil hier die Grenze meist durch geologisch und klimatisch genau gleiche Gebiete geht. Die Natur wäre hier auf beiden Seiten genau gleich – die Unterschiede stammen alle von menschlicher Hand. Es kommen hier zwei Bewirtschaftungsphilosophien auf engstem Raum zusammen, die eigentlich weit weg – in Bern, Paris oder Brüssel – entwickelt wurden.

Erkenntnis: Von Natur aus wären die Übergänge fliessend und es bestünden keine abrupten Grenzen.  Dies wäre auch bei anderen Grenzen so, etwa bei Menschen. Das heisst es bestünde nicht wirklich ein klarer Ort, wo jemand aufhört und der nächste beginnt, sondern auch dies wäre wohl ein fliessender Übergang. Doch versuchen wir stets unsere Grenzen klar zu definieren, es besteht kein klarer Ort wo jemand aufhört und der nächste beginnt. Es tut gut, Grenzen nicht als etwas absolutes, sondern als etwas fliessendes anzuschauen.

Ausser bei hohen Bergketten, Seen und Flüssen, befindet sich fast überall ein Weg, welcher exakt auf der Grenze verläuft und von Grenzstein zu Grenzstein führt. der von Grenzstein zu Grenzstein führt. Es ist also meistens sehr einfach, genau auf der Grenze zu wandern und auf der einen Seite das eine Land und auf der anderen das andere wahrzunehmen. Interessanterweise ist dieser Grenzweg oft unabhängig von den Wald- oder Feldbewirtschaftungswegen auf beiden Seiten. Das heisst, jede Seite hat seine eigenes Wegnetz, der Weg auf der Grenze ist eigenständig.

Erkenntnis: Es ist immer die Aufgabe eines Menschen, insbesondere eines Schamanen, der einen eigenen Weg geht, die Dinge aus den verschiedensten Blickwinkeln anzuschauen. Konkret kann dies der Blickwinkel der materiellen und der spirituellen Welt sein, oder etwa der eigene und der Blickwinkel eines anderen Menschen oder etwa der Blickwinkel der Menschheit und der des Planeten. Ein Mensch ist in diesem Sinne immer auch ein Grenzgänger. Ein Mensch der eigene Wege geht ist auch unabhängig von bestehenden Wegnetzen in den einzelnen Bereichen. Er ist etwa unabhängig von bestehenden Wegen in der materiellen Welt aber auch von bestehenden Wegen in der spirituellen Welt – er lässt sich nie in solche einbinden.

 




Beispiele von Wegen direkt auf der Grenze zwischen Frankreich und er Schweiz.

Jedes Land hat eigene Methoden Dinge zu markieren, wie etwa Wanderwege, Strassen, Wegkreuzungen, zu fällende Bäume, Wasserleitungen. Diese Markierungen ändern meist genau auf der Grenze, das Design der Ortstafeln ändert beispielsweise sofort. Eine Ausnahme sind Wanderwegmarkierungen, welche mitunter über die Grenze hinweggehen. So dringen Schweizer Wanderwegmarkierungen nach Frankreich und umgekehrt. Wieso diese Ausnahme? Wieso ist bei Wanderwegen erlaubt, was bei anderen Markierungen nicht der Fall ist? Was könnte die symbolische Bedeutung sein?  Wieso beim Wandern nicht, wieso sind dort Grenzüberschreitungen erlaubt? Was ist die symbolische Bedeutung?

Erkenntnis: Wandernd, eine langsame und wohl die natürlichste Bewegungsart, in der wir auch nichts verändern (wie z.B. Bewirtschaftung) ist die beste Art das andere zu erkunden, wir müssen langsam, natürlich, respektvoll vorgehen, wenn wir uns jenseits einer Grenze bewegen. Dies gilt sowohl dann, wenn wir etwa einen anderen Menschen kennen lernen, wenn wir eine andere Ansicht oder Philosophie uns anschauen, wenn wir und in der spirituellen Weg bewegen. Die Art und Weise des Wanderns ist hierzu geeignet, die anderen forscheren Bewegungsarten oder gar wenn wir versuchen Dinge zu verändern nicht mehr.
 


Eigentlich ändert die Wanderwegmarkierung wenn man in die Schweiz kommt, wie die obenstehende Tafel kundtut, doch gehen die Markierungen oft über die Grenze (siehe Bild unten).


 
Dieser Wanderweg ist sowohl mit französischen wie auch mit schweizerischen Wanderwegzeichen markiert.

Die Grenzsteine sind sehr unterschiedlich markiert. Manchmal steht auf der Schweizerseite das Land, manchmal ein Kanton und dies manchmal als Abkürzung und manchmal als Wappen. Alte Grenzsteine mit überholten Bezeichnungen (wie z.B. Bern, wo jetzt Jura wäre, oder Grossherzogtum Baden, wo jetzt Baden-Württemberg wäre, oder beim Dreiländergrenzstein in der Nähe von Réchésy, wo Deutschland gar nicht mehr angrenzt). Die Grenzsteine sind auch unterschiedlich alt, es wirkt so, wie wenn die Grenze über die Jahre ständig verfeinert wurde und leicht verändert wurde.

Erkenntnis: Auch unsere Grenzen verhalten sich so: Im Verlauf unseres Lebens und je mehr wir uns entwickeln, desto verfeinerter sind die Grenzen. Unsere Heilung bringt gewisse Themen zum Verschwinden und so sind unsere Grenzen an ganz anderen Orten. Manchmal treten aber auch neue Themen an die Stelle der alten.


 Grenzstein am nördlichsten Punkt der Schweiz, auf dem auf deutscher Seite die Abkürzung GB (Grossherzogtum Baden) angebracht ist. Die Schweiz endet hier in einer Spitze, was durch den spitzen Winkel gezeigt wird (Winkelinnenseite: CH, Winkelaussenseite: D)
 

Klare, modernere Beschriftung auf der Grenze zwischen Liechtenstein und Österreich.

Der Grenzverlauf ist oft extrem unregelmässig. In gewissen Gebieten führt er zwar schon entlang Wasserscheiden oder Flüssen, aber immer wieder mit Ausnahmen. Dort wo die Grenze keiner erkennbaren geografischen Logik folgt, ist der Verlauf sowohl im Grossen wie auch im kleinen Detail oft unsinnig. Da gibt es etwa eine Stelle (Bänggenspitz) bei Biel-Benken im Kanton BL an der Grenze zu Frankreich, wo die Schweiz nur noch etwa 50 m breit ist um dann wieder etwas dicker zu werden für ca. 800 m, um dort ein Waldstück zu umfassen, welches nach Frankreich hineinreicht. In dieses kleine Stück führt eine Schweizer Waldstrasse (wie könnte es anders sein) damit es nach Schweizer Normen bewirtschaftet werden kann. Weitere Beispiele sind die chaotischen Grenzverläufe zwischen Deutschland und der Schweiz zwischen Eglisau und Stein am Rhein. Die Geschichte hat zu diesem Grenzverlauf geführt, selten wurden Korrekturen vorgenommen.

Erkenntnis: Wenn wir unsere Grenzen nicht ständig überprüfen und korrigieren, dann werden sie chaotisch und unübersichtlich. Es ist uns dann beispielsweise nicht mehr klar, welche Themen wir wirklich noch anzugehen haben. Es lohnt sich deshalb unsere eigenen Grenzen mitunter anzuschauen und dort wo sie chaotisch sind zu heilen, damit wir abgerundeter unserem Leben begegnen können

 



Zwei weitere unregelmässige Grenzverläufe zwischen Frankreich und der Schweiz. Zu beachten vor allem der zweite Grenzstein, bei dem sogar auf dem Stein selbst die Grenze im Zentimeterbereich unregelmässig verläuft.

An der Grenze selbst ist es heutzutage meist friedlich: Es geht auf kleinen Weg von Grenzstein zu Grenzstein. Dass eine solche Grenze einmal bewaffnet oder umkämpft war ist nicht ersichtlich. Geht man aber etwas ins Innere der jeweiligen Länder, dann findet man zum Beispiel die Befestigungsanlagen oder Sperren aus den Weltkriegen. Diese sind als nicht an der Grenze selbst sondern meistens etwas versetzt. Zudem sind die Befestigungsanlagen selten symmetrisch, das heisst, wo die Schweiz Bunker gegen ein anderes Land gerichtet hat (z.B. gegen Deutschland) hat es auf deutscher Seite keine, aber wo z.B. Italien Bunker gegen die Schweiz gerichtet hat (wer das nicht glaubt, soll einmal zwischen Ponte Tresa und Porto Cerèsio in den Hügeln oberhalb des Lago di Lugano auf italienischer Seite wandern), hat die Schweiz wesentlich weniger Befestigungsanlagen. Auch beobachtet man grosse Unterschiede in der Dichte der Verteidigung je nach Ort, ohne dass aus der Geografie klar wird wieso. Man könnte meinen, dass Solches sorgfältig nach Kosten und Nutzen überlegt worden wäre – für mich ist diese Logik aber oft nicht ersichtlich. Zusammengefasst: Grenzen werden versetzt verteidigt, die Abwehr ist nicht symmetrisch und sie wird oft punktuell verstärkt, ohne dass die Logik dahinter offensichtlich wäre.

Erkenntnis: Diese Beobachtungen sind wichtig, wenn wir auf Grenzen von anderen oder anderem stossen. Nur weil wir an der Grenze selbst noch kein Thema erkennen, heisst nicht, dass es nicht ausbricht, wenn wir etwas tiefer gehen. An der Oberfläche sind die Dinge also oft noch gut, wir treffen aber auf Widerstand, wenn wir etwas oder jemand vertieft kennen lernen. Die Abwehr der anderen Person ist aber nicht logisch und symmetrisch, d.h. wir können von unserer Warte nicht auf den anderen schliessen. Auch wenn wir an einer Stelle (z.B. bei einem Thema) auf Widerstand stossen, heisst nicht, dass es an einer anderen Stelle durchlässig ist. Wir kommen z.B. bei gewissen Menschen bei manchen Themen in die Tiefe und bei anderen nicht – ohne dass eine erkennbare Logik dahinter stecken würde. Eine Grenze lässt sich am besten langsam abtasten und wir müssen uns dabei bewusst sein, dass die anderen unsere Grenzen und Themen auch als unlogisch empfinden und dass sie unsere Verteidigung genauso wenig verstehen wie wir ihre.
 


Schweizer Panzersperren, welche ein gutes Stück von der Grenze entfernt liegen.

Und wie so oft, wenn man denkt, man habe eine Geschichte zusammen, dann geht sie weiter: So hatte ich bis hierhin geschrieben und dann zog es mich auf einer weiteren Wanderung nochmals an die Grenze, diesmal in der Nähe von La Brévine. Zu meinem Erstaunen hatte es hier einen offiziellen Wanderweg exakt auf der Grenze, welche sogar die Grenzsteine zum Thema hatte, der „Sentier des Bornes“. Interessanterweise war dieser Weg weiss markiert, im Gegensatz zum üblichen Gelb. Weiss ist für mich die Farbe es Herzens, entscheidet man mit einem „weissen Herzen“, so geht man seinen eigenen Weg. Und hier war der Weg genau auf der Grenze, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. War dies das Zeichen, dass der Weg des Herzens ein Weg der Balance ist – so wie es beispielsweise auch Buddha lehrte? Auf diesem weissen Weg hatte es aber einen Störfaktor: Immer wieder bemerkte ich am Boden orange Pfeile, welche in die entgegengesetzte Richtung zeigten. Diese Pfeile kennzeichneten den Weg zusätzlich als Mountainbike Strecke. Im Gegensatz zur Wanderweg Markierung, waren diese schludrig mit einer Spraydose angebracht und es hatte wesentlich mehr orange Pfeile als weisse Wanderwegmarkierungen. Beim Mountainbike fahren ist die Beziehung zur Natur, der Kontakt mit der Erde meist nicht die Hauptmotivation, sondern der Weg ist ein Hindernisparcours, denn es zu bewältigen gilt. Dies gibt einen Kick, dies ist gewissermassen eine Ablenkung vom eigentlichen Weg. Es geht bei Wegen nicht um diesen Kick, es geht um das Herz. An einer Stelle (siehe Bild unten) zeigten dann zwei weisse Pfeile auf einen roten Punkt, alles auf einem Baumstamm angebracht – dies fasste in meinen Augen dann alles zusammen:  Meine Existenz (rot) auf dem Baumstamm (mein Weg, wachsend, oder auch meine Verbindung von Erde und Himmel) ist ein Weg der Balance. Nicht zu viel. Nicht zu wenig. Nicht zu weit, nicht zu nah. Und in allem darf ich mich vom schnellen Vergnügen nicht ablenken lassen …


 



 

 



 
Markierungen auf dem „Sentier des Bornes“ in der Nähe von La Brévine.

 
Diese Beschäftigung mit Grenzen ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man sich mit einem Thema auseinandersetzen kann, indem man Analogien im Aussen sucht und das, was man beobachtet symbolisch interpretiert.

 


 Beim Zoll in Lucelles treffen französische und schweizerische Strassenmarkierungen zusammen.