Montag, 5. April 2021

Videokonferenzen: Weshalb wir so viel Energie verlieren

Sie heissen Zoom, Teams, GoToMeeting, WebEx, Skype. Seit mehr als einem Jahr kommuniziere ich beim Arbeiten hauptsächlich mittels solchen Videokonferenzen. Gewisse, mir lieb gewordene Menschen, mit denen ich viel zusammenarbeiten muss, habe ich seit Oktober 2019 nicht mehr gesehen. Das heisst, ich sehe sie schon, immer wieder, sogar viel häufiger als vorher, aber immer auf einem Bildschirm. Ich sitze in meinem Zimmer und nehme an einem solchen «Call» nach dem anderen teil, manchmal in dieser Sprache, dann in der nächsten, manchmal sind es Personen aus der Schweiz, manchmal aus der ganzen Welt, manchmal ist es nur eine Person, manchmal eine Gruppe, mitunter sogar mehrere Hundert Menschen auf einmal. Was ich aber jedes Mal beobachte: Ich bin am Ende komplett ausgelaugt. Und zwar viel mehr, als wäre ich an eine Sitzung gereist und hätte die anderen Menschen live gesehen. Sogar dann, wenn diese Reise äusserst mühselig war. Nicht nur bin ich ausgelaugt, sondern eigenartig traurig und deprimiert, manchmal auch sehr aggressiv, nachdem ich auf «verlassen» gedrückt habe – dies, obwohl ich schon zuhause bin und mich gleich irgendeiner Freizeitaktivität widmen könnte. Was läuft hier ab? Irgendetwas gibt es hier zu entdecken.  

Ich bin der Sache nachgegangen und habe folgendes aufgespürt: Jedes technische System, welches wir für unsere Kommunikation einsetzen, parasitiert die Verbindung zu einem anderen Menschen. Verbindungparasiten habe ich schon in einem früheren Blog beschrieben (Schamanismus mit Jakob Oertli: Verbindungsparasitismus: Fallbeispiel Mountainbiker), als ich aufzeigte wie Mountainbiker die Verbindung von anderen Menschen zur Natur parasitieren und mit dieser Energie ihre Identität als Mountainbiker stützen. Ebenfalls habe ich in einem Blog vor zwei Jahren (Schamanismus mit Jakob Oertli: Wieso gibt es etwas und nicht vielmehr nichts? Die schamanischen Konsequenzen einer tiefgründigen Frage.) aufgezeigt, wie Verbindungen das eigentlich Reale sind und nicht die Dinge selbst, obwohl wir uns an diese Identitäten klammern. Bei Videokonferenzen geschieht nun etwas ganz Ähnliches und dies erklärt den Energieverlust. Hierzu möchte ich einen Schritt zurück gehen und das Bild von Wellen in einem Meer aufrufen:

Im Prinzip sind wir Menschen und alle anderen Dinge Teil einer grossen Masse von Verbindungen, welche nicht unmittelbar sichtbar sind, sondern zum Beispiel aus Chakra Verbindungen bestehen und die wir etwa durch die Ausstrahlung oder das Charisma einer anderen Person feststellen. Unser Selbst ist in diesem Bild eine Welle im Meer: Wir sind zwar als etwas Separates erkennbar, aber wir sind immer ein Teil des ganzen Meeres. Das Meer stellt in diesem Bild die Summe aller Verbindungen dar und wir sind während unseres Lebens lediglich ein Teil dieser Gesamtmenge von Verbindungen. «Nur» eine Welle zu sein reicht aber den meisten Menschen nicht – sie wollen eindeutig etwas Separates sein und sie bauen sich im Meer Grenzen auf – sie sind dann vergleichbar etwa mit einer Boje, welche im Meer schwimmt. Dieser Blickwinkel ist sehr häufig und die meisten Menschen würden alle materiellen Dinge des Alltages als separate Einheiten ansehen, so eben wie eine Boje, und nicht als Bündel von Verbundenheit, so wie eine Welle im Meer.

Eine Welle erhält die Energie für ihre Bewegung vom Wind. Analog erhält ein Mensch, der sich als verbundene Einheit empfindet, seine Lebensenergie oder seinen Lebensfunken durch die Verbindung, etwa durch die Liebe. So folgen sowohl Wellen wie auch der verbundene Mensch ihre Wege. Bei einer separaten Einheit ist aber eine zusätzliche Energie notwendig, um die Grenzen zu Anderem aufrecht zu erhalten. Es benötigte etwa Energie, um den Kunststoff der Boye zu produzieren und auch um sie mit einem Anker an Ort und Stelle zu halten. Analog muss auch ein Mensch, welcher eine separate Identität aufbauen will, sich Fremdenergie beschaffen – Liebe allein genügt nicht. Eine Möglichkeit, zu dieser Energie zu gelangen, ist das Parasitieren von Verbindungen. Eine Boje im Meer stört den natürlichen Wellengang. Dabei macht eine einzelne nicht viel aus – aber wenn es ganz viele werden, sieht es anders aus – da hat der Wind kaum mehr eine Chance. Analog stört ein identitätssuchender Mensch die Verbundenheit der Menschen untereinander, der Menschen mit der Natur und so weiter, indem er die Aufmerksamkeit auf sich selbst lenkt – da hat Liebe kaum mehr eine Chance.

Und damit gelangen wir zu Videokonferenzen. Diese sind sehr anfällig auf Parasitismus, denn wir müssen uns vor allem auf materielle Eigenschaften des Gegenübers einstellen. Wir nehmen etwa wahr, wie er spricht oder wie er aussieht. Gleichzeitig sind aber Stimmung, Ausstrahlung oder Chakra Verbindungen wesentlich schwieriger festzustellen. Hierzu sind die Bilder zu klein, zu unscharf, wir bemerken die subtilen Körperhaltungen kaum, die Hintergründe lenken ab, die Kameras werden an und abgestellt, wir können die anderen nicht riechen oder anfassen, Smalltalk geht verloren und vieles, vieles mehr. Wir müssen uns zwar voll konzentrieren, aber wir nehmen hauptsächlich materielle Merkmale wahr und nicht die spirituellen Verbindungen. Wir nehmen also vor allem die Bojen wahr und nicht die Wellen. Damit wird die Verbundenheitsenergie abgesogen.

Aber wer profitiert? Im Fall von Videokonferenzen ist dies einerseits alles Materielle auf der Welt, das heisst die grundsätzliche Philosophie, dass es separate Dinge gibt und dass das Reale nicht Verbundenheit ist. Wir fördern also während dem Call mit unserer Energie die materielle Sichtweise. Dann profitieren alle Einheiten, welche sich als separate Identitäten sehen, alle Menschen also, die Wert auf ein separates Selbst legen. Sehen wir uns als Welle, dann unterstützen wir während der Videokonferenz also alle Bojen. Auf diese Art fördern wir sozusagen die Verschmutzung des Meeres mit Bojen – wohl so lange, bis man gar nicht mehr merkt, dass es eigentlich ein Meer hätte. Wir unterstützen mit unserer Energie das Materielle, bis wir gar nicht mehr feststellen, dass es im Prinzip um Verbindungen ginge.

Dieses Phänomen gibt es natürlich nicht nur bei Videokonferenzen, sondern auch bei normalen Telefongesprächen, bei SMS, bei WhatsApp Meldungen, bei E-Mail-Kommunikation, und sogar beim normalen Sprechen. Die Umstände der Kommunikation führen zu unterschiedlicher Ablenkung durch materielle Parasiten. Ein normales Gespräch, welches zum Beispiel in einem pompösen Sitzungszimmer stattfindet, kann genauso zu einem Energieverlust führen, wie eine Videokonferenz. Aber solche Sitzungszimmer haben wir doch viel weniger häufig als Videokonferenzen und immerhin steht man dort realen Menschen gegenüber, dessen Stimmung man gut wahrnehmen kann. Deshalb sind wohl Videokonferenzen eines der häufigsten gegenwärtigen Situationen, wo Verbindungen parasitiert werden.

Also: Videokonferenzen sind höchst problematisch und benötigen Unmengen von Energie. Wir werden hier richtiggehend parasitiert und ausgelaugt und fördern dabei eine materielle Sichtweise der Dinge. Die Frage lautet nun: Was machen? Wenn wir die Details verändern, so nützt dies wenig: Es gibt nur wenig Verbesserung, wenn wir etwa den Abstand zum Bildschirm verändern, mit dem Hintergrund spielen und dergleichen. Viel wichtiger scheint mir, dass wir uns bewusstwerden, dass dieser Mechanismus besteht und unsere Aufmerksamkeit auf die Verbindung richten, welche ausserhalb des Computers stattfindet. Hierzu lohnt es sich vor der Besprechung die anderen Menschen vorzustellen und gewissermassen in der spirituellen Welt eine Verbindung mit ihnen herzustellen. Wir versuchen also die anderen Menschen zu spüren, bevor wir sie am Computer vor uns haben. Dann bemühen wir uns während der Sitzung uns immer wieder daran zu erinnern, dass es um die Verbindung zu diesen Menschen geht und nicht um deren materiellen Eigenschaften (wie sie aussehen, wie sie sprechen usw.). In anderen Worten müssen wir uns auf die Verbindungen konzentrieren, welche sich ausserhalb des Videosystems abspielen. Zwischen allen Bojen konzentrieren wir uns also nicht auf diese, sondern auf so viel Meer wie wir noch irgendwo sehen. Auf diese Art kann die Verbindung doch noch etwas leben, wir werden als Folge weniger parasitiert und verlieren weniger Energie.






(Quelle, IT-Pro)


In eigener Sache: Der Kurs «Der Schamane zwischen den Welten» wurde auf den 20. November, 2021 verschoben: oberwilerkurse

 

 

Montag, 15. Februar 2021

Mormont

Es war ein sehr kalter Tag im Februar, mit Temperaturen, welche wegen der starken Bise noch kälter wirkten als das Thermometer anzeigte. Wir wanderten von La Sarraz aus entlang von Rebbergen, oberhalb von uns ein Südhang mit einigen Hartlaubeichen, welche mehr an das Mittelmeer erinnerten als an den Canton de Vaud, wären nicht die Eiszapfen an den Felsen gewesen. Einige Blumen erinnerten an die warmen Tage der vorhergehenden Woche. Nach einer handgemalten Tafel, «Attention aux Orchidées», kamen wir zu einer Schutzhütte. Hier müsse man warten, stand auf einer Tafel, sollte eine Sprengsirene losgehen. Dem Personal sei dabei unbedingt Folge zu leisten. Die Hütte bot etwas Schutz vor dem Wind, wir nutzten die Gelegenheit, um etwas warmen Tee zu trinken, um dann, nur einige Meter später, plötzlich am Abgrund einer riesigen Grube zu stehen. Alle paar Meter ein Verbotsschild. Wir gingen entlang der Grube, suchten nach Überresten der rund 250 Schächten, wo vor mehr als 2000 Jahren die keltischen Helvetier Tiere, Menschen und allerlei Gegenstände begruben. Wir sahen nichts. Diese Schächte waren ja auch nach dem sensationellen Fund vor 15 Jahren zerstört worden. Ein Fund, welcher die Einzigartigkeit dieser Stelle hervorgehoben hatte. Unter den Keltenfundorten in Europa gibt es offenbar nur noch zwei oder drei weitere Orte, welche derart wichtig sind, und in der Schweiz war bisher noch keine ähnliche Stelle gefunden worden. Aber eben, von dem sah man nichts mehr. Dafür sahen wir das Lager der ZADisten, Menschen, welche mit einer «Zone à Défendre (ZAD)» ein erstaunlich grosses Dorf aus Zelten und Baumhütten errichtet hatten. Ihr Anliegen ist es, den Rest des Berges vor dem weiteren Abbau durch die Firma Holcim zu retten. Ihnen geht es einerseits um die biologisch sehr wertvollen Gebiete mit vielen Orchideen und natürlich auch darum, dass die Zementproduktion sehr viel Kohlendioxid produziert und deshalb nicht ausgeweitet werden sollte. Trotz der eisigen Kälte herrschte im ZAD-Lager durchaus emsiges Treiben. Nach der schmalen Stelle zwischen Lager und Grube gingen wir weiter zum Sommet du Mormont, genau auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone gelegen, ein magischer, wilder Ort. Danach kam der Ancien Canal d’Entreroches, dem Überbleibsel eines Kanals, mit dem man im 17. Jahrhundert die zwei Flüsse Rhein und die Rhone zu verbinden versuchte, so dass Schiffe von der Nordsee bis zum Mittelmeer hätten verkehren können. Kurz danach folgten hässliche Industriebauten, Öllager und die Zementfabrik, bevor wir dann in Ecléplens wieder auf den Zug gingen. Am Bahnhof beobachten wir, wie Arbeiter das Tunnelportal (ja, auch ein Eisenbahntunnel geht unten durch…) vor Steinschlag zu schützen versuchten.

Was hier wie ein Wanderbericht klingt, zeigt auf bedeutende spirituelle Erkenntnisse. Ist man ehrlich mit sich selbst, so kann man hier erkennen, wo man steht und wie es weitergeht. Zuerst zu den Akteuren:

Die Holcim: Für die Zementproduktion baut diese Firma in einer grossen Grube Kalk aus dem Mormont ab. Wegen dem grossen Bedarf an Baumaterial, erweitert sie stetig das Abbaugebiet auf dem Hügel.

Die Helvetier: Die Helvetier hatten vor zwei Tausend Jahren auf dem Mormont ihre wohl wichtigste Kultstätte im Gebiet der Schweiz errichtet. Erkannt hat man dies während dem Kalkabbau an den vielen Schächten, welche mit Skeletten, Kultgegenständen und dergleichen gefüllt waren.

Die Archäologen: In einer Notgrabung haben die Archäologen die Gegenstände und Skelette aus dem Schächten entfernt, beschrieben und konserviert. Die Schächte wurden dann durch den weiteren Abbau zerstört.

Die Naturschützer: Der Mormont hat eine ausgesprochen vielfältige, an das Mittelmeer mutende Vegetation. Pronatura und andere versuchen den Rest des Hügels vor dem weiteren Abbau zu schützen.

Die ZADisten: Die ZADisten haben auf dem Hügel ihre erste Zone dieser Art in der Schweiz errichtet. Mit ihren Körpern wollen sie die Erweiterung der Grube verhindern, dies wegen der vielfältigen Natur und dem CO2 Ausstoss der Zementindustrie.

Der Mormont: Dieser Hügel ist der Schauplatz auf der Wasserscheide, aus Kalk bestehend, vielfältig bewachsen, von dem etwas unklar ist, ob er dies alles einfach hinnimmt oder ob er schreit.

Die Energie des Ortes: Diese beeinflusst zwar unbewusst alles Treiben auf dem Mormont, wird aber von den wenigsten der Beteiligten thematisiert, geschweige denn bewusst wahrgenommen

Der Schamane: Wandert durch das Gelände und beobachtet alles. Er fragt sich: Was geht hier vor?

Wieso kommt hier alles zusammen? Was kann man hier lernen? Hier meine Interpretation:

Alle Beteiligten erkennen auf ihre Art die besondere Qualität des Hügels. Im Kern wollen sie alle dank des Hügels ein erfülltes, befriedigendes Leben führen. Der Zugang und die Motivation sind aber ganz andere:

Die Holcim: Die Holcim erkennt die Qualität des Kalkes. Sie will gewissermassen weiterkommen, indem sie den Berg «aufrisst». Viele Menschen haben auch einen solchen Zugang zum Leben:  Sie sind von materiellen Themen (Häuser, Autos, Geld usw.) behaftet, was sich auch auf spirituelle Themen auswirkt. Wenn sie sich damit befassen, versuchen sie beispielsweise Rituale und Philosophien von anderen zu übernehmen. Wenn sie solche Dinge kopieren, diese also gewissermassen aufessen, dann haben sie den Eindruck, dass sie selbst auch weiterkommen. Hier passt der Ausdruck «Jemand hat die Weisheit mit dem Suppenlöffel gegessen.»

Die Helvetier: Was die Helvetier wollten, weiss niemand. Alles ist nur Spekulation. Aber hier meine: Die Helvetier haben erkannt, dass es sich auf dem Mormont um eine besondere Energie handelt. Nach meinem Eindruck haben sie die vielen Spannungsfelder im Leben erkannt und wollten beim Sterben diese aufheben. Mit den Schächten und den Opfergaben wollten sie diesen Prozess aber stark forcieren. Sie haben dabei übertrieben. Sie wollten etwas herbeizwingen, was sich vermutlich nicht erzwingen lässt. In anderen Worten hatten sie zwar etwas gespürt, waren dann aber zu ungeduldig. Dies ist heute bei vielen Menschen nicht anders, die mit allerlei Zwang (z.B. mit den strikten Regeln eines buddhistischen Klosters) die Erleuchtung schneller erreichen wollen.

Die Archäologen: Die Archäologen haben die Bedeutung des Ortes erkannt und ihn studiert. Aber weiter ist nichts geschehen. Sie sind wie die Menschen, welche über spirituelle Richtungen lesen, sich bestens auskennen, aber nichts in ihrem Leben umsetzen.

Die Naturschützer und ZADisten: Eine bunte Mischung aus verschiedenen Menschen will mit Idealismus den Berg schützen. Sie sehen, der Berg ist krank und bedroht, und sie wollen ihn pflegen. Dies entspricht den Menschen, welche mit spirituellen Methoden anderen helfen wollen, meist ohne diese vorher gefragt zu haben.

Der Mormont: Was der Hügel will, was sein Weg ist, hat niemand nachgefragt. Alle nehmen einfach an, dass sie es am besten wissen. Der Hügel selbst ist wehrlos – sogar das bisschen Steinschlag wird unterbunden. Dies entspricht etwa einem wehrlosen Menschen, etwa einem Kind oder einem Kranken, über den andere bestimmen, die es vermeintlich am besten wissen.  

Die Energie des Ortes: Nach meinem Eindruck – und solches ist immer eine persönliche Wahrnehmung, welche andere Menschen anders sehen können – besteht hier eine starke Verbindung zwischen Himmel und Erde. Ganz viele unterschiedliche Energien oder Stimmungen kommen von allen Seiten zusammen, um sich an einer Stelle gewissermassen aufzulösen damit man vom horizontalen Spannungsfeld in eine vertikale Verbundenheit geraten kann – gewissermassen in eine weitere Dimension. Als mathematischer Vergleich würde man die Spannung aller Zahlen auflösen, durch die Null schlüpfen und so in eine andere Dimension gelangen.

Der Schamane: Der Schamane beobachtet und sucht seinen Weg. Er fragt sich: Wo fresse ich Materielles oder Spirituelles wie die Holcim? Wo pflege ich wie die ZADisten? Wo lese ich mir Wissen an, so wie die Archäologen? Wo übertreibe ich wie die Helvetier? So ehrlich wie möglich, muss er diese Themen in sich selbst suchen und loslassen. Jeder beschriebene Zugang führt nicht zum Ziel. Jeder ist auf seine Art eine Falle. Es geht darum, jede dieser Tendenzen loszulassen. Dies heisst nicht, dass man nicht den Berg schützen kann, kein Kalk verwenden kann, aber jeder Umgang soll auf dem eigenen Weg sein. So findet man den Ort, wo sich die horizontalen, das heisst die Spannungsfelder des Alltages auflösen und man in die Verbundenheit zwischen Himmel und Erde gerät. Vermutlich wird dies aber erst beim natürlichen Tod möglich sein – aber während dem Leben geht es darum, dies ständig zu versuchen.

Nebenbei bemerkt, dieses Konzept der Auflösung von «horizontalen» Spannungsfelder, um dann die Verbundenheit zwischen Himmel und Erde in der «Vertikalen» zu spüren, besteht an vielen vorgeschichtlichen Standorten. Dies zum Beispiel in den grossen Dolmen von Spanien oder Irland, wo man zuerst durch einen engen Gang kriecht, bevor man in einer viel grösseren Kammer aufstehen kann.

Zum Schluss noch dies:

Ab 1. März sind Kurse voraussichtlich wieder möglich. Die beiden Kurse vom März sind:

Die Schamanische Reise ins eigene Leben, 6. März: Obihaus – Kurse

Schamane zwischen Welten, 20. März: oberwilerkurse

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Grube der Holcim auf dem Mormont, im Vordergrund der ehemalige Standort der Schächte der Helvetier, im Hintergrund das vorderste Baumhaus der ZADisten.

Montag, 21. Dezember 2020

Blinder Gehorsam

Es hiess, die Geschäfte bleiben offen, dann vielleicht doch nicht, eventuell nur in einer Light-Version, nur gewisse, aber nicht andere, dann sollten sie am Dienstag schliessen, aber nein, doch nicht, sondern schon am Montag, aber nicht überall, aber doch hier, einige Kilometer nördlich war es bereits letzten Mittwoch, aber vielleicht nicht so lange, wie angekündigt, aber vielleicht sogar länger. Das Fitness Center geht zuerst am Sonntag, dann am Dienstag und dann bereits am Montag zu, dann ist es am Samstag länger offen, aber das kann ändern, jederzeit, immer ist alles anders, ohne sichtlichen logischen Grund, denn die alten Massnahmen konnten noch nicht wirken, bevor sie wieder anders sind.  Man darf nicht warten, denn für Überlegungen hat es keine Zeit. Die Zeit drängt. Man macht und ist deswegen komplett erschöpft. Die Menschen überlegen nur noch, wie sie am besten durch die Situation kommen. Sie müssen auch, denn die Strafen sind überproportional gross. Die Bevölkerung ist ein Teil der Corona Bekämpfung geworden, alle machen mit und wenn jemand Lockdown befielt, dann gehorchen alle. Wenig Wiederrede, manchmal etwas Fluchen, aber kaum der Rede wert. Denn alle sind so müde, so unendlich müde. Und alle sagen sich, irgendwann ist es vorbei. Und mit den Massnahmen – ob sinnvoll oder nicht – gehen die Fallzahlen zurück, denn irgendeine im grossen Wirrwarr hat vermutlich doch gewirkt, bis die Zahlen dann doch wieder steigen und alles von vorne beginnt. Schiesst einer wild um sich, dann trifft er schon irgendetwas.

Von wo kenne ich das? In meiner Rekrutenschule RS (lange her!), einer sogenannten Elitetruppe von Radfahrern, war es auch so. Plötzlich schrie der Korporal: «Liegen» und alle musste liegen. Er schrie «Vorwärts Marsch» und alle mussten vorwärts marschieren. Diese Befehle kamen aus dem Nichts, sie waren fast immer unpassend. Aber es war Gehorsam verlangt. Man musste handeln, ohne zu überlegen. Denn Überlegen braucht zu viel Zeit. Und dazu waren wir immer müde – ständig so müde - so dass man rein deshalb nicht denken konnte. Auch waren die Strafen überproportional gross, wenn man nicht gehorchte. Zu Beginn der RS hatte ich noch etwas Protest in mir, suchte mit Kollegen Methoden, wie wir bei Sinnen und wie wir uns selbst bleiben konnten. Aber nach ein paar Wochen ging es nicht mehr. Wir waren ein Teil der Truppe geworden, wir machten genau das, was verlangt war, keine Widerrede, nur manchmal etwas Fluchen, aber sonst nichts, wir stellten die Dinge nicht mehr in Frage und wenn jemand «Liegen» schrie, dann lagen wir eben. Und immer waren wir müde. Und immer sagten wir uns, irgendwann ist es vorbei. Die Tage vergingen, irgendwie wurde es Abend, wir bekamen ein paar Stunden Schlaf bevor dann alles von vorne begann.

Schon damals beobachtete ich, dass dies Methode hatte. In einer Kampftruppe ist jeder nur ein Werkzeug, dass eingesetzt werden kann. Und dieses Werkzeug muss funktionieren, es muss genau das machen, was der Operateur des Werkzeuges will. Hierzu braucht es blinden Gehorsam. Dies erreicht man mit unsinnigen und unpassenden Befehlen sowie mit Zermürbung und Müdigkeit. Bei Corona und beim Militär ist es genau gleich. Es wird mit den gleichen Techniken eine Masse von gehorsamen Menschen gebildet, die alles mitmachen, vielleicht fluchen sie etwas, aber sie machen mit.

Da ist keine vorgängige Absicht dahinter. Dies ist so entstanden, weil es zu Erfolg führte. Diejenigen Militärkommandanten, welche im Verlauf der Geschichte so vorgegangen sind, hatten mehr Erfolg und deswegen sind nun alle Militärs so. Und diejenigen Corona Bekämpfer, die so vorgehen, haben gegenüber anderen mehr Erfolg, und deshalb sind diese übrig geblieben: Natürlich Selektion, so wie wir es von Darwin kennen.

Erweitern wir die Beobachtungen: Wer ist auch so? Ameisen und andere sozialen Insekten. Insekten sind wohl die erfolgreichsten aller Tiere, wenn die Anzahl Spezies als Kriterium nimmt und sie haben zudem eine wesentlich grössere Biomasse als wir Menschen. Und unter den Insekten sind die Ameisen besonders erfolgreich und wiegen in der Summe etwa gleich viel wie wir Menschen. Und die Ameisen gehen auch so vor: Von einem einzelnen Individuum wird absoluter Gehorsam verlangt, es kann nicht entscheiden, ob eine bestimmte Handlung sinnvoll ist oder nicht. Auch sind Ameisen ständig aktiv (ob sie dabei müde werden, kann ich jedoch nicht sagen) und wenn man sie lange genug beobachtet, sieht man eine ganze Reihe (mindestens aus meiner Sicht) unnützer und sinnloser Aktivitäten. Hauptsache, es wird immer etwas getan. Aber offenbar führt genau dies zu Erfolg – zumindest, wenn man die Biomasse betrachtet.

Also: Das Militär, die Corona Bekämpfung und Ameisen gehen alle gleich vor. Und dies hat Erfolg – in allen Fällen resultiert mehr Biomasse: Mehr Soldaten überleben, weniger Corona Tote (oder mehr Profit für das Gesundheitswesen – auch eine Art Biomasse), mehr Ameisen. Dies sind aber nicht die einzigen Fälle: In einer Fabrik, muss der einzelne Arbeiter auch genau das machen, was ihm gesagt wird. Nicht anders ist es in einer Sportmannschaft oder etwa in einer politischen Partei (zum Beispiel getraute sich kaum ein Republikaner den Wahlverlust von Trump anzuerkennen). Oder etwa auch bei landwirtschaftlichen Nutztieren (auch sie müssen genau das machen, was vorgeschrieben ist) – so hat es nun gewichtsmässig 100 Mal mehr Kühe als Menschen. Kirchen, die den Gläubigen genau sagen, was sie zu denken haben, sind erfolgreicher, auch wenn die Handlungen von aussen gesehen, oft sinnlos wirken. Die Beispiele könnte man noch seitenlang erweitern.

Der Schamane steht hier aber quer in der Landschaft. Eigene Wege und blinder Gehorsam passen nicht zusammen. Sein Verhalten führt in der Regel nicht zu mehr Biomasse (oder Geld, Liegenschaften und dergleichen), denn er ist nicht Teil einer Gruppe, wo von einem einzelnen Mitglied blinder Gehorsam verlangt wird. Er ist allein.

Die wichtige Frage nun: Wie kann man in einer Umgebung allein sein, einen eigenen Weg gehen, wenn rund herum auf Schritt und Tritt blinden Gehorsam verlangt wird? So sehr ich möchte, kann ich nicht mehr ins Fitness Center, nicht mehr nach Belieben andere Menschen treffen, nicht mehr dorthin reisen, wo ich hingehen möchte. Das Thema ist also: Was macht man, wenn man Teil einer Ameisenkolonie ist? Wie geht man mit dem Zwang um?

Man kann diese Zwangsmassnahmen beziehungsweise die anderen Menschen oder Ameisen als eine Landschaft ansehen, in der wir uns bewegen. Ist ein Laden geschlossen oder darf das Fitness-Center nicht offen haben, so entspricht dies etwa einem Felsen, auf den ein Fluss trifft. Er ist unverrückbar dort. Es nützt wenig, wenn der Fluss sich fragt, ob der Felsen einen Sinn hat oder nicht. Er ist einfach da. Dabei muss der Fluss den Felsen spüren und wahrnehmen, damit er einen Weg um den Felsen herum findet.  

Der Schamane geht auch so vor: Er akzeptiert, dass nun die Dinge so sind, wie sie sind und er sucht einen Weg, die Hindernisse zu umgehen. Zuerst muss man diese jedoch voll und ganz wahrnehmen. Hierzu dienen unsere Gefühle, das heisst, wir müssen unseren Ärger und unsere Wut spüren, welches das Hindernis bei uns auslöst. Auch müssen wir unsere Sehnsucht zulassen, dass wir lieber kein Hindernis hätten. Ohne diese Gefühle ignorieren wir den Felsen und finden somit keinen Weg ihn zu umgehen. Die Gefühle geben uns zudem die Energie für den neuen Weg. Zusätzliche Energie erhalten wir durch die Angst, nicht zu wissen, wie dieser Weg um den Felsen konkret aussehen wird. Und schliesslich müssen wir die Trauer zulassen, dass wir den Weg vor dem Felsen verlassen müssen.

Hier ein einfaches Beispiel: Ich akzeptiere, dass das Fitness Center geschlossen ist. Ich bin aber gleichzeitig wütend darüber. Ich muss zudem Sehnsucht spüren, meinen Körper zu bewegen. Diese Gefühle geben mir die notwendige Energie, nach Alternativen zu suchen, etwa mehr zu joggen, zu walken, mit Hanteln zu trainieren usw. Ich muss ferner die Angst zulassen, ob dies funktioniert, ob ich genügend motiviert bin, dies tatsächlich zu machen und ob ich im Vergleich zu meinem üblichen Programm genügend trainiere. Es braucht aber auch die Trauer, dass ich nicht mehr in Fitness kann und die Menschen dort nicht mehr sehe. Kurz: Ich akzeptiere, was Sache ist, lasse aber alle meine Gefühle zu und gehe so auf meinen neuen Weg. Dies mag zwar ein banales Beispiel sein, aber wenn ich in der Fülle von anderen Restriktionen auch so vorgehe, dann bleibe ich ein eigenständiger Mensch auf einem eigenen Weg. Auch dann, wenn ich mich mitten in einem Ameisenstamm befinde.

Fazit: Als Schamanen beobachten wir die Zwangsmassnahmen wie auch den blinden Gehorsam, welcher dabei verlangt wird und anerkennen dies als Teil einer Landschaft, in der wir uns bewegen. Geraten wir an eine Massnahme, welche uns als Hindernis auf unserem Weg vorkommt, dann akzeptieren wir dieses, lassen aber die Gefühle zu, welche dadurch ausgelöst werden. Dies gibt uns die Energie, einen Weg um das Hindernis herum zu finden und umzusetzen. Und – notabene – ich habe nie gesagt, wie dieser  neue Weg konkret aussieht. Dieser wird für jeden Menschen ein anderer sein und ein Akzeptieren des Hindernisses heisst nicht, dass Protest keine Option ist.

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In eigener Sache:

Schamanismus Kurse 2021

Im nächsten Jahre werde ich neue Themen in den Kursen anbieten. Einerseits werde ich das Thema des letzten Blogs (Zwischen den Kulturen) aufnehmen und andererseits werde ich einen Jahreskurs durchführen:

Der Schamane zwischen den Welten

Immer mehr Menschen leben zwischen Kulturen: Sie sind gleichzeitig überall und nirgends zuhause. Dies bringt besondere Herausforderungen aber auch Chancen mit sich. Dieser Kurs richtet sich speziell an Personen, welche in verschiedenen Ländern aufgewachsen, als erwachsene Person migriert oder sonst in unterschiedlichen Kulturen verankert sind. Mit den Techniken des Schamanen, selbst ein Wanderer zwischen Welten, werden wir im Kurs u.a. folgende Themen konkret angehen: etwa die ständigen Verluste, die unklare Identität oder das Unverständnis der Mitmenschen. Wir werden dabei erfahren, wie wir nicht im Aussen, sondern in uns selbst eine Heimat finden.

Samstag, 9:30–17 Uhr, 20. März 2021

Anmeldung: oberwilerkurse

Untenstehende Tafel habe ich genau auf der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland in der Nähe von Jestetten gefunden. Wir werden im Kurs herausfinden, was genau auf diesem Schild steht.

 



Die schamanische Reise ins eigene Leben

Ein Schamane sucht und geht seinen eigenen Weg. Er beobachtet, wie er in seinem Alltag Hindernissen aller Art begegnet und wie diese bei ihm Gefühle, Krisen, Schmerzen und dergleichen auslösen. Es sind dies die vielen Spannungsfelder und Ungleichgewichte, in denen alle Menschen stecken. Diese Spannungsfelder ermöglichen den Weg zu einem harmonischen Zustand, zu Liebe und zu Freiheit. Dieser Weg wird gefunden, indem alle Entscheidungen mit dem Herzen gefällt werden.

An diesem Kurs hat jeder Teilnehmer die Gelegenheit, ein persönliches Thema im Sinne des Schamanismus vertieft anzugehen, dabei die Mitteilungen und den Heilungsbedarf zu erkennen, sowie die nächsten Schritte zu bestimmen. Dazu werden diejenigen schamanischen Techniken verwendet und praktisch geübt, welche den konkreten Themen der Teilnehmenden angepasst sind. Weil es kein Zufall ist, wer am Seminar teilnimmt, werden auch Themen und Lösungsansätze der anderen Gruppenmitglieder für den eigenen Weg von Bedeutung sein. Das persönliche Thema wird so auf vielen Ebenen gleichzeitig angegangen. Konkret bestimmt jeder Teilnehmende für sich im Voraus ein Thema, welches er / sie angehen will und auch in der Gruppe diskutieren kann.

Der Kurs wird aufbauend an drei Terminen durchgeführt. An jedem Kurstag werden unterschiedliche schamanische Techniken vorgestellt. Am zweiten und dritten Termin werden zudem die Entwicklungen seit dem vorhergehenden Kurs diskutiert und in den Kurs integriert. Weil die Basistechnik und Philosophie des Schamanismus jeweils kurz in Erinnerung gerufen werden, sind Einsteiger jederzeit willkommen.

Sa. 6. März, Sa. 5. Juni, Sa. 6. November, jeweils um 13 – 17:30 Uhr

Anmeldung unter: Obihaus, Toblerstr.95, 8044 Zürich, Tel. 044 261 85 42, obihaus@yahoo.com

 

 

Dienstag, 17. November 2020

Fremd und sinnlos: Eine weitere Corona Erkenntnis

Immer noch herrscht Corona. Nach wie vor sind wir gefordert herauszufinden, was uns an Corona beschäftigt, um daraus Entwicklungsschritte abzuleiten. Dies ist das ständige Bemühen des Schamanen. Dabei sind die Themen für jeden Einzelnen jeweils andere. Für die einen sind es übertriebene Massnahmen, für andere die empfundene Verantwortungslosigkeit der Mitmenschen und Behörden, für gewisse sind es die erschwerten Kontakte zu Freunden, oder die Einsamkeit des Home-Office oder auch die Angst selbst zu erkranken. Immer geht es im Schamanismus also darum, diese Themen zu bestimmen und dank unserer Betroffenheit etwas für unseren Weg zu erkennen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob dies eine allgemein anerkannte Betroffenheit ist oder nicht, sondern es geht immer darum, ob wir uns betroffen fühlen oder nicht. Denn unser Weg ist auch ein eigener, welcher sich von den Wegen aller anderen Menschen unterscheidet. Wir dürfen also niemals unsere konkrete Betroffenheit unter den Tisch wischen, zum Beispiel weil es andere schwieriger haben, weil unsere Gefühle in der Öffentlichkeit nicht thematisiert werden und so weiter. Was wir fühlen zählt also – egal was andere sagen oder denken.

Dies gilt genauso für mich. Ich möchte deshalb ein konkretes Corona-Thema angehen, welches mich in den letzten Monaten stark beschäftigte und aufzeigen, was ich dabei erkannt habe. Es sind dies die geschlossenen Grenzen und die Reisequarantänen. Mir fielen dabei die folgenden beiden Aspekte besonders auf:

Zerstörtes Zuhause: Für Menschen die – wie ich – in verschiedenen Ländern aufgewachsen sind, ist ein Grenzübertritt so etwas wie ein Zuhause. Für solche, die ihre ganze Jugend in einem Land verbracht haben, mag dies zwar wenig plausibel erscheinen, aber so wie die Gleichheit eines Ortes bei den Sesshaften Heimat darstellt, ist der Wechsel dies bei den Grenzüberschreitenden. Das heisst, ich benötige offene Grenzen, damit ich mich zuhause fühle. Interessanterweise ist mir dies erst mit der Grenzschliessung aufgefallen. Vorher hatte ich rund drei Monate eines Jahres ausserhalb der Schweiz verbracht, dies auf vielen geschäftlichen und privaten Reisen, und überquerte ständig Grenzen. Ich war also gewissermassen zuhause. Mit der Grenzschliessung jedoch nicht mehr. Die Grenzschliessungen und die Reisequarantänen haben also meine Heimat zerstört, etwas, was bei mir grosse Betroffenheit auslöste.

Sinnlosigkeit: Zudem empfand ich die Grenzschliessungen als Massnahme gegen Corona völlig sinnlos. Wenn ein Virus auf beiden Seiten einer Grenze vorkommt, dann hilft eine geschlossene Grenze rein gar nichts – im Gegenteil, geschlossene Grenzen können die Bekämpfung des Virus sogar erschweren, weil sich dann in den einzelnen Ländern unterschiedliche Stämme entwickeln können. Zu den Reisequarantänen gab es offenbar sogar Analysepapiere des Bundes, wo deren Sinnlosigkeit attestiert wurde. Die Quarantänen seien aber aus «erzieherischen Gründen» dennoch weitergeführt worden.

Das heisst, mit einer sinnlosen Massnahme, haben die Regierungen mein Zuhause - zumindest vorübergehend - zerstört… So meine erste Wahrnehmung und der Grund meiner Betroffenheit.

Wird etwas zum Thema, dann begegnet man meist vielen weiteren Personen oder Situationen, welche weitere Hinweise geben. So traf ich vermehrt auf Menschen, die ebenfalls in anderen Ländern aufgewachsen waren. Auch versuchte ich im Sommer – immer soweit erlaubt – so oft Grenzen zu passieren, wie dies nur möglich war, damit ich mich selbst dabei beobachten konnte. Zufällig stiess ich sogar auf einen Begriff, welcher Menschen wie mich, beschreibt. Wir sind die sogenannten «Third Culture Kids», also solche, die weder in dieser noch in jener, sondern eben gewissermassen in einer Drittkultur aufgewachsen sind und uns zugehörig fühlen. Interessanterweise hatte ich auch Kontakt mit den genau gegenteiligen Menschen, mit solchen also, die ihr gesamtes Leben am genau gleichen Ort verbrachten.

In den letzten Monaten hörte und erlebte ich Geschichte um Geschichte. In Norditalien verbrachte ein junger Mann in der Nähe der gleichen Kirche wie ich seine erste Nacht im Freien. Er war in Ecuador aufgewachsen und kam als Kind nach Italien. Wir tauschten stundenlang unsere Erlebnisse aus. Eine Frau erzählte mir, wie es war, als Kind vom Kosovo in die Schweiz zu ziehen, eine weitere war in Brasilien und eine in Argentinien aufgewachsen. Manchmal entstand das «Third Culture» Phänomen auch am gleichen geografischen Ort, etwa wenn ein Gebiet das Land wechselte – so wie etwa das Elsass. Auf dem Hartmannsweilerkopf traf ich an einem verregneten Tag ein älteres Paar, deren Grosseltern dort im ersten Weltkrieg gegeneinander gekämpft hatten, der Grossvater des Mannes auf der französischen, der Grossvater der Frau auf der deutschen Seite und deren Eltern im zweiten Weltkrieg ebenfalls auf zwei verschiedenen Seiten kämpften, obwohl sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt wohnten. Zur gleichen Zeit beobachtete ich die andere Seite, die wirklich Sesshaften. In einem Dorf in Frankreich erklärte mir ein Mann, den ich auf einem Waldweg traf, er wohne zwar nicht hier, aber er sei hier aufgewachsen, komme nun so oft es gehe hierhin, um Pilze zu suchen, würde an den Wochenenden hier spazieren, aber leider, leider, wohne er nicht hier. Sein Wohnort war aber nur 4 km weit weg und als ich dorthin kam, sah es für meine Begriffe identisch aus. Eine weitere Frau erklärte fast entsetzt, sie kenne sich in einem konkreten Ort überhaupt nicht aus. Auch diese wohnte ebenfalls in einem fast gleich aussehenden Nachbardorf. Dann gab es solche, die nicht einmal diese 4 km weit gezogen waren und seit Generationen, manchmal mit ihrer ganzen Sippschaft am gleichen Ort, an der gleichen Strasse wohnen. Mehreren Menschen konnte ich schöne und beliebte Wege zeigen, welche sie als Einheimische, noch gar nie betreten hatten. Vielleicht, so dachte ich mir, liegt der Hauptunterschied nicht zwischen Menschen einzelner Kulturen, sondern zwischen solchen, die mehrere Kulturen in sich tragen und solchen, die nur eine aufweisen. Der Mann aus Ecuador in Italien war also ähnlich zur Frau, welche im Kosovo aufgewachsen war und der französische Waldgänger war ähnlich zu einem sesshaften Schweizer.

Jedenfalls erkannte ich in all den Geschichten, dass die «Third Culture Kids» eine Kultur für sich sind, egal in welchen unterschiedlichen Ländern sie aufgewachsen sind. Gemeinsamkeiten dieser Kultur sind etwa der wiederholte Verlust von allem (Umgebung, Freunde usw.) oder die Notwendigkeit und die Fähigkeit sich rasch in neue Situationen, Sprachen, Umgangsformen und dergleichen einzudenken und einzufühlen und sich schnell in der lokalen Geografie zurecht zu finden.

Ich liess alle Gespräche und Situationen wirken und erkannte, dass «Third Culture Kids» oft drei Phasen während eines Lebens durchlaufen:

1. Phase, sich an eine Heimat klammern: In der ersten Phase klammern sich die «Third Culture Kids» an eine vermeintliche Heimat, in der sie sich jedoch nicht mehr aufhalten (in meinem Fall war es California). Diese Heimat wird idealisiert. Dass man nicht in dieser Heimat ist, wird der Grund für alles, was schief geht, der Grund für alles Unglück.

2. Phase, überall zuhause sein: In einer zweiten Phase realisieren die «Third Culture Kids», dass das Klammern an die vermeintliche Heimat zu nichts führt. Sie sind nicht mehr dort und nun machen sie aus der Not eine Tugend und werden stolz darauf, überall zuhause zu sein. Bei mir war das auch so: Immer, wenn ich als erwachsene Person an einen neuen Ort kam (auch wenn dies nur für kurze Zeit war), wollte ich sofort ganz von dort sein und erforschte entsprechend die Gegend sehr intensiv. So wollte ich neben Kalifornier, phasenweise auch Schweizer, Deutscher, Spanier, Italiener, Grieche und vieles mehr sein.

3. Phase, nirgends zuhause sein: Und schliesslich gibt es eine dritte Phase, dann, wenn «Third Culture Kids» realisieren, dass diese Bemühung, überall zuhause zu sein, auch nicht wirklich etwas gebracht hat. Sie merken: Es ist schlicht nicht möglich, so zu sein, wie ein Einheimischer, egal wieviel Zeit man an einem Ort verbracht hat. Dies geht nicht einmal dann, wenn man an den Ort seiner ersten Kindheit zurückkehrt. Deshalb merken «Third Culture Kids» in der dritten Phase: Man ist überall fremd.

Überall fremd sein. Dies klingt auf den ersten Blick hart, ist aber im Kern eine wertvolle Fähigkeit auf dem eigenen Weg. Ein eigener Weg ist immer neu und in diesem Sinne eben immer fremd. Ist man sowieso überall fremd, hat man es entsprechend leichter, diesen eigenen neuen und deshalb fremden Weg auch zu erkennen. Dort wo wir fremd sind, ist unsere Aufmerksamkeit erhöht, haben wir weniger Vorurteile, sind wir neugieriger, und sehen Dinge, welche ein Einheimischer übersieht. So hart es ist, ein «Third Culture Kid» zu sein, so gewappnet ist man, einen eigenen Weg zu gehen.

Man muss natürlich nicht ein «Third Culture Kid» sein, um überall fremd zu sein. Diese Haltung erlangen auch Menschen wegen anderen Schicksalen oder Lebensformen. So können psychische Störungen, körperliche Gebrechen, sexuelle Orientierungen ebenfalls zu diesem Gefühl führen. Dieses kann auch dann entstehen, wenn man sonst zwischen Kulturen pendelt, etwa zwischen technischen und eher spirituellen Weltanschauungen.

Aber das Grenzthema hatte noch einen weiteren Aspekt: Die Sinnlosigkeit. Während man über Masken und Lockdowns als Massnahmen gegen Corona streiten kann, machen Grenzschliessungen keinen Sinn. Sie zerstören nur. Aber auch die Sinnlosigkeit hat eine tiefere Bedeutung für eigene Wege. Für einen eigenen Weg spielt es keine Rolle, ob die Ereignisse einen Sinn ergeben oder nicht. Sie geschehen einfach. Sie sind. Und wenn sie etwas auslösen, dann gehen wir ihnen nach, sonst nicht. Ob sie für den eigenen Weg relevant sind, wird also daran gemessen, ob sie uns betroffen machen und nicht, ob sie einen Sinn ergeben. Wenn wir dies anerkennen, dann bewerten wir Ereignisse auch nicht mehr. Macht nichts Sinn, dann ist auch nichts gut und nichts schlecht, Ereignisse sind dann weder nützlich noch schädlich. Es geht nur darum, dass wir sie wirken lassen. In dieser Sinnlosigkeit steckt somit ein uraltes Konzept: Achtsamkeit. Wir achten darauf, wie die Dinge auf uns wirken, ohne sie dabei zu bewerten. Dies heisst aber nicht, dass wir nicht liebevoll mit unserer Umgebung umgehen, dass wir nicht unsere Entscheide mit dem Herzen fällen. Beides gehört selbstverständlich nach wie vor zu einem eigenen Weg.

Mein Fazit aus den sinnlosen Grenzschliessungen und Quarantänemassnahmen: Es hilft unserem Weg, wenn für uns alles fremd und sinnlos ist.

 

 

 

Sonntag, 12. Juli 2020

Verbindungsparasitismus: Fallbeispiel Mountainbiker


Gesehen: Ein ganzer Schwarm von sicher 20 Mountainbikers von allen Seiten quer durch den Wald sausen, zwei Mountainbikers mit Hunden einen steilen offiziellen Wanderweg hinunterrasen, schreiende und johlende Mountainbikers, solche mit Glocken und überhaupt, keine Wanderung ohne rasantes, erschreckendes Überholen. Dank Elektroantrieb geschehen diese Szenen sogar auf den abgelegensten Wegen. Als Konsequenz beobachte ich unzählige zerstörte Wanderwege, verwüstete Vegetation, aufgeschreckte Tiere, verwundete Baumwurzeln und natürlich ständig das Gefühl, irgendwann von hinten angefahren zu werden. Dank Helm und Brille sehen die Biker zudem aus wie Gestalten aus einem Science-Fiction Film wie Star Trek oder Star Wars. Nervig! Deshalb Anlass genug dem Phänomen aus schamanischer Sicht etwas auf den Grund zu gehen. Hier liegt sicherlich eine Erkenntnis verborgen:

Nach meiner Beobachtung kann man die Natur auf zwei Arten erleben: Entweder als Abenteuer oder als Gelegenheit sich mit ihr zu verbinden. Selbstverständlich bestehen dabei allerlei Zwischenformen. Aber schauen wir zur Verdeutlichung die beiden Extreme etwas genauer an.

Beim Abenteurer geht es nicht um die Natur als solche, nicht um deren Wesen, sondern um die Oberfläche der Natur. Beim Mountainbiker ist dies konkret die Form des Geländes, welches ihm die Herausforderung oder das Abenteuer bietet. Je schwieriger dieses Gelände, desto grösser das Abenteuer. Er will eine gute Abfahrt. Er verbindet sich also nicht mit dem Wesen der Elemente der Natur, sondern die Oberfläche der Natur ist nur dazu da, ihm einen Kick zu geben. Das Gelände löst bei ihm ein Gefühl aus, welches wiederum mit seiner Erwartung an das Abenteuer verbunden ist. In diesem Sinne löst die Abfahrt eine Verbindung mit sich selbst aus.  Zusätzlich verbindet er sich nach der Fahrt mit seiner Mountainbike Community, indem er das Abenteuer mit ihnen teilt und darüber diskutiert.  Der Kick, den der Mountainbiker erfährt, ist dabei mit einer Droge vergleichbar. Man nimmt die Droge, hat ein vorübergehendes Hochgefühl, welches dann aber wieder einige Zeit nach der Fahrt verschwindet. Um wieder zu einem Hoch zu gelangen, müssen die darauffolgenden Abfahrten krasser werden. Der Mountainbiker erhält somit jeweils einen kurzfristigen Energiegewinn, der aber nicht nachhaltig ist.

Als Gegensatz dazu gibt es den Naturverbundenen, welcher nicht das Abenteuer, sondern die Verbundenheit sucht. Dies sind zum Beispiel langsame Wanderer oder gar Menschen, die einfach unter einem Baum sitzen und diesen spüren wie auch die anderen Pflanzen, Tiere, Steine und Bäche rund herum. Es geht dem Naturverbundenen nicht die Form des Geländes, sondern um das Wesen des Berges, der Steine, der Pflanzen, des Wetters und so weiter – es kommt also nicht darauf an, ob es steil oder flach ist, ob er hoch oben oder tief unten ist, sondern ob er sich ungestört auf die Umgebung einlassen kann. Er möchte sich mit ihr verbinden, sie in ihrem Wesen wahrnehmen. Er muss dabei nichts mit Kollegen teilen, keine Geschichten erzählen, in seiner Naturverbundenheit ist er vollkommen zufrieden mit sich allein. Er muss auch nicht ständig krassere Verbundenheit suchen, denn die bestehende Verbundenheit gibt ihm bereits genügend nachhaltige Energie.

Energetisch gesehen hat es also einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Typen: Der Mountainbiker hat langfristig ein Energiedefizit, der Naturverbundene hat hingegen nachhaltig genügend Energie. Als Folge muss der Mountainbiker fremde Energiequellen anzapfen und von diesen zerren. Die naheliegendste Energiequelle ist dabei die Verbundenheitsenergie in der Natur. Dies ist einerseits die Verbundenheit zwischen dem Naturverbundenen und der Natur aber auch von den Tieren und Pflanzen untereinander. Dieses Anzapfen funktioniert so: Ein Wanderer kann sich nicht mehr auf die Natur einlassen, wenn er ständig einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf Mountainbikers oder auf die mögliche Gefahr angefahren zu werden lenken muss. Zusätzlich wandert er auf zerstörten Wanderwegen, die manchmal Rennbahnen gleichen und so zusätzlich die Verbundenheit erschweren. Die ersehnte Verbundenheit ist gebrochen und bekommt dadurch einen Energieleck, welcher dann der Mountainbiker in der Folge aufsaugen kann. Diese Energie ist eine seiner externen Energiequellen, um sein Defizit wettzumachen. Er ist wie ein Parasit oder Räuber, welcher sich von dieser fremden Energie nährt.

Rein auf der materiellen Ebene wäre die Lösung einfach: Es würden separate Abfahrtsrouten für Mountainbiker geschaffen (gibt es zum Teil bereits) und diese lassen die übrige Natur und die Wanderwege in Ruhe. Dies wird aber nicht funktionieren, weil es für den Mountainbiker energetisch nicht aufgeht. Er wird die Wanderwege und die Gebiete abseits von Wegen nicht in Ruhe lassen, weil er dann nicht mehr gleichermassen die Möglichkeit hätte, die Verbundenheit in der Natur zu parasitieren. Das Energiedefizit des Mountainbikers würde bestehen bleiben und er müsste zwangsläufig Verbote für Mountainbiker ignorieren oder sich sonst etwas einfallen lassen, sonst würde er energetisch gesehen auf die Dauer verhungern.

Ich erwähne hier Mountainbiker, aber sie sind bei weitem nicht die einzigen, welche Verbundenheit in der Natur parasitieren. Zu unterschiedlichen Graden sind dies auch Kletterer, Gleitschirmflieger, Jogger, Skifahrer, Lärmquellen aller Art wie Tierglocken oder Töff Fahrer, Hunde und natürlich durchaus auch Wanderer, welche in erhöhtem Tempo möglichst viele Höhenmeter schaffen wollen und dergleichen. Auch Installationen wie Bergbahnen, Skilifte, Rodelbahnen und dergleichen fördern das gleiche Parasitentum. Zu den Parasiten gehören damit alle, welche das Abenteuer und nicht die Verbundenheit suchen. Und natürlich besteht Verbindungsparasitismus nicht nur in der Natur, sondern auch in vielen anderen Situationen, etwa Menschen, welche die Verbindung zwischen anderen Menschen angreifen (aber solches ist ein Thema für ein Andermal).  Ich betone: Die Mountainbiker sind hier nur ein Fallbeispiel.  

Die Erkenntnis soweit: Es gibt einen Parasitismus, welcher auf Verbindungen abzielt.  Was ist nun der Umgang damit? Ich unternahm eine schamanische Reise dazu:

Meine Helferin sagt mir in Worten: «Konzentriere dich bei jeder Gelegenheit darauf, wie die Dinge verbunden sind, im Kleinen, im Grossen, erkenne, dass diese Verbindungen immer wieder gestört werden, aber wenn du immer alle Gelegenheiten wahrnimmst, dann wird dein Netz von Verbundenheit immer stärker, so dass du weniger anfällig bist auf den Verbindungsparasitismus.»
Ich protestiere: «Aber dadurch gehen die Parasiten nicht weg! Immer noch werde ich durch Mountainbiker gestört!»
«Nein, natürlich verschwinden sie nicht, aber weil du weniger anfällig bist, triffst du weniger auf sie, du bist nicht dort, wo sie sind und umgekehrt, und wenn du sie trotzdem antriffst, dann spielt es keine so grosse Rolle. Es kümmert dich nicht mehr. Achte ferner darauf, wo du selbst Abenteuer statt Verbundenheit suchst. Gehe selbst weniger dem Abenteuer und mehr der Verbundenheit nach! Erkenne, dass Beziehungsparasitismus einfach ein Teil des «Verbindungsökosystems» ist, genauso wie es auch sonst in der Natur Parasitismus gibt, gibt es diesen halt auch bei Verbindungen. Akzeptiere das! Wo Energie durch Verbundenheit entsteht, dort wird es früher oder später jemand geben, welcher diese Nahrungsquelle anzapft. Dies ist doch in der Natur auch so: Hat es eine Energiequelle, wird es ein Wesen geben, welches diese verwendet, so wie Räuber Beutetiere jagen, Zecken Blut saugen oder Pflanzenfresser Pflanzen essen. Dies gehört dazu. Die Auseinandersetzung zwischen Wirt und Parasit führt aber bei beiden zu Entwicklung, die Wirte werden stets ausgereifter, aber die Parasiten auch. Konkret wirst du Dank diesem Parasitismus viel mehr über Verbundenheit lernen, als dies sonst der Fall wäre. Die Mountainbiker unterstützen auf diese Art deine Entwicklung. Du kannst sogar dankbar sein, dass es sie gibt!»

Damit wird vieles klar…

Wie immer: In den Dingen, die uns nerven, liegen tatsächlich die besten Erkenntnisse verborgen. Es lohnt sich, diesen Sachen auf die Spur zu gehen…

In eigener Sache möchte ich auf die nächsten Kurse hinweisen:

Schamanische Reisen ins eigene Leben: Samstag/Sonntag, 7./8. November, 2020 jeweils 10 - 17 Uhr: Ein Schamane sucht und geht seinen eigenen Weg. Er beobachtet, wie er in seinem Alltag Hindernissen aller Art begegnet und wie diese bei ihm Gefühle, Krisen, Schmerzen und dergleichen auslösen. Es sind dies die vielen Spannungsfelder und Ungleichgewichte, in denen alle Menschen stecken. Diese Spannungsfelder ermöglichen den Weg zu einem harmonischen Zustand, zu Liebe und zu Freiheit. Dieser Weg wird gefunden, indem alle Entscheidungen mit dem Herzen gefällt werden.
An diesem Kurs hat jeder Teilnehmer die Gelegenheit ein persönliches Thema im Sinne des Schamanismus vertieft anzugehen, die Miteilungen und den Heilungsbedarf zu erkennen, sowie die nächsten Schritte zu bestimmen. Dazu werden diejenigen schamanischen Techniken verwendet und praktisch geübt, welche den konkreten Themen der Teilnehmenden angepasst sind. Weil es kein Zufall ist, wer am Seminar teilnimmt, werden auch Themen und Lösungsansätze der anderen Gruppenmitglieder für den eigenen Weg von Bedeutung sein. Das persönliche Thema wird so auf vielen Ebenen gleichzeitig angegangen.
Konkret bestimmt jeder Teilnehmende im Voraus ein Thema, welches er oder sie angehen will und auch in der Gruppe diskutieren kann. Dieses Thema kann entweder an einem Tag im Februar oder vertieft an zwei Tagen im November angegangen werden. Der Kurs ist sowohl für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene geeignet. http://www.obihaus.ch/Kurse.html#schamanismusImAlltag

Die schamanische Reise von Anfang an: Samstag, 28. November 2020, 9:30–17 Uhr
Oberwil bei Zug. Dieser Kurs bietet die Grundlage des Schamanismus an. Wie macht man eine schamanische Reise? Wie wendet man den Schamanismus im praktischen Alltag an? Wie geht man einen eigenen Weg: 

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Montag, 27. April 2020

Coronismus


Gemäss meiner Analyse handelt es sich bei den Corona Massnahmen immer mehr um eine Religion mittelalterlicher Prägung – welche man Coronismus nennen könnte. Ich möchte deshalb hier zuerst aufzeigen, wieso dem so ist und anschliessend daraus ableiten, wie man mit einer Religion umgeht, wenn man darin etwas Weisheit finden will. Ich wähle als Vergleich das Christentum beziehungsweise die Kirche des Mittelalters, weil einige der Charakteristika damals viel ausgeprägter waren als heute (obwohl es natürlich auch im Mittelalter kritische und tiefgründige Denker gab). Hier, in Tabellenform, der Vergleich einiger Merkmale des mittelalterlichen Christentums mit dem modernen Coronismus:



Thema
Mittelalterliches Christentum
Coronismus
Heilige Schrift
Bibel
Epidemiegesetz
Interpretation
Unfehlbarer Papst, Umsetzung durch Bischöfe und Kirchenhierarchie (keine Demokratie, keine Grundrechte)
Unfehlbare Virologen, Umsetzung durch Exekutiven von Regierungen (keine Demokratie, keine Grundrechte)
Leitsatz
Jeder Mensch hat eine Sünde (die Ursünde)
Jeder Mensch ist potentiell ein Virenträger
Grundmethode
Angst vor Hölle
Angst vor Isolation, Erkrankung und Tod
Massnahmen
Kirchgang, Ablass, Tragen von religiösen Symbolen (Kreuz), Religionskriege zerstören die Wirtschaft
Isolation, Distanz, Masken, Massnahmen zerstören die Wirtschaft
Zwang
Herrscher zwingt zum Glauben
Exekutiven zwingen zum Glauben
Umgang mit Kritikern und Ketzern
Verfolgung, Töten wegen Blasphemie, Hexenverbrennung
Masslose Strafen, Zwangsquarantäne, Einlieferung in Psychiatrische Kliniken
Willkürlichkeit
z.B. Mal katholisch, mal protestantisch, je nach Herrscher
z.B. Mal wirken Masken, dann nicht, ständige Änderung der Regeln
Absonderung von Anderen
Der Andere (andere Konfession, andere Religion) ist der Feind
Der Mitmensch ist der Feind, die Grenzen zu anderen Ländern sind geschlossen und diese sind somit ebenfalls Feinde
Gruss
«Grüss Gott», sich bekreuzigen
Sich vom Passanten abwenden, bewusstes Nicht-Grüssen (dies ist auch ein Gruss)



Vorangehende Merkmale sind natürlich nur einige Beispiele – man könnte diese Liste beliebig ausdehnen. Diese Beispiele sollen nur zeigen: Coronismus hat sehr viele Ähnlichkeiten mit einer Religion.

Religionen sind meines Erachtens dann problematisch, wenn man sie wörtlich nimmt. In diesem Fall sind sie meist inkonsequent, unlogisch und sogar gefährlich – sie führen etwa zu Krieg, Hetze, Zwang, schränken die Freiheiten ein und vieles mehr. Man kann aber in Religionen durchaus Weisheit finden, wenn man sie nicht wörtlich, sondern symbolisch oder allegorisch interpretiert. Dies ist der entscheidende Punkt. Viele moderne Christen tun dies durchaus mit der Bibel – die Geschichten dort (alles von der Erschaffung der Erde in 6 Tagen bis zur jungfräulichen Geburt von Jesus) werden symbolisch gedeutet und können dann Sinn machen. Das Gleiche gilt nun für das Epidemiegesetz und deren Massnahmen. Hier deshalb einige Möglichkeiten, wie man dieses Gesetz und die Massnahmen symbolisch interpretieren könnte:

Masken: Wir Menschen reden im Allgemeinen zu viel. Etwas mehr Stille und innere Einkehr täte uns gut womit wir besser auf unseren inneren Weg gelangen könnten. Also: Stille üben.

Abstand: Aus einer gewissen Distanz sieht man die Dinge oft klarer. Es lohnt sich, mitunter etwas Distanz zu den Dingen einzunehmen, damit man weniger in sie verwickelt ist. Also: Sich selbst und die aktuellen Probleme aus etwas Abstand anschauen.

Contact Tracing: Die Beziehungen, die wir pflegen sind enorm wichtig. Dank ihnen können wir beispielsweise uns selbst besser spüren und unsere alten Wunden erkennen und heilen (Dies ist detailliert in meinem Buch «Magische Begegnungen» beschrieben: https://jakoboertli.ch/bücher.html)  Es ist also sinnvoll, unsere Beziehungen mit Absicht wahrzunehmen. Also: Beziehungen bewusst wahrnehmen.

Geschlossene Grenzen: Wie gerade unter Contact Tracing erwähnt, sind Beziehungen sehr wertvoll. Die geschlossenen Grenzen zeigen, wie Beziehungen unterbrochen oder angegriffen werden. Wir müssen also nicht nur unseren Beziehungen mehr Bedeutung zumessen, sondern auch erkennen, was sie gefährdet. Also: Angriffe auf Beziehungen wahrnehmen.

Geschlossene Geschäfte: Oft definieren wir uns sehr stark durch unseren Besitz. Die geschlossenen Geschäfte zwingen uns, nur das Nötigste zu kaufen. Wir lernen dabei nicht das zu sein, was wir besitzen, sondern das zu erahnen, was wir unabhängig vom Besitz sind. Also: Sein statt Haben.

Hände waschen/desinfizieren: Wenn wir neue Handlungen oder Projekte beginnen, sind wir oft von alten Erfahrungen beeinflusst. Dies mag zwar mitunter von Vorteil sein, aber eine frische, unverdorbene Herangehensweise lässt uns oft mutig Dinge umsetzen, welche wir sonst als schwierig oder gar unmöglich einstufen würden. Also: Mit frischem Mut neue Dinge angehen.

Unsicherheit: Wir wissen weder, wie es genau weitergeht noch ob wir nicht plötzlich in Quarantäne gesteckt werden. Wegen dieser Unsicherheit leben wir viel mehr im Jetzt, denn wir wissen etwa nicht, ob es nun heute nicht etwa das letzte Mal war, wo wir für zwei Wochen nach draussen durften. Dank dieser Angst nehmen wir die Dinge viel bewusster wahr und erkennen vielleicht sogar Pfade in unserem Leben, die wir sonst nicht gesehen hätten. Also: Unsere Wahrnehmung schärfen und im Jetzt leben.

Wohlbemerkt: Diese Weisheiten im Umgang mit dem Gesetz und den Massnahmen funktionieren nur, wenn man sie symbolisch interpretiert. Sobald man sie wörtlich nimmt, geht die Weisheit verloren und man wird zum Fundamentalisten und die Umsetzung wird zumindest problematisch aber meist sogar gefährlich – so wie damals im christlichen Mittelalter wie auch heute im modernen Coronismus. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat symbolisch zu interpretieren beginnt, ist natürlich verschwindend klein, aber wir selbst können dies für uns selber tun. Immerhin! Und damit tun wir nicht nur etwas für uns, sondern wir leisten durchaus auch einen Beitrag gegen den Coronismus. Denn jeder, der daraus etwas lernt, der deswegen seinem eigenen Herzen ein Stück näherkommt und sich mehr über das Herz mit Anderen verbindet, der trägt etwas zur Schwächung des Coronismus bei.

Und ja, jemand, der nicht an den Coronismus glaubt könnte man einen Acoronist nennen…

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Sonntag, 29. März 2020

Corona 2


Ein Monat ist seit meinem letzten Blog vergangen und immer noch ist Corona ein Thema. Ich bin nicht wie geplant in Spanien und die Geschäftsreise nach Berlin habe ich unterwegs abgebrochen. Dafür möchte ich ein paar weitere Gedanken und Beobachtungen zum Thema aus schamanischer Sicht schildern:

Corona als Barriere im Fluss der Liebe: Aus meiner Sicht stellt das Corona Virus eine Barriere im Fluss der Liebe dar (so wie im Schamanischen Buch der Liebe erläutert). Dabei wird die Barriere auf der Ebene der Seele kreiert. Konkret sehe ich das Virus als eine Art Haken, welche das Herz-Seelenchakra blockiert. Dies heisst wiederum, dass Verbindungen über das Herz nicht mehr oder viel schlechter gespürt werden können. Dies wird auch schön an den Massnahmen gegen das Virus symbolisiert: Es wird Distanz zwischen Menschen geschaffen, die Grenzen zwischen Ländern werden geschlossen, die Bewegungsfreiheit wird unterbunden und mit Notrecht wird zumindest (und hoffentlich) vorübergehend ein Polizeistaat geschaffen. Die Massnahmen gegen das Virus sind in diesem Sinne genau das, was das Virus «beabsichtigt». Das Virus gewinnt auf der Ebene der Seele an Macht und die Barrieren im Fluss der Liebe werden verstärkt, desto mehr Aufmerksamkeit es bekommt. Die Massnahmen sind deshalb das eigentliche Problem, nicht das Virus selbst. Erkennen wir nun, dass dem so ist, eröffnen sich sofort Möglichkeiten, dagegen vorzugehen: Erstens können wir bewusst auf unser Herz achten, schauen dass dieses so offen wie möglich ist und dabei versuchen, uns über das Herz mit anderen Menschen zu verbinden. Zweitens sollten wir dem Virus und den Massnahmen so wenig Aufmerksamkeit schenken, wie nur möglich.  

Alles ist vergänglich: Die Corona-Geschichte ist nur deshalb ein Problem, weil wir uns der Vergänglichkeit nicht stellen. Nicht nur wir selbst sind vergänglich, sondern alles andere auch. Könnten wir dies als Gesellschaft akzeptieren, wären Massnahmen in diesem Umfang nicht notwendig. Wir können nun aber gerade diese Situation verwenden, um Vergänglichkeit zu üben. Wenn wir unweigerlich selbst einmal sterben, wird es im Vorfeld dazu in einem gewissen Sinne ähnlich sein: Irgendwann können wir unsere Pläne nicht mehr umsetzen, irgendwann können wir das Haus, dann das Bett nicht mehr verlassen. Dieser Abbau der Möglichkeiten zeigt uns die Vergänglichkeit von allem und lässt uns diese üben.  

Wir dürfen nicht alles nur nach einem Merkmal beurteilen: Auf der Ebene der Gesellschaft fehlt eine Gesamtoptimierung im Umgang mit Corona. Zurzeit wird nur nach einem einzigen Kriterium entschieden: Wie kann man die Anzahl Verstorbener, welche ein Coronainfektion aufweisen, reduzieren? (Ob sie dabei am Corona gestorben sind oder mit dem Corona ist dabei offenbar belanglos). Eine Gesellschaft besteht aber aus einer Vielfalt von Themen und sogar, wenn man nur auf die Anzahl Verstorbener schauen würde (Corona und andere), könnte man der Gesellschaft mit den bewilligten Hilfsgeldern bedeutend mehr zusätzliche gesunde Lebensjahre geben, wenn man diese z.B. für gesunde Ernährung, mehr Bewegung etc. einsetzen würde. Übersetzen wir diese Beobachtung auf unser Leben, heisst dies, dass auch wir nicht alles nur nach einem einzigen Kriterium (z.B. Geld, eine Beziehung, ein Haus und dergleichen) beurteilen, sondern immer eine Gesamtschau halten. In gewissen Bereichen müssen wir also zurückschrauben, damit andere gelingen. In gewissen Aspekten müssen wir Verluste hinnehmen, damit wir in anderen Chancen haben. Genauso wie die Gesellschaft die Corona Toten akzeptieren müsste, damit andere Elemente der Gesellschaft weitergehen können.

Perspektive behalten: Weltweit sterben jeden Tag fast 170'000 Menschen, in der Schweiz sind es knapp 200. Corona wird kaum einen Einfluss auf diese Zahlen haben. Übertragen auf unser Leben müssen wir aufpassen, dass wir die Perspektive auch bei unseren Problemen behalten und diese einigermassen objektiv einordnen können. Scheinen diese nur gross, oder sind sie es wirklich?

Solidarität hat nichts mit dem eigenen Weg zu tun: Jetzt wird zu Solidarität aufgerufen, damit die Infektionsrate zurückgeht. Man soll zuhause bleiben. Dies wirkt auf mich wie ein Hohn, denn in Zeiten der Normalität wird Solidarität enorm klein geschrieben – so empfinde ich es zumindest. Hier kämpft z.B. im Kapitalismus mehr oder weniger jeden gegen jeden, der Stärkere soll gewinnen, und jeder Franken für die Sozialhilfe wird zweimal umgedreht. Dann wird jeweils nur auf die Solidarität innerhalb eines Landes geachtet. Wo ist die Solidarität mit anderen Menschen in anderen Ländern? Die Grenzen sind gesperrt, Hilfsgüter sind blockiert – jedes Land schaut nur auf sich selbst: Das ist nicht Solidarität. Eine solche Solidarität ist sehr inkonsequent. Ein Schamane lässt sich deshalb nicht von Aufrufen zur Solidarität blenden. Er geht seinen Weg, immer dem Herzen nach, und damit leistet er den grössten Beitrag an die Gemeinschaft. Er ignoriert dabei Appelle an die Solidarität.   

Das, was Corona bei uns auslöst, kann uns heilen: Wie schon im letzten Blog erwähnt, lohnt es sich die Entwicklungen und die eigene Reaktion darauf gut zu beobachten. Daraus können wir Themen ableiten, die wir dann angehen können.

Zusammengefasst sehe ich folgenden Umgang: 1) Alles tun, um das eigene Herz offen zu behalten.  2) Sich mit dem Herzen mit anderen Menschen bewusst verbinden. 3) Die eigenen Themen angehen. Mehr dazu in meinem Buch: Das schamanische Buch der Liebe.

Ich wünsche allen alles Gute!



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