Sonntag, 12. Juli 2020

Verbindungsparasitismus: Fallbeispiel Mountainbiker


Gesehen: Ein ganzer Schwarm von sicher 20 Mountainbikers von allen Seiten quer durch den Wald sausen, zwei Mountainbikers mit Hunden einen steilen offiziellen Wanderweg hinunterrasen, schreiende und johlende Mountainbikers, solche mit Glocken und überhaupt, keine Wanderung ohne rasantes, erschreckendes Überholen. Dank Elektroantrieb geschehen diese Szenen sogar auf den abgelegensten Wegen. Als Konsequenz beobachte ich unzählige zerstörte Wanderwege, verwüstete Vegetation, aufgeschreckte Tiere, verwundete Baumwurzeln und natürlich ständig das Gefühl, irgendwann von hinten angefahren zu werden. Dank Helm und Brille sehen die Biker zudem aus wie Gestalten aus einem Science-Fiction Film wie Star Trek oder Star Wars. Nervig! Deshalb Anlass genug dem Phänomen aus schamanischer Sicht etwas auf den Grund zu gehen. Hier liegt sicherlich eine Erkenntnis verborgen:

Nach meiner Beobachtung kann man die Natur auf zwei Arten erleben: Entweder als Abenteuer oder als Gelegenheit sich mit ihr zu verbinden. Selbstverständlich bestehen dabei allerlei Zwischenformen. Aber schauen wir zur Verdeutlichung die beiden Extreme etwas genauer an.

Beim Abenteurer geht es nicht um die Natur als solche, nicht um deren Wesen, sondern um die Oberfläche der Natur. Beim Mountainbiker ist dies konkret die Form des Geländes, welches ihm die Herausforderung oder das Abenteuer bietet. Je schwieriger dieses Gelände, desto grösser das Abenteuer. Er will eine gute Abfahrt. Er verbindet sich also nicht mit dem Wesen der Elemente der Natur, sondern die Oberfläche der Natur ist nur dazu da, ihm einen Kick zu geben. Das Gelände löst bei ihm ein Gefühl aus, welches wiederum mit seiner Erwartung an das Abenteuer verbunden ist. In diesem Sinne löst die Abfahrt eine Verbindung mit sich selbst aus.  Zusätzlich verbindet er sich nach der Fahrt mit seiner Mountainbike Community, indem er das Abenteuer mit ihnen teilt und darüber diskutiert.  Der Kick, den der Mountainbiker erfährt, ist dabei mit einer Droge vergleichbar. Man nimmt die Droge, hat ein vorübergehendes Hochgefühl, welches dann aber wieder einige Zeit nach der Fahrt verschwindet. Um wieder zu einem Hoch zu gelangen, müssen die darauffolgenden Abfahrten krasser werden. Der Mountainbiker erhält somit jeweils einen kurzfristigen Energiegewinn, der aber nicht nachhaltig ist.

Als Gegensatz dazu gibt es den Naturverbundenen, welcher nicht das Abenteuer, sondern die Verbundenheit sucht. Dies sind zum Beispiel langsame Wanderer oder gar Menschen, die einfach unter einem Baum sitzen und diesen spüren wie auch die anderen Pflanzen, Tiere, Steine und Bäche rund herum. Es geht dem Naturverbundenen nicht die Form des Geländes, sondern um das Wesen des Berges, der Steine, der Pflanzen, des Wetters und so weiter – es kommt also nicht darauf an, ob es steil oder flach ist, ob er hoch oben oder tief unten ist, sondern ob er sich ungestört auf die Umgebung einlassen kann. Er möchte sich mit ihr verbinden, sie in ihrem Wesen wahrnehmen. Er muss dabei nichts mit Kollegen teilen, keine Geschichten erzählen, in seiner Naturverbundenheit ist er vollkommen zufrieden mit sich allein. Er muss auch nicht ständig krassere Verbundenheit suchen, denn die bestehende Verbundenheit gibt ihm bereits genügend nachhaltige Energie.

Energetisch gesehen hat es also einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Typen: Der Mountainbiker hat langfristig ein Energiedefizit, der Naturverbundene hat hingegen nachhaltig genügend Energie. Als Folge muss der Mountainbiker fremde Energiequellen anzapfen und von diesen zerren. Die naheliegendste Energiequelle ist dabei die Verbundenheitsenergie in der Natur. Dies ist einerseits die Verbundenheit zwischen dem Naturverbundenen und der Natur aber auch von den Tieren und Pflanzen untereinander. Dieses Anzapfen funktioniert so: Ein Wanderer kann sich nicht mehr auf die Natur einlassen, wenn er ständig einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf Mountainbikers oder auf die mögliche Gefahr angefahren zu werden lenken muss. Zusätzlich wandert er auf zerstörten Wanderwegen, die manchmal Rennbahnen gleichen und so zusätzlich die Verbundenheit erschweren. Die ersehnte Verbundenheit ist gebrochen und bekommt dadurch einen Energieleck, welcher dann der Mountainbiker in der Folge aufsaugen kann. Diese Energie ist eine seiner externen Energiequellen, um sein Defizit wettzumachen. Er ist wie ein Parasit oder Räuber, welcher sich von dieser fremden Energie nährt.

Rein auf der materiellen Ebene wäre die Lösung einfach: Es würden separate Abfahrtsrouten für Mountainbiker geschaffen (gibt es zum Teil bereits) und diese lassen die übrige Natur und die Wanderwege in Ruhe. Dies wird aber nicht funktionieren, weil es für den Mountainbiker energetisch nicht aufgeht. Er wird die Wanderwege und die Gebiete abseits von Wegen nicht in Ruhe lassen, weil er dann nicht mehr gleichermassen die Möglichkeit hätte, die Verbundenheit in der Natur zu parasitieren. Das Energiedefizit des Mountainbikers würde bestehen bleiben und er müsste zwangsläufig Verbote für Mountainbiker ignorieren oder sich sonst etwas einfallen lassen, sonst würde er energetisch gesehen auf die Dauer verhungern.

Ich erwähne hier Mountainbiker, aber sie sind bei weitem nicht die einzigen, welche Verbundenheit in der Natur parasitieren. Zu unterschiedlichen Graden sind dies auch Kletterer, Gleitschirmflieger, Jogger, Skifahrer, Lärmquellen aller Art wie Tierglocken oder Töff Fahrer, Hunde und natürlich durchaus auch Wanderer, welche in erhöhtem Tempo möglichst viele Höhenmeter schaffen wollen und dergleichen. Auch Installationen wie Bergbahnen, Skilifte, Rodelbahnen und dergleichen fördern das gleiche Parasitentum. Zu den Parasiten gehören damit alle, welche das Abenteuer und nicht die Verbundenheit suchen. Und natürlich besteht Verbindungsparasitismus nicht nur in der Natur, sondern auch in vielen anderen Situationen, etwa Menschen, welche die Verbindung zwischen anderen Menschen angreifen (aber solches ist ein Thema für ein Andermal).  Ich betone: Die Mountainbiker sind hier nur ein Fallbeispiel.  

Die Erkenntnis soweit: Es gibt einen Parasitismus, welcher auf Verbindungen abzielt.  Was ist nun der Umgang damit? Ich unternahm eine schamanische Reise dazu:

Meine Helferin sagt mir in Worten: «Konzentriere dich bei jeder Gelegenheit darauf, wie die Dinge verbunden sind, im Kleinen, im Grossen, erkenne, dass diese Verbindungen immer wieder gestört werden, aber wenn du immer alle Gelegenheiten wahrnimmst, dann wird dein Netz von Verbundenheit immer stärker, so dass du weniger anfällig bist auf den Verbindungsparasitismus.»
Ich protestiere: «Aber dadurch gehen die Parasiten nicht weg! Immer noch werde ich durch Mountainbiker gestört!»
«Nein, natürlich verschwinden sie nicht, aber weil du weniger anfällig bist, triffst du weniger auf sie, du bist nicht dort, wo sie sind und umgekehrt, und wenn du sie trotzdem antriffst, dann spielt es keine so grosse Rolle. Es kümmert dich nicht mehr. Achte ferner darauf, wo du selbst Abenteuer statt Verbundenheit suchst. Gehe selbst weniger dem Abenteuer und mehr der Verbundenheit nach! Erkenne, dass Beziehungsparasitismus einfach ein Teil des «Verbindungsökosystems» ist, genauso wie es auch sonst in der Natur Parasitismus gibt, gibt es diesen halt auch bei Verbindungen. Akzeptiere das! Wo Energie durch Verbundenheit entsteht, dort wird es früher oder später jemand geben, welcher diese Nahrungsquelle anzapft. Dies ist doch in der Natur auch so: Hat es eine Energiequelle, wird es ein Wesen geben, welches diese verwendet, so wie Räuber Beutetiere jagen, Zecken Blut saugen oder Pflanzenfresser Pflanzen essen. Dies gehört dazu. Die Auseinandersetzung zwischen Wirt und Parasit führt aber bei beiden zu Entwicklung, die Wirte werden stets ausgereifter, aber die Parasiten auch. Konkret wirst du Dank diesem Parasitismus viel mehr über Verbundenheit lernen, als dies sonst der Fall wäre. Die Mountainbiker unterstützen auf diese Art deine Entwicklung. Du kannst sogar dankbar sein, dass es sie gibt!»

Damit wird vieles klar…

Wie immer: In den Dingen, die uns nerven, liegen tatsächlich die besten Erkenntnisse verborgen. Es lohnt sich, diesen Sachen auf die Spur zu gehen…

In eigener Sache möchte ich auf die nächsten Kurse hinweisen:

Schamanische Reisen ins eigene Leben: Samstag/Sonntag, 7./8. November, 2020 jeweils 10 - 17 Uhr: Ein Schamane sucht und geht seinen eigenen Weg. Er beobachtet, wie er in seinem Alltag Hindernissen aller Art begegnet und wie diese bei ihm Gefühle, Krisen, Schmerzen und dergleichen auslösen. Es sind dies die vielen Spannungsfelder und Ungleichgewichte, in denen alle Menschen stecken. Diese Spannungsfelder ermöglichen den Weg zu einem harmonischen Zustand, zu Liebe und zu Freiheit. Dieser Weg wird gefunden, indem alle Entscheidungen mit dem Herzen gefällt werden.
An diesem Kurs hat jeder Teilnehmer die Gelegenheit ein persönliches Thema im Sinne des Schamanismus vertieft anzugehen, die Miteilungen und den Heilungsbedarf zu erkennen, sowie die nächsten Schritte zu bestimmen. Dazu werden diejenigen schamanischen Techniken verwendet und praktisch geübt, welche den konkreten Themen der Teilnehmenden angepasst sind. Weil es kein Zufall ist, wer am Seminar teilnimmt, werden auch Themen und Lösungsansätze der anderen Gruppenmitglieder für den eigenen Weg von Bedeutung sein. Das persönliche Thema wird so auf vielen Ebenen gleichzeitig angegangen.
Konkret bestimmt jeder Teilnehmende im Voraus ein Thema, welches er oder sie angehen will und auch in der Gruppe diskutieren kann. Dieses Thema kann entweder an einem Tag im Februar oder vertieft an zwei Tagen im November angegangen werden. Der Kurs ist sowohl für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene geeignet. http://www.obihaus.ch/Kurse.html#schamanismusImAlltag

Die schamanische Reise von Anfang an: Samstag, 28. November 2020, 9:30–17 Uhr
Oberwil bei Zug. Dieser Kurs bietet die Grundlage des Schamanismus an. Wie macht man eine schamanische Reise? Wie wendet man den Schamanismus im praktischen Alltag an? Wie geht man einen eigenen Weg: 

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Montag, 27. April 2020

Coronismus


Gemäss meiner Analyse handelt es sich bei den Corona Massnahmen immer mehr um eine Religion mittelalterlicher Prägung – welche man Coronismus nennen könnte. Ich möchte deshalb hier zuerst aufzeigen, wieso dem so ist und anschliessend daraus ableiten, wie man mit einer Religion umgeht, wenn man darin etwas Weisheit finden will. Ich wähle als Vergleich das Christentum beziehungsweise die Kirche des Mittelalters, weil einige der Charakteristika damals viel ausgeprägter waren als heute (obwohl es natürlich auch im Mittelalter kritische und tiefgründige Denker gab). Hier, in Tabellenform, der Vergleich einiger Merkmale des mittelalterlichen Christentums mit dem modernen Coronismus:



Thema
Mittelalterliches Christentum
Coronismus
Heilige Schrift
Bibel
Epidemiegesetz
Interpretation
Unfehlbarer Papst, Umsetzung durch Bischöfe und Kirchenhierarchie (keine Demokratie, keine Grundrechte)
Unfehlbare Virologen, Umsetzung durch Exekutiven von Regierungen (keine Demokratie, keine Grundrechte)
Leitsatz
Jeder Mensch hat eine Sünde (die Ursünde)
Jeder Mensch ist potentiell ein Virenträger
Grundmethode
Angst vor Hölle
Angst vor Isolation, Erkrankung und Tod
Massnahmen
Kirchgang, Ablass, Tragen von religiösen Symbolen (Kreuz), Religionskriege zerstören die Wirtschaft
Isolation, Distanz, Masken, Massnahmen zerstören die Wirtschaft
Zwang
Herrscher zwingt zum Glauben
Exekutiven zwingen zum Glauben
Umgang mit Kritikern und Ketzern
Verfolgung, Töten wegen Blasphemie, Hexenverbrennung
Masslose Strafen, Zwangsquarantäne, Einlieferung in Psychiatrische Kliniken
Willkürlichkeit
z.B. Mal katholisch, mal protestantisch, je nach Herrscher
z.B. Mal wirken Masken, dann nicht, ständige Änderung der Regeln
Absonderung von Anderen
Der Andere (andere Konfession, andere Religion) ist der Feind
Der Mitmensch ist der Feind, die Grenzen zu anderen Ländern sind geschlossen und diese sind somit ebenfalls Feinde
Gruss
«Grüss Gott», sich bekreuzigen
Sich vom Passanten abwenden, bewusstes Nicht-Grüssen (dies ist auch ein Gruss)



Vorangehende Merkmale sind natürlich nur einige Beispiele – man könnte diese Liste beliebig ausdehnen. Diese Beispiele sollen nur zeigen: Coronismus hat sehr viele Ähnlichkeiten mit einer Religion.

Religionen sind meines Erachtens dann problematisch, wenn man sie wörtlich nimmt. In diesem Fall sind sie meist inkonsequent, unlogisch und sogar gefährlich – sie führen etwa zu Krieg, Hetze, Zwang, schränken die Freiheiten ein und vieles mehr. Man kann aber in Religionen durchaus Weisheit finden, wenn man sie nicht wörtlich, sondern symbolisch oder allegorisch interpretiert. Dies ist der entscheidende Punkt. Viele moderne Christen tun dies durchaus mit der Bibel – die Geschichten dort (alles von der Erschaffung der Erde in 6 Tagen bis zur jungfräulichen Geburt von Jesus) werden symbolisch gedeutet und können dann Sinn machen. Das Gleiche gilt nun für das Epidemiegesetz und deren Massnahmen. Hier deshalb einige Möglichkeiten, wie man dieses Gesetz und die Massnahmen symbolisch interpretieren könnte:

Masken: Wir Menschen reden im Allgemeinen zu viel. Etwas mehr Stille und innere Einkehr täte uns gut womit wir besser auf unseren inneren Weg gelangen könnten. Also: Stille üben.

Abstand: Aus einer gewissen Distanz sieht man die Dinge oft klarer. Es lohnt sich, mitunter etwas Distanz zu den Dingen einzunehmen, damit man weniger in sie verwickelt ist. Also: Sich selbst und die aktuellen Probleme aus etwas Abstand anschauen.

Contact Tracing: Die Beziehungen, die wir pflegen sind enorm wichtig. Dank ihnen können wir beispielsweise uns selbst besser spüren und unsere alten Wunden erkennen und heilen (Dies ist detailliert in meinem Buch «Magische Begegnungen» beschrieben: https://jakoboertli.ch/bücher.html)  Es ist also sinnvoll, unsere Beziehungen mit Absicht wahrzunehmen. Also: Beziehungen bewusst wahrnehmen.

Geschlossene Grenzen: Wie gerade unter Contact Tracing erwähnt, sind Beziehungen sehr wertvoll. Die geschlossenen Grenzen zeigen, wie Beziehungen unterbrochen oder angegriffen werden. Wir müssen also nicht nur unseren Beziehungen mehr Bedeutung zumessen, sondern auch erkennen, was sie gefährdet. Also: Angriffe auf Beziehungen wahrnehmen.

Geschlossene Geschäfte: Oft definieren wir uns sehr stark durch unseren Besitz. Die geschlossenen Geschäfte zwingen uns, nur das Nötigste zu kaufen. Wir lernen dabei nicht das zu sein, was wir besitzen, sondern das zu erahnen, was wir unabhängig vom Besitz sind. Also: Sein statt Haben.

Hände waschen/desinfizieren: Wenn wir neue Handlungen oder Projekte beginnen, sind wir oft von alten Erfahrungen beeinflusst. Dies mag zwar mitunter von Vorteil sein, aber eine frische, unverdorbene Herangehensweise lässt uns oft mutig Dinge umsetzen, welche wir sonst als schwierig oder gar unmöglich einstufen würden. Also: Mit frischem Mut neue Dinge angehen.

Unsicherheit: Wir wissen weder, wie es genau weitergeht noch ob wir nicht plötzlich in Quarantäne gesteckt werden. Wegen dieser Unsicherheit leben wir viel mehr im Jetzt, denn wir wissen etwa nicht, ob es nun heute nicht etwa das letzte Mal war, wo wir für zwei Wochen nach draussen durften. Dank dieser Angst nehmen wir die Dinge viel bewusster wahr und erkennen vielleicht sogar Pfade in unserem Leben, die wir sonst nicht gesehen hätten. Also: Unsere Wahrnehmung schärfen und im Jetzt leben.

Wohlbemerkt: Diese Weisheiten im Umgang mit dem Gesetz und den Massnahmen funktionieren nur, wenn man sie symbolisch interpretiert. Sobald man sie wörtlich nimmt, geht die Weisheit verloren und man wird zum Fundamentalisten und die Umsetzung wird zumindest problematisch aber meist sogar gefährlich – so wie damals im christlichen Mittelalter wie auch heute im modernen Coronismus. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat symbolisch zu interpretieren beginnt, ist natürlich verschwindend klein, aber wir selbst können dies für uns selber tun. Immerhin! Und damit tun wir nicht nur etwas für uns, sondern wir leisten durchaus auch einen Beitrag gegen den Coronismus. Denn jeder, der daraus etwas lernt, der deswegen seinem eigenen Herzen ein Stück näherkommt und sich mehr über das Herz mit Anderen verbindet, der trägt etwas zur Schwächung des Coronismus bei.

Und ja, jemand, der nicht an den Coronismus glaubt könnte man einen Acoronist nennen…

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Sonntag, 29. März 2020

Corona 2


Ein Monat ist seit meinem letzten Blog vergangen und immer noch ist Corona ein Thema. Ich bin nicht wie geplant in Spanien und die Geschäftsreise nach Berlin habe ich unterwegs abgebrochen. Dafür möchte ich ein paar weitere Gedanken und Beobachtungen zum Thema aus schamanischer Sicht schildern:

Corona als Barriere im Fluss der Liebe: Aus meiner Sicht stellt das Corona Virus eine Barriere im Fluss der Liebe dar (so wie im Schamanischen Buch der Liebe erläutert). Dabei wird die Barriere auf der Ebene der Seele kreiert. Konkret sehe ich das Virus als eine Art Haken, welche das Herz-Seelenchakra blockiert. Dies heisst wiederum, dass Verbindungen über das Herz nicht mehr oder viel schlechter gespürt werden können. Dies wird auch schön an den Massnahmen gegen das Virus symbolisiert: Es wird Distanz zwischen Menschen geschaffen, die Grenzen zwischen Ländern werden geschlossen, die Bewegungsfreiheit wird unterbunden und mit Notrecht wird zumindest (und hoffentlich) vorübergehend ein Polizeistaat geschaffen. Die Massnahmen gegen das Virus sind in diesem Sinne genau das, was das Virus «beabsichtigt». Das Virus gewinnt auf der Ebene der Seele an Macht und die Barrieren im Fluss der Liebe werden verstärkt, desto mehr Aufmerksamkeit es bekommt. Die Massnahmen sind deshalb das eigentliche Problem, nicht das Virus selbst. Erkennen wir nun, dass dem so ist, eröffnen sich sofort Möglichkeiten, dagegen vorzugehen: Erstens können wir bewusst auf unser Herz achten, schauen dass dieses so offen wie möglich ist und dabei versuchen, uns über das Herz mit anderen Menschen zu verbinden. Zweitens sollten wir dem Virus und den Massnahmen so wenig Aufmerksamkeit schenken, wie nur möglich.  

Alles ist vergänglich: Die Corona-Geschichte ist nur deshalb ein Problem, weil wir uns der Vergänglichkeit nicht stellen. Nicht nur wir selbst sind vergänglich, sondern alles andere auch. Könnten wir dies als Gesellschaft akzeptieren, wären Massnahmen in diesem Umfang nicht notwendig. Wir können nun aber gerade diese Situation verwenden, um Vergänglichkeit zu üben. Wenn wir unweigerlich selbst einmal sterben, wird es im Vorfeld dazu in einem gewissen Sinne ähnlich sein: Irgendwann können wir unsere Pläne nicht mehr umsetzen, irgendwann können wir das Haus, dann das Bett nicht mehr verlassen. Dieser Abbau der Möglichkeiten zeigt uns die Vergänglichkeit von allem und lässt uns diese üben.  

Wir dürfen nicht alles nur nach einem Merkmal beurteilen: Auf der Ebene der Gesellschaft fehlt eine Gesamtoptimierung im Umgang mit Corona. Zurzeit wird nur nach einem einzigen Kriterium entschieden: Wie kann man die Anzahl Verstorbener, welche ein Coronainfektion aufweisen, reduzieren? (Ob sie dabei am Corona gestorben sind oder mit dem Corona ist dabei offenbar belanglos). Eine Gesellschaft besteht aber aus einer Vielfalt von Themen und sogar, wenn man nur auf die Anzahl Verstorbener schauen würde (Corona und andere), könnte man der Gesellschaft mit den bewilligten Hilfsgeldern bedeutend mehr zusätzliche gesunde Lebensjahre geben, wenn man diese z.B. für gesunde Ernährung, mehr Bewegung etc. einsetzen würde. Übersetzen wir diese Beobachtung auf unser Leben, heisst dies, dass auch wir nicht alles nur nach einem einzigen Kriterium (z.B. Geld, eine Beziehung, ein Haus und dergleichen) beurteilen, sondern immer eine Gesamtschau halten. In gewissen Bereichen müssen wir also zurückschrauben, damit andere gelingen. In gewissen Aspekten müssen wir Verluste hinnehmen, damit wir in anderen Chancen haben. Genauso wie die Gesellschaft die Corona Toten akzeptieren müsste, damit andere Elemente der Gesellschaft weitergehen können.

Perspektive behalten: Weltweit sterben jeden Tag fast 170'000 Menschen, in der Schweiz sind es knapp 200. Corona wird kaum einen Einfluss auf diese Zahlen haben. Übertragen auf unser Leben müssen wir aufpassen, dass wir die Perspektive auch bei unseren Problemen behalten und diese einigermassen objektiv einordnen können. Scheinen diese nur gross, oder sind sie es wirklich?

Solidarität hat nichts mit dem eigenen Weg zu tun: Jetzt wird zu Solidarität aufgerufen, damit die Infektionsrate zurückgeht. Man soll zuhause bleiben. Dies wirkt auf mich wie ein Hohn, denn in Zeiten der Normalität wird Solidarität enorm klein geschrieben – so empfinde ich es zumindest. Hier kämpft z.B. im Kapitalismus mehr oder weniger jeden gegen jeden, der Stärkere soll gewinnen, und jeder Franken für die Sozialhilfe wird zweimal umgedreht. Dann wird jeweils nur auf die Solidarität innerhalb eines Landes geachtet. Wo ist die Solidarität mit anderen Menschen in anderen Ländern? Die Grenzen sind gesperrt, Hilfsgüter sind blockiert – jedes Land schaut nur auf sich selbst: Das ist nicht Solidarität. Eine solche Solidarität ist sehr inkonsequent. Ein Schamane lässt sich deshalb nicht von Aufrufen zur Solidarität blenden. Er geht seinen Weg, immer dem Herzen nach, und damit leistet er den grössten Beitrag an die Gemeinschaft. Er ignoriert dabei Appelle an die Solidarität.   

Das, was Corona bei uns auslöst, kann uns heilen: Wie schon im letzten Blog erwähnt, lohnt es sich die Entwicklungen und die eigene Reaktion darauf gut zu beobachten. Daraus können wir Themen ableiten, die wir dann angehen können.

Zusammengefasst sehe ich folgenden Umgang: 1) Alles tun, um das eigene Herz offen zu behalten.  2) Sich mit dem Herzen mit anderen Menschen bewusst verbinden. 3) Die eigenen Themen angehen. Mehr dazu in meinem Buch: Das schamanische Buch der Liebe.

Ich wünsche allen alles Gute!



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Freitag, 28. Februar 2020

Schamanismus in Zeiten des Corona Virus


Mit dem Corona Virus befinden wir uns gerade in einer sehr besonderen Zeit. Grund genug, sich auf den Schamanismus zu besinnen. Für jeden sind die Auswirkungen vermutlich anders und deshalb ist auch der konkrete Umgang mit der Krankheit verschieden. Es gibt solche, denen macht die Situation nichts – und diese können sich getrost etwas anderem widmen: Für den eigenen Weg ist jeweils nur das von Bedeutung, was uns auch berührt. Sind wir von einer Situation hingegen betroffen, sprich, löst sie Gefühle oder Verzweiflung aus, so sind wertvolle Erkenntnisse zu entdecken und es ergeben sich Chancen sich selbst zu heilen und wichtige Schritte auf dem eigenen Weg zu gehen. Ich bin selbst mitten im Corona-Gewühl, unter anderem, weil ich zwei Dinge entscheiden muss: Erstens, muss ich bestimmen, ob ich eine geschäftliche Veranstaltung in gut einer Woche in Berlin, für die ich verantwortlich bin, durchführen soll oder nicht. Zweites wird eine ähnliche Entscheidung etwas später betreffend einer Ferienreise aktuell. Wegen diesen hängigen Entscheidungen beobachte ich die Situation mit erhöhter Aufmerksamkeit. Der Virus macht mich auf diese Art betroffen – es stecken also in dieser Situation Themen und Erkenntnisse. Hier möchte ich beispielshaft zeigen, was ich in Zusammenhang mit dem Corona Virus zurzeit beobachte, und welche Fragen sich daraus ergeben. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen bildet wiederum die Basis für Einsichten zu mir und zu meinem Weg. Bei jeder Beobachtung gibt es jeweils zwei Ansätze: Wo habe ich alte Wunden beziehungsweise alte Geschichten, welche ich heilen kann und wo zeige ich selbst das Verhalten, welches ich im Aussen sehe? Meine Beobachtungen:

Nicht die Krankheit macht mir Sorgen, sondern die Reaktion der Behörden und der Mitmenschen: Die Krankheit als solche ist wahrscheinlich nicht bedeutend schlimmer als eine normale Grippe. Dennoch werden unglaubliche und einschneidende Massnahmen zu deren Eindämmung ergriffen – die jedoch ihrerseits die Verbreitung kaum bremsen. Meine Fragen hierzu sind: Wo bin ich auch schon von der Überreaktion meiner Mitmenschen betroffen gewesen? Und wo reagiere ich selbst nicht angebracht auf eine Situation?

Als Reaktion werden Veranstaltungen abgesagt und Verbindungen gekappt. Verbindungen zwischen Menschen sind für unser Gedeihen essenziell. Wenn wir uns isolieren, unseren Themen nicht in die Augen blicken, wenn wir hoffen, dass alles gut wird, wenn wir mit ihnen den Kontakt vermeiden, so leben wir in einer Illusion. Genauso wie der Virus bereits überall ist, sind unserer Probleme auch überall präsent. Wenn wir uns abschotten, dann kehren wir unsere Probleme gewissermassen unter den Tisch. Wir bemerken sie dann vielleicht nicht mehr, können sie aber so auch nicht angehen, erhalten keine Hilfe und sehen zudem nicht mögliche Optionen, um mit den Problemen umzugehen. Unsere Angst - gar unsere Hysterie - wächst, je mehr wir uns isolieren und so tun, als hätten wir die Dinge unter Kontrolle. Ich frage mich also: Wo wurde ich in der Vergangenheit von Anderem und Anderen abgeschirmt? Wo wurden die Probleme nicht angegangen? Wo isoliere ich mich jetzt und vermeide die Themen, die eigentlich vorhanden wären?

Die Reaktionen haben einen zufälligen Charakter und sind nicht prognostizierbar. Ich weiss nicht wann und wo mich eine Massnahme treffen wird. Welche Verbindung wird als nächstes gekappt? Welche Region wird als nächstes unter Quarantäne gesetzt? Ich kann unmöglich erahnen, was als nächstes passiert – ich weiss nur, dass etwas passieren wird. Dies ist einerseits ärgerlich und löst Angst aus, auf der anderen Seite beobachte ich, wie dies meine Aufmerksamkeit enorm erhöht hat. Ich bin momentan sehr auf die unmittelbaren Geschehnisse fokussiert, habe wenig Geduld, für Dinge, die ich als unwichtig erachte, bin aber motiviert, meine eigenen Aufgaben anzugehen. Genau diese Unsicherheit und Zufälligkeit machen mich lebendig. Ich frage: Wo wurde in der Vergangenheit mein Leben durch das Streben nach Sicherheit eingedämmt? Wo ziele ich nach Sicherheit statt nach Lebendigkeit?

Die Massnahmen gegen die Krankheit werden vermutlich mehr Schaden anrichten als die Krankheit selbst. Das Kappen von Verbindungen, die Absage von Veranstaltungen werden bei vielen einen grossen Schaden anrichten und können durchaus zu einer Wirtschaftskrise führen, die am Ende viel mehr Leid und Todesopfer fordern wird, als allfällig vom Virus geschützte Personen. (Die Krankheit ist hingegen sicher gut für das Klima – aber dies ein anderes Thema). Ich frage: Wo und wann haben mir die Lösungen von Problemen mehr geschadet als genützt? Bei welchen meiner eigenen Lösungen verursache ich mehr Schaden als Nutzen?  

Wie und aufgrund von welchen Kriterien soll ich mich entscheiden? Die Unsicherheit hat zwar – wie gerade geschildert - ganz viele Vorteile, aber ich muss mich trotzdem immer wieder entscheiden, was ich in einer konkreten Situation mache (z.B. reisen oder nicht?) oder wie tief ich mich sonst in das Gewühl begebe. Die Unsicherheit ist zwar durchaus gut, aber auch nur so viel, wie ich noch produktiv verarbeiten kann. Es gibt hier ein Zuviel (und ein Zuwenig!). Ich muss gewissermassen die richtige Dosis anwenden. Wie entscheide ich? Die Antwort des Schamanen ist immer: Es ist ein Herzentscheid! Nur funktionieren Herzentscheide selten gut, wenn wir Angst haben. Zudem muss gewährleistet werden, dass auch wirklich alle Möglichkeiten berücksichtigt werden und ich muss beachten, dass ich Herzentscheide nur im Jetzt fällen kann. (Über die Schwierigkeiten des Herzentscheides habe ich schon oft in diesem Blog berichtet). Deshalb ist zuerst Ruhe angesagt. Die Hauptaufgabe ist also, dass ich zuerst zur Ruhe komme, und erst dann auf mein Herz höre. Und dies nicht nur einmal, sondern immer wieder. Ich frage mich gleichzeitig: Wo hat äussere Hysterie schon dazu geführt, dass ich mein Herz nicht gespürt habe? Wo bin ich heute zu ängstlich, um auf mein Herz zu hören? Und, wie kann ich gewährleisten, dass ich wirklich alle Optionen vor Augen habe?  

Selbstverständlich können diese Themen mit schamanischen Reisen unterstützt werden. Daran arbeite ich zurzeit. Die Resultate sind aber vorderhand zu persönlich, als dass ich sie schildern möchte. Aber eine Reise möchte ich doch erzählen. Ich fragte: Wie gehe ich ganz allgemein mit dieser Situation um?


Ich sitze in einer meditativen Haltung auf einem kleinen Hügel in einer Waldlichtung. Meine spirituelle Helferin fordert mich dazu auf, mich auf meine Atemzüge zu konzentrieren. Ich spüre, wie sich mein Herz öffnet. Im Wald rund um die Lichtung hat es zahlreiche scheinbare Eingänge, aber jeder ist dunkel und ich sehe nicht, wohin sie führen und ob die Wege wirklich weiterführen oder nicht. Es kommt ein Gewitter auf und es beginnt zu regnen. Ich werde unruhig. Ich fühle mich schutzlos in der Waldlichtung und möchte in den Wald rennen – nur hat es dort Bäume, in welche die Blitze genauso gut einschlagen könnten. Ich weiss nicht was machen und verzweifle zusehends. Meine spirituelle Helferin legt aber beruhigend die Arme auf meine Schultern und sagt: «Warte!» Dann legt sie die Hände auf meinen Rücken, genau auf das hintere Herzchakra, und ich spüre, wie sich dann auch mein hinteres Herzchakra öffnet. Es regnet nach wie vor. Wir werden beide nass, es blitzt und donnert immer noch, aber es kommt eine schöne, innere Ruhe auf. Allmählich verzieht sich das Gewitter, die Sonne scheint und verblüfft stelle ich fest, wie der Wald verschwunden ist. Der Hügel, auf dem ich sitze, ist nun mitten in einer grossen Ebene, eingetaucht in ein schönes Licht. Ich sehe nun in alle Richtungen, und ich spüre, wie mir alles offensteht. Ich muss aber nirgends hin. Ich bleibe vorderhand auf dem Hügel und nehme die Ebene einfach wahr.  

Die Interpretation: Ich muss ruhig bleiben und mein Herz bewusst öffnen. Dies sowohl vorne (ich nehme meinen Weg des Herzens wahr) wie auch hinten (ich setze den Weg des Herzens um). Es bringt nichts in den vermeidlichen Schutz des Waldes zu rennen. Bleibe ich ruhig, wird der Regen mit der Zeit verschwinden und alle Möglichkeiten stehen mir dann offen. Ob ich eine davon wähle oder nicht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch bedeutungslos.  

Fazit: Das beste Umgang in der gegenwärtigen Situation ist: Ruhe bewahren und die Gelegenheit intensiv nutzen, die eigenen Themen anzugehen. Wie dabei die konkreten Entscheidungen zu fällen sind, wird sich nach und nach ergeben.



In eigener Sache: Es dauert zwar noch eine Weile, aber die nächsten Gelegenheiten, eigene Themen auf eine schamanische Art und Weise anzugehen, sind: Samstag und Sonntag, 7. und 8. November, 2020 im Obi-Haus in Zürich (oder ganz kurzfristig morgen, 29. Februar) und am Samstag, 28. November an den Oberwiler Kursen in Oberwil bei Zug. Mehr Information dazu auf www.jakoboertli.ch.


Samstag, 26. Oktober 2019

Fallen auf dem eigenen Weg; Eine Checkliste


Die Vorgehensweise des Schamanen ist schnell formuliert: Den eigenen Weg gehen, indem man stets mit dem Herzen entscheidet. Und als Unterstützung kann man mitunter eine schamanische Reise machen. Dieses Vorgehen allerdings einfacher gesagt, als getan, denn der eigene Weg ist voller Tücken. Es ist deshalb nötig, sich immer wieder die Frage zu stellen, ob man wirklich auf dem eigenen Weg ist oder nicht. Deshalb möchte ich nachfolgend eine Checkliste möglicher Fallen aufführen, in die wir geraten können und als Folge dann vom Weg abkommen. Diese Liste ist sicher unvollständig – die möglichen Fallen sind sehr vielfältig – aber es sind solche, die ich immer wieder beobachte. Wieso ist die Beschäftigung mit Fallen wichtig? Je besser wir solche Fallen erkennen, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir sie vermeiden können. Zudem ist die Auseinandersetzung mit ihnen auch deshalb wichtig, denn sind wir einmal in eine geraten, so ist dies oft schwierig zu erkennen. Letzteres stellt dann auch gleich die erste Falle dar:  

Wir merken nicht, dass wir in eine Falle geraten sind: Viele Fallen sind getarnt. Nicht nur erkennen wir sie kaum, sondern sind wir in einer gefangen, so merken wir dies oft nicht einmal. Dies führt dazu, dass wir uns sinnbildlich in ein immer tieferes Loch graben und dabei vollständig überzeugt sind, nach wie vor auf unserem Weg zu sein. Auch wenn wir die Falle ahnen, schauen wir meist der Wahrheit nicht ins Auge, denn unser Gefühl von Verlust und Enttäuschung wäre wohl zu gross. Lieber lehnen wir die Möglichkeit einer Falle ab und machen so weiter wie bisher. Der wichtigste Umgang mit Fallen ist also, ehrlich anzuerkennen, dass wir möglicherwiese in eine geraten sind. Dazu müssen wir mitunter innehalten und den eigenen Standort genau überprüfen. Es kann dabei durchaus hilfreich sein, Aussenstehende zu fragen, ob wir möglicherweise in eine Falle geraten sind. Die Einschätzung anderer muss natürlich nicht stimmen, aber sie kann uns doch Anhaltspunkte geben.

Die Verantwortung nicht übernehmen: Unser Tun oder auch Nichtstun hat Konsequenzen: Oft sind Folgehandlungen notwendig. Wir müssen gewissermassen den Brei ausessen, den wir angerichtet haben. Machen wir dies nicht, dann geraten wir von unserem Weg ab. Dies ist eine Falle, denn oft ist es aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen einfacher zu warten und nichts zu tun, in der Hoffnung oder Erwartung, dass irgendwann eine Lösung von allein entsteht oder jemand kommt, welcher die Situation wieder in Ordnung bringt. Unser Weg führt aber durch alles, was wir angerichtet haben. Verwandt damit ist folgender Punkt:

Delegieren: Schamanen finden sich im Alltag ihrer Gesellschaft zurecht. Sie beherrschen die Tätigkeiten, die hierzu notwendig sind und machen die Dinge soweit möglich selbst. Sie geraten dann in eine Falle, wenn sie mehr und mehr Tätigkeiten zum Beispiel wegen spirituellen Kontakten oder philosophischen Gedanken an andere delegieren, um mehr Zeit für die vermeintlich wichtigeren Angelegenheiten zu haben. Der Weg des Schamanen geht aber durch den Alltag: Er geht arbeiten, einkaufen, erledigt den Haushalt und so weiter.

Sich hinter übergeordneten Themen verstecken: Statt sich den Themen des eigenen Weges – dies ist eben schwierig! – zu widmen, beschäftigten sich viele Menschen lieber mit übergeordneten Themen, sei es der Klimawandel, die Rettung der Erde oder die Ungleichheit unter den Menschen. Dies sind sicher gute Ziele, aber wenn dabei die unmittelbaren Themen vernachlässigt werden, dann ist dies ebenfalls eine Falle. Solche Menschen haben oft auch eine überrissene Meinung von sich selbst und haben den Eindruck, sie seien irgendwie für die höheren Aufgaben auserwählt worden. Der Beitrag des Schamanen zum Gesamtwohl ist jedoch immer die eigene Heilung. Es nützt wenig, sich Gedanken zur Rettung der Erde zu machen und dabei die eigenen Aufgaben nicht zu beachten.

Heuchelei: Viele Menschen wollen auf ihren Wegen sichtbare Resultate sehen. Für ihren Aufwand wollen sie also Früchte ernten. Meist ist dies Gesundheit, Fitness, Erfolg und ähnliches. Wenn sich diese Dinge nicht einstellen, dann spielen sie die problematischen Aspekte herunter. Nach aussen wollen sie kundtun, dass alles in Ordnung ist. Nur: Wege sind nicht so und immer entstehen neue Herausforderungen. Diesen müssen wir uns stellen und dabei unsere Verwundbarkeit und Anfälligkeit anerkennen. Nur so gelangen wir zu denjenigen Erlebnissen, welche unsere Heilung anregen. Diese Heuchelei kostet übrigens grosse Mengen von Energie, welche dann für den eigenen Weg nicht mehr zur Verfügung steht.

Sich hinter Herzentscheiden verstecken: Jedes Verhalten kann der Umgebung gegenüber als Folge eines Herzentscheides begründet werden. Sind wir jedoch in einer Falle, so funktionieren Herzentscheide nicht mehr. Wir täuschen uns dabei selber aber auch andere. Unsere Herzentscheide müssen wir deshalb immer kritisch hinterfragen.

Uns nach «Autoritäten» orientieren: Wenn wir eine Methode anwenden, die jemand anders entwickelt hat, so mang diese zwar gut für ihn sein, aber nicht unbedingt für uns. Wir sind deshalb aufgefordert uns selbst zu erforschen und herauszufinden, wie wir vorgehen. Die Orientierung nach Autoritäten ist eine weitere Art, die Verantwortung nicht zu übernehmen. Dies gilt natürlich auch für alles was ich sage – auch diese Checkliste ist deshalb kritisch zu hinterfragen.

Co-dependency (Co-Abhängigkeit): Wenn wir im Umfeld eines Menschen sind, welcher in eine Falle geraten ist und wir dies tolerieren oder sogar unterstützen obwohl wir dessen bewusst sind, dann stecken wir selbst in einer. Co-dependency als Begriff stammt von Alkohol- oder Drogensüchtigen, bei denen Angehörige das Verhalten des Süchtigen unterstützen, indem sie beispielsweise den Alkohol beschaffen oder das Problem herunterspielen. Das Gleiche geschieht bei Angehörigen von Menschen, die in Fallen geraten sind. Sie helfen etwa mit, die Probleme zu ignorieren, die Aufgaben wahrzunehmen, welche andere ihnen delegiert haben oder sie übernehmen stellvertretend Verantwortung. Sie helfen dem Menschen in der Falle dabei wenig, sondern im Gegenteil, dieser gerät dadurch stärker und stärker in die Falle.  Auch dies kostet Unmengen von Energie, welche dann nicht mehr für den eigenen Weg zur Verfügung steht.

Energie anderen entziehen: Sind wir in eine Falle geraten, dann (wie bereits bei einigen Punkten erwähnt) so benötigt dies viel Energie. Es ist deshalb ein Zeichen einer Falle, dass wir Verhaltensweisen aufweisen, welche anderen Energie entziehen. Beispiele sind: Die Aufmerksamkeit von anderen auf sich lenken, sich als Opfer darstellen, andere angreifen oder blossstellen, Respektlosigkeit und vieles mehr.

Dies ist, wie gesagt, nur eine unvollständige Liste von möglichen Fallen. Aber was tun, wenn wir feststellen, dass wir in einer Falle stecken? Nur schon, diesen Umstand anzuerkennen, ist die Hälfte der Lösung. Haben wir sie identifiziert, dann gehen wir mit Bedacht das Thema der konkreten Falle an: Wir übernehmen die Verantwortung, wir delegieren nicht mehr, machen mehr selbst, wir schauen die unmittelbaren Themen an und verstecken uns nicht mehr hinter übergeordneten Themen. Wir sind ehrlich über unseren Zustand, wir verstecken uns nicht mehr hinter Herzentscheiden, wir orientieren uns nicht mehr an Autoritäten und wir spielen unsere und die Themen der Angehörigen nicht mehr hinunter und zeigen stattdessen unsere Anfälligkeit und Verwundbarkeit. Schliesslich entziehen wir unserem Umfeld keine Energie mehr. So können wir uns in langsamen Schritten von der Falle befreien.



Mittwoch, 4. September 2019

Wieso gibt es etwas und nicht vielmehr nichts? Die schamanischen Konsequenzen einer tiefgründigen Frage.


Die Frage, wieso es Dinge gibt und nicht vielmehr nichts, beschäftigt die Menschheit schon seit mindestens der Antike. Der Fall, dass es nichts gibt, ist der einfachere und zudem muss die Frage nicht geklärt werden, wieso es aus nichts etwas geben konnte. Doch hat es Dinge – dies beobachten wir jeden Tag. In der Antike sind die Menschen eher davon ausgegangen, dass nichts gar nicht möglich sei (d.h. es hat nur Dinge) und heutzutage sagen moderne Quantenphysiker, dass das Nichts unstabil sei, und Partikel gewissermassen aus dem Nichts entstehen können. Ich möchte hier aber nicht die Geschichte der verschiedenen philosophischen und physikalischen Ansätze zu diesem Thema zusammenfassen, sondern ein eigener Ansatz aufführen und daraus praktische Konsequenzen für unser Leben ableiten.

Um über etwas und nichts nachzudenken, verwende ich als Vergleich eine einfache Zahlenreihe, welche von minus unendlich über null bis zu plus unendlich reicht. Dabei stellt null das Nichts dar und alle anderen Zahlen das Etwas. An dieser Zahlenreiche kann ich folgende Beobachtungen anstellen:

Die Null hat keine Ausdehnung. Ich kann zwar von beiden Seiten her beliebig nahe an die Null (d.h. 0.1, 0.01, 0.001, beziehungsweise -0.1, -0.01, -0.001 usw.) aber erreichen kann ich diese Zahl nie. Die Null hat auf dieser Zahlenreihe keine Ausdehnung – sie ist nur ein Punkt. Die Null ist somit ein theoretisches Konstrukt, zwar sehr nützlich für Rechnungen aller Art, aber unendlich klein. Und wenn die Null unendlich klein ist, dann kann man genauso gut sagen, dass sie gar nicht existiert. In anderen Worten: Es gibt kein Nichts, es gibt nur etwas. «Nichts» ist lediglich ein praktischer Platzhalter.

Alle Zahlen haben keine Ausdehnung: Das eben erläuterte Prinzip, dass die Null keine Ausdehnung hat, gilt jedoch auch für alle anderen Zahlen, auch eine Eins hat keine Ausdehnung. Daraus könnte man folgern, dass alle Dinge selbst ebenfalls unendlich klein sind, dass es zumindest die konkreten Dinge nicht gibt. Es gibt also nicht nur kein Nichts, sondern auch keine Dinge, zumindest keine konkreten, auch wenn diese alle in einem Bereich der Zahlenreihe auftreten, welche das Existierende darstellt. Es gibt also auch kein konkretes Etwas. Auch konkrete Dinge sind nichts anderes als praktische Platzhalter.

Ich kann die Null irgendwo setzen: Ich kann meine Zahlenreihe, auf die eine oder andere Seite verschieben, d.h. zum Beispiel die Null dort setzen, wo vorher die Eins war. Ich habe dann immer noch unendlich viele Zahlen auf beiden Seiten, so dass die neue Stelle problemlos null sein darf. Dies geht, weil null die Summe aller Zahlen darstellt und dies ist auch mit dieser Verschiebung noch der Fall. Die Konsequenz: Jeder Ort kann Nichts sein. Das Ganze gilt aber auch für jede andere Zahl. Jedes konkrete Ding könnte jedes andere sein. Also, weder der Platzhalter «Nichts» noch die Platzhalter «Etwas» sind an konkrete Standorte gebunden.

Das Fazit bisher: Sowohl das Nichts wie die konkreten Beschreibungen des Etwas haben keine Ausdehnung, man kann sie nur annähern. Zudem kann man sie ziemlich beliebig setzen. Wo etwas ist, kann genauso gut nichts sein und umgekehrt. Die Frage, wieso es etwas gibt und nicht vielmehr nichts, lässt sich somit nicht klären. Mehr sogar: Diese Frage scheint ziemlich sinnlos zu sein, obwohl sie als eine der wichtigsten und tiefgründigsten Fragen überhaupt angesehen wird.

Differenzen zwischen Zahlen sind real: Aus den vorgenommenen Beobachtungen können wir jedoch eine ganz andere Erkenntnis gewinnen: Gehen wir hierzu zurück zur Zahlenreihe. Zwar haben die einzelnen Zahlen selbst keine Ausdehnung, die Differenz zwischen zwei Zahlen hingegen schon. Diese ist klar beschreibbar und hat eine Länge – sie ist also etwas. In anderen Worten: Es gibt weder das konkrete Etwas noch das Nichts, aber es gibt Beziehungen zwischen Dingen.

Jetzt müssen wir konkret werden: Diese Beobachtung widerspricht unserer praktischen Erfahrung. Hier sehen wir ganz konkrete Dinge: Etwa ein Mensch oder ein Gegenstand. Wir sind uns sicher, dass es Dinge gibt, auch wenn diese durchaus zueinander in Beziehung stehen. Wie lässt sich das mit den oben gemachten Beobachtungen vereinbaren, dass es keine Dinge gibt, sondern nur Beziehungen? Das, was wir als uns selbst bezeichnen ist eben auch ein Bereich oder eine Differenz zwischen zwei Dingen, zum Beispiel der Bereich zwischen unserer linken und rechten Seite. Es gibt also in diesem Sinne kein wirkliches Ich – immer ist etwas eine Differenz zwischen zwei Dingen. (Gewisse mögen hier intervenieren und sagen: Doch, zumindest die Seele ist eine Einheit. Nach meinem Seelenbild, vgl. «Das schamanische Buch der Seele», besteht aber die Seele aus Bewusstseinselementen, die wir mit Anderen teilen. Also auch auf dieser Ebene passt das Konzept, dass es keine Dinge, sondern nur Beziehungen gibt.). Dinge sind also Bereiche, die aus Differenzen bestehen. Das, was wir als konkrete Dinge wahrnehmen, sind also auch Beziehungen.

Werden wir noch konkreter: Je grösser unser Ego, desto grösser ist wohl der Bereich, welcher wir einnehmen, damit wir uns wohl fühlen. Wollen wir unser Ego reduzieren (und dies ist eine nötige Aufgabe auf dem Weg des Schamanen zur Liebe), dann müssen wir diesen Bereich immer kleiner werden lassen, ihn gewissermassen gegen null tendieren lassen, d.h. wir müssen so viel wie möglich von dem Bereich, den wir als «uns» bezeichnen, weggeben, und dies so lange, bis wir selbst nur noch  Platzhalter sind. Gleichzeitig müssen wir erkennen, dass nur Beziehungen real sind. Und für jede Beziehung, ob zu Personen, Tieren, Pflanzen, Dingen, braucht es immer etwas Anderes und nicht nur uns. Alles andere ist somit also genauso wichtig, wie wir selbst. Nur die Verbundenheit gibt es, sonst nichts, weder das Nichts noch das konkrete Etwas.

Die Konsequenz für das Leben des Schamanen: Wir arbeiten stetig daran, das separate «Ich» immer kleiner werden zu lassen und immer mehr Aufmerksamkeit auf die Verbundenheit mit allem anderen zu stecken. Es ist die Beziehung, die real ist, nicht die Dinge selbst. Dies gibt uns eine enorme Verantwortung, denn alles, was wir entscheiden und tun beeinflusst diese Verbundenheit. Wir sind dann nur noch die Träger oder die Verankerung, beziehungsweise die Pflegenden dieser Verbundenheit. Was wir tun oder auch nicht tun, beeinflusst das ganze Netz der Verbundenheit.

Das Resultat dieser eher philosophischen Betrachtung: Wir haben zwar festgestellt, dass die ursprüngliche philosophische Frage (wieso gibt es etwas und nicht vielmehr nichts) ziemlich sinnlos ist, dafür sind wir auf eine brauchbare Erkenntnis gestossen: Wir müssen immer weniger Aufmerksamkeit auf uns richten, uns selbst also immer weniger wichtig werden lassen, denn es gibt uns gar nicht wirklich – wir sind nur ein Platzhalter. Stattdessen beachten wir immer mehr die Beziehung zu Anderem und Anderen. Die Beschäftigung mit einer philosophischen Frage führte somit trotzdem zu einer ganz praktischen Einsicht…



Die nächsten Kurse:

Mit Schamanismus ein persönliches Thema angehen, Samstag und Sonntag, 16. und 17. November, 2019. Zürich. http://www.obihaus.ch/

Die schamanische Reise von Anfang an, Samstag, 7. Dezember, 2019. Oberwil bei Zug. https://www.oberwilerkurse.ch/kurse/schamanismus-von-anfang-an/

Mehr Information auf: http://jakoboertli.ch/angebot.html


Montag, 22. April 2019

Was nun?

Eigene Wege fühlen sich nicht immer gleich an: Zu gewissen Zeiten arbeiten wir intensiv an etwas, unsere Themen und unsere Arbeit sind klar ersichtlich, und wir wissen genau, auf was wir unsere Aufmerksamkeit lenken sollen, beziehungsweise was wir konkret umsetzen wollen. Dann gelangen wir an einen Punkt, wo dies alles nicht mehr so klar ist. Wir haben ein Projekt beendet oder haben eine Lebensphase abgeschlossen und fragen uns: Was nun? Wo geht es als nächstes für mich durch? Auf was soll ich nun meine Aufmerksamkeit lenken?

Hier eine Antwort: Der nächste Schritt auf dem Weg wird durch eine Herausforderung beziehungsweise ein Hindernis bestimmt. Mit diesem Hindernis können wir gewissermassen den nötigen Schwung holen, um auf unserem Weg weiterzukommen. Dabei mag es vorübergehend so wirken, als würden wir einen Rückschritt erleiden, denn wir sind voller Gefühle, gar Verzweiflung – es kommt uns oft überhaupt nicht so vor, als würden wir weiterkommen. Wir sind beispielsweise voller Zweifel und Unsicherheit: Wie werde ich diese Herausforderung meistern? Was wird dabei herauskommen? Wie wird sich mein Leben verändern? Was werde ich zurücklassen müssen? Doch ist dieser gefühlte Rückschritt unausweichlich, denn Wege haben eine charakteristische Wellenbewegung, so wie in der unten aufgeführten Grafik dargestellt. Nach rechts bewegt sich die Zeit, nach oben, wie weit wir uns gefühlt auf unserem Weg befinden. Es ist ein ständiges Auf und Ab, jedoch kommen wir in der Summe stets weiter nach oben.







In dieser Wellenbewegung können wir vier unterschiedliche Qualitäten beobachten: 1) Intensive Beschäftigung mit einem Thema. Hier wissen wir genau, was wir zu tun haben. 2) Plateau: Nachdem wir ein Thema abgeschlossen haben, ist es uns meist unklar, was wir als nächstes tun wollen. Es ist also Zeit, unsere nächste Herausforderung zu suchen. 3) Wir nehmen die Herausforderung an. Zu Beginn ist es unklar, wie sich diese genau gestalten wird oder was es konkret zu tun gibt. Wir müssen uns mit sehr viel Neuem auseinandersetzen, was meist intensive Gefühle wie Angst oder Trauer auslöst, so dass wir uns gefühlt rückwärts bewegen. 4) Wir erreichen einen Tiefpunkt beziehungsweise einen Wendepunkt, bekommen aber hier unser Thema in den Griff, wonach wir wissen, was wir konkret umsetzen wollen. Danach gelangen wir wieder in die Phase 1), wo wir wissen, was wir zu tun haben. Und so geht dies weiter: Thema um Thema, Herausforderung um Herausforderung. Meist haben wir dabei nicht nur eine einzige Herausforderung, sondern mehrere parallel und diese können je wiederum in unterschiedlichen Phasen sein.

Bei der Frage also: «Was nun?», sind wir auf dem Plateau. Hier geht es darum, die nächste Herausforderung zu suchen und diese dann anzunehmen. Diese erkennt man in der Regel an körperlichem Schmerz, an Gefühlen wie Wut oder Sehnsucht oder an Verzweiflung. (Mehr hierzu in meinem Buch: Das schamanische Heilbuch). Dabei deuten alle Stärkegrade dieser Empfindungen auf Themen hin. Hat man die Herausforderung gefunden, dann geht man sie an. Auf diese Weise gelangen wir auf unseren Wegen weiter und kommen so automatisch an den nächsten Ort. Dies alles, wohlgemerkt, ohne, dass wir uns allerlei Fragen stellen, wie «Was könnte noch zu mir passen?» und dann mit nachdenken Listen erstellen. Unser eigener Weg finden wir durch Herausforderungen und nicht mit überlegen.

Die Sache hat aber seine Tücken. Hier einige davon:

Die Herausforderung ist zu gross: Es besteht das Risiko, dass uns eine Herausforderung überfordert. Wir geraten dann in einen «Sumpf», dem wir in der Regel allein nicht entweichen können. Dieser Sumpf ist für alle Menschen an einem anderen Ort. Wir müssen also selbst herausfinden, wie weit wir gehen können, bevor wir in diesen Sumpf geraten. Je grösser unser Abstand zum Sumpf, desto grösser die Herausforderungen, die wir annehmen können. Geraten wir jedoch in den Sumpf, so gelingt uns kaum mehr etwas, egal wie stark wir uns anstrengen. In diesem Fall benötigen wir externe Hilfe, z.B. von einem Therapeuten.







Wir nehmen die Herausforderung nicht wahr: In diesem Fall weichen wir nach und nach von unserem Weg ab, und früher oder später gelangen wir betreffend dieses Thema in den Sumpf. Das Nichtstun beziehungsweise das Vermeiden der Herausforderung – oft mit allerlei Ausreden begründet – birgt aber weitere Risiken: Früher gewonnene Schritte können dadurch wieder aufgehoben werden. Beispielsweise riskieren wir unser «weisses Herz», also unsere Fähigkeit, auf eine solche Art und Weise mit dem Herzen zu entscheiden, dass wir unseren Weg gehen. (Auch zum Thema «weisses Herz» mehr im schamanischen Heilbuch und im Schamanischen Buch der Liebe).







Wir lösen die Herausforderung mit Symptombekämpfung: Statt, dass wir uns der Herausforderung stellen, verdrängen wir die Zeichen (zur Erinnerung: Schmerz, Wut, Sehnsucht, Verzweiflung) mit allerlei Symptombekämpfungsmassnahmen wie etwa Aktivismus, Drogen, Medikamente, Sprechen, Festen, Wellness und dergleichen. Diese Dinge sind nicht per se falsch, sondern nur dann, wenn sie als Symptombekämpfung verwendet werden. Solche Massnahmen mildern zwar den Druck und vermitteln uns den Eindruck, wir würden uns auf unserem Weg weiterbegeben, sie kommen aber einer Selbsttäuschung gleich. Die Symptombekämpfung lässt sich mit einem Bankdarlehen vergleichen: Wir haben zwar nun mehr Geld, müssen es aber früher oder später mit Zins zurückzahlen. Nehmen wir dann anschliessend eine weitere Symptombekämpfungsmassnahme zu Hilfe, dann müssen wir diese wiederum sogar mit Zinseszins zurückzahlen. Dies geht solange auf diese Art und Weise weiter, bis die Symptombekämpfungsmassnahmen nicht mehr wirken und wir auch in diesem Szenarium in den Sumpf geraten. Die erwähnte externe Hilfe, wenn wir in einen Sumpf geraten sind, müssen wir übrigens auch zurückzahlen. Dies können wir, indem wir den Abstand, den wir zum Sumpf bekommen haben, in unseren Weg investieren, sprich eine Herausforderung annehmen. Tun wir dies nicht, dann gleiten wir früher oder später in den Sumpf zurück.







Kleine und grosse Herausforderungen: Grosse Herausforderungen bringen uns schneller auf unserem Weg weiter als kleine, dafür ist das Risiko, in den Sumpf zu geraten, ebenfalls grösser. Haben wir wenig Abstand zum Sumpf, dann lohnt es sich, zuerst einige kleinere Herausforderungen anzugehen, um auf diese Weise den Abstand zu erhöhen. Damit haben wir anschliessend wieder genügend Raum für grössere Herausforderungen.







Also: Die Antwort auf die Frage: «Was nun?» lautet: Die nächste Herausforderung angehen! Dabei müssen wir uns in der Zeit-Weg Landschaft positionieren, damit wir die richtigen Herausforderungen annehmen. Wir haben übrigens dann eine konkrete Herausforderung abgeschlossen, wenn sie uns nicht mehr betroffen macht.

Die Entscheidung, welche Herausforderung man wählt, kann auch mit dem Herzen gefällt werden. Die Voraussetzung ist allerdings ein «weisses Herz», also die Fähigkeit derart mit dem Herzen zu entscheiden, dass man den eigenen Weg findet. Solche Menschen haben in der Regel sowieso einen grösseren Abstand zum Sumpf, so dass das Risiko eines Fehlentscheides etwas kleiner ist. Hat man eine Zeitlang die Herausforderungen ignoriert oder zu viel Symptombekämpfung vorgenommen, so ist es durchaus möglich, dass die eigenen Herzentscheide nicht mehr korrekt sind. Diese Möglichkeit muss uns stets bewusst sein, weshalb ein sorgfältiges Überprüfen der eigenen Herzqualität von Nöten ist. (Mehr hierzu im Blog vom 15. Januar, 2018: Schamanismus als Ausrede). Weitere Unterstützung sowohl für die Entscheidung, welche Herausforderung zu bewältigen sind, wie auch für konkrete Möglichkeiten diese anzugehen, gibt uns auch der spirituelle Helfer auf schamanischen Reisen.

Dieser Ansatz kann übrigens auch auf Beziehungen angewendet werden. Mehr dazu in einem der nächsten Blogs.



Vorankündigung: Im Herbst 2019 finden zwei Kurse statt: