Freitag, 1. Juni 2007

Sind Ziele notwendig?


Ohne Ziele würden wir nicht wissen wohin der Weg geht, ohne Ziele können wir nichts erreichen – dies wird uns im Berufsleben immer wieder gesagt. In der Esoterik wird von Wünschen gesprochen, die mit Affirmationen oder allerlei anderen Techniken erfüllt werden können und sollen. Es gilt, unseren Sehnsüchten nachzugehen, damit unser gegenwärtiges Leiden oder unser aktueller Mangel behoben wird. Wir sollen uns reich denken, Beziehungen in unser Leben rufen, Aktionspläne aufstellen – die Ausdrücke variieren, je nach dem Umfeld in dem wir uns gerade befinden.  

 

 



 
Ist es sinnvoll Ziele zu setzen und Wünsche zu erfüllen?
 

 
Stimmt das? Sollen wir Zielen nachgehen oder schauen, dass wir unsere Wünsche erfüllen?

Mit Nachdruck behaupt ich: NEIN! Zumindest dann nicht, wenn wir uns selbst werden wollen. Wieso?

Erinnern wir uns nochmals daran, was ein eigener Weg bedeutet: Die Idee ist, dass wir uns zur Liebe bewegen, dass wir irgendwann Liebe werden.  Hierzu folgen wir konsequent und immer dem Herzen. Nur ist es nicht wirklich möglich, im Voraus zu wissen, wohin der eigene Weg führt denn wüssten wir es, dann wäre dieser wohl nicht mehr nötig. Zudem wissen wir nicht, wie sich die Welt entwickeln wird, wie sich andere Menschen entscheiden werden – alles Dinge die den eigenen Weg beeinflussen. Vergleichen wir dies mit einem Fluss: An einer konkreten Stelle sucht er immer sein eigenes Flussbett, indem er der Erdanziehungskraft (= dem Herzen nachgehen) folgt. Er weiss aber zum Voraus nicht, ob er irgendwo nicht einen Erdrutsch (z.B die Entscheidungen anderer Menschen) umfliessen muss. Er geht lediglich immer der Erdanziehungskraft nach und dann sieht er, wohin er kommt.

Weil wir nun nicht wissen, wohin der Weg geht, können wir logischerweise auch keine Ziele setzen – ausser vielleicht das Ziel, dass wir eben unseren Weg gehen. Wir können also nichts anderes tun, als bei jeder Weggabelung erneut mit dem Herzen entscheiden, welche Richtung wir nun einschlagen. Als Folge dieser Entscheidungen entsteht dann unser Weg.
 

 


 

 
Eigene Wege sind wie Labyrinthe, ermöglichen uns aber in die Liebe oder Freiheit zu gelangen, wie durch den Vogel dargestellt. Felszeichnungen aus New Mexico.
 

 

Aus dieser Sicht sind Ziele sogar gefährlich. Wir konzentrieren uns dann nicht mehr auf die Entscheidungen im Jetzt – der einzige Zeitpunkt in dem wir auf unser Herz hören können – sondern wir bewerten die Entscheidungen danach, ob wir die gegebenen Ziele erreichen oder nicht.

Dazu kommt dass unsere Ziele oder Wünsche oft fremdbestimmt sind. Sie erscheinen zwar plausibel und wir haben den Eindruck, sie stammen tatsächlich von uns, aber wer sagt ob sie wirklich auf unserem Weg liegen? Ziele und Wünsche sind oft sehr stark von de Gesellschaft und unseren Eltern geprägt. Sie stammen nicht wirklich von uns sondern sind uns einprogrammiert worden: Die Familie, das Haus, die Karriere usw.

Wieso haben wir dann Wünsche oder Sehnsüchte? Diese zeigen in aller Regel eine Abweichung von unserem Weg; sie weisen darauf hin, dass wir ein bestimmtes Thema in uns bearbeiten und heilen müssen. Sehnen wir uns nach einem Haus oder nach einer Beziehung, dann besteht in aller Regel irgendwo eine Wunde, die meistens etwas mit unserer Geschichte zu tun hat, etwa die vermisste Geborgenheit als Kind. Diese Sehnsucht zeigt uns, dass wir hier den alten Schmerz akzeptieren und liebevoll zulassen sollen. So heilen wir die Wunde und die Sehnsucht verschwindet.

Heisst das nun, dass wir keine Familie, kein Auto, kein Haus, keine Partnerschaft haben sollen? Nein! Sondern diese Dinge entstehen – falls sie auf unserem Weg sind – von alleine. Wir müssen nur jede Entscheidung mit dem Herzen fällen.

In diesem Sinne sind Ziele und Wünsche ein Hindernis auf unserem Weg. Konzentrieren wir uns darauf, diese zu erfüllen, dann verpassen wir womöglich unseren Weg. Es ist wie eine Symptombekämpfung: Wir unterdrücken den Schmerz, bemerkten ihn nicht mehr und können ihn deshalb auch nicht mehr heilen.

Also: Keine Ziele setzen sondern Wege entstehen lassen…

Nun, immer wenn solche Themen gerade aktuell sind, passieren mir Dinge im Aussen, die damit zusammenhängen: Mit meinem neuen Chef hatte ich die Diskussion ob meine Arbeit, die ausländischen Bahnen dahingehend zu überzeugen, ihre Güterwagen leise zu machen, sich als quantifizierbares Ziel darstellen lässt. Ich bin der Meinung es geht nicht - man muss den Weg und den Ausgang offen lassen. Eine ähnliche Diskussion hatte ich mit einem Beamten des Bundesamtes für Umwelt über ein anderes Projekt, bei dem er nach strikten Vorgaben arbeiten will und ich ein offenes Vorgehen vorschlage.

Und natürlich muss ich mir dies alles auch immer selber sagen  - sonst wäre es kein Thema. Jedenfalls wird so alles sehr spannend: Ein Weg entsteht und wir haben keine Ahnung, wohin er führt.

  

 

 
Bei eigenen Wegen wissen wir nie wo wir als nächstes hinkommen – dafür ist es spannend!
 

 

 

Sonntag, 1. April 2007

Warten

Beim Warten merken wir sehr gut wie viel Vertrauen wir in unseren Weg haben. Achten Sie einmal genau darauf, was in Ihnen vorgeht, wenn Sie etwa auf eine Antwort, in einer langen Schlange vor einem Schalter, auf einen Zug, auf eine gute Gelegenheit oder Ähnliches warten müssen. Können Sie die Begebenheit vertrauensvoll hinnehmen, im Wissen, dass auch diese Warterei auf Ihrem Weg ist? Oder werden Sie nervös, weil Sie nicht wissen, wie oder wann es weitergeht? Vielleicht ärgern Sie sich auch über die Zeit, die offenbar nutzlos vertan wurde.

Für den Schamanen ist Warten kein Thema. Die Dinge kommen einfach wie sie kommen. Indianische Zeremonien finden beispielsweise immer nach „Indianerzeit“ statt, das heisst, sie finden dann statt, wenn es sich richtig anfühlt, egal wie viel Leute gerade am Warten sind.

Die Zeit des Wartens ist nie verloren, sondern immer eine Gelegenheit, sich auf sich selbst zu besinnen. Es ist die Zeit zwischen zwei Ereignissen, die uns ermöglicht nötige Wartungsarbeit an uns selbst vorzunehmen. Der Schamane weiss, wäre eine solche Zwischenzeit nicht nötig, dann wäre sie nicht entstanden. Vielleicht ist es ja sogar wichtig – aus was für Gründen auch immer – erst später irgendwohin zu gelangen.

Das klingt alles sehr schön und gut, aber wie gehen wir praktisch vor, wenn wir unfreiwillig warten müssen? Hier eine Anregung: Atmen Sie ein paar Mal tief durch und entscheiden Sie sich, bewusst den Fluss der Dinge zu beobachten. Unternehmen Sie keinerlei Anstrengungen, die Wartezeit zu optimieren, indem Sie etwa abzuschätzen versuchen, in welcher Reihe Sie besser anstehen oder indem Sie im Stau eins, zwei andere Fahrzeuge überholen. Sagen Sie sich, dass diese Situation mit Höherem zu tun hat und achten Sie dabei genau auf Ihre Empfindung. Spüren Sie Verzweiflung, dann akzeptieren Sie diese. Beobachten Sie alles, was in Ihnen vorgeht. Dies heilt.  Und genau diese Heilung steht nun offenbar an und muss übrigens ein Andermal nicht gemacht werden.
 
Gerade in der Zeit, in der ich diesen Abschnitt schreibe, muss ich auf einen neuen Vertrag mit meinem Arbeitgeber warten, da ich im Rahmen einer Reorganisation in eine andere Abteilung versetzt werde. Dabei hängt die Drohung in der Luft, dass ich dadurch für die gleiche Arbeit weniger verdienen soll. Schon seit vier Monaten warte ich und niemand kann mir Auskunft geben; alle sind überlastet und niemand entscheidet. Meine schamanische Reise dazu zeigt symbolisch sehr schön, was es mit Warten auf sich hat und wie damit umgegangen werden kann: Als erstes Bild zeigte mein Helfer mich im strömendem Regen auf einem Feldweg vorwärts schleichend. Mein Kopf ist gesenkt, aber trotzdem sehe ich die vielen schwarzen Seilschlingen nicht, die mich immer wieder packen, mich zu Boden ziehen und dazu führen, dass ich in dreckige Pfützen falle und meine ganze Kleidung verschmutze. Bei jedem Sturz versuche ich sorgfältig meine Ausweise und meine Digitalkamera vor der Nässe zu schützen. Dies gelingt aber nur schlecht und verzweifelt hoffe ich darauf, dass der Regen endlich aufhört. Dann zeigt mir mein Helfer, wie es auch anders geht: Entschieden werfe alle Kleider weg und lasse den Regen auf meinen nackten Körper fallen. Voller Freude lasse ich mich reinigen und tanze im Regen. Ich beachte die Seilschlingen nicht mehr und sie erwischen mich auch nicht. Bald erscheint die Sonne und überall spriessen Blumen. Ich stehe in einer herrlich bunten Landschaft und freue mich riesig. Und, ohne dass ich merke, wie es geschah, bin ich wieder angezogen und habe eine Kamera mit der ich fotografieren kann. Als Nächstes erscheint eine Zollschranke vor mir. Aber auch das ist kein Problem, denn ich habe einen Ausweis im Sack.

Zusammengefasst und interpretiert: Nutzen wir die Zeit des Wartens für die eigene Heilung (ohne Schutz liess ich den Regen auf mich fallen). Kümmern wir uns nicht um mögliche Verluste in der Zukunft (ich warf alle Kleider und Ausweise weg)). Haben wir uns geheilt, dann kommen wir an einen neuen Ort und alles, was wir dazu benötigen, werden wir vorfinden (ich konnte die Zollschranke passieren).

Donnerstag, 1. März 2007

Der eigene Weg, ein Gespräch


Für Schamanen ist es äusserst wichtig im Leben einen eigenen Weg zu gehen. Aber was ist genau damit gemeint? Wie unterscheidet dieser sich von anderen Wegen? Ich fragte meinen spirituellen Helfer. Hier unser Gespräch:

„Was ist ein eigener Weg?“

„Das bist du, du bist dein Weg!“

„Aber was macht es aus, dass es genau meiner ist?“

„Du bist anders als andere Menschen, deshalb gehst du auch einen anderen Weg.“

„Könnte ich auch einen anderen Weg gehen, als mein eigener?“

„Natürlich, immer wenn du nicht mit dem Herzen entscheidest, gehst du einen anderen Weg.“

„Wohin gelange ich, wenn ich meinen Weg gehe und wohin, wenn ich ihn nicht gehe?“

„Bei deinem eigenen Weg wirst du genau dich, auf anderen Wegen wirst du etwas anderes. Mache dir aber nicht allzu viele Gedanken, wohin du gelangst, denn du bist noch nicht dort. Ein Wanderer weiss auch nicht, wie es aussehen wird, wenn er den Gipfel erreicht hat. Du hast jetzt den Drang, dich selbst zu werden, also werde es auch.“

„Was ist mit den Menschen, die diesen Drang nicht spüren?“

„Jeder gesunde Mensch spürt ihn, er gehört zum Menschsein, genauso gehört das Fliessen zum Fluss oder das Wachsen zum Baum. Viele Menschen spüren aber den Drang nicht mehr und haben andere Vorstellungen oder Massstäbe vom Leben. Diese Menschen gehen andere Wege und werden nicht sich.“

„Aber führt nicht jeder Weg zu sich selbst? Können Menschen überhaupt nicht sich selbst werden?“

„Es gibt viele Wege, die nicht zu sich selbst führen. Ein eigener Weg braucht immer wieder eine Entscheidung des Herzens.“

„Wieso soll ich einen eigenen Weg gehen und die dabei entstehenden Hindernisse in Kauf nehmen, wenn ich nicht einmal weiss, wohin dies alles führt?“

„Es braucht keinen Grund. Das ist nicht etwas, dass es zu erklären gibt, genauso wenig wie der Fluss eine Erklärung braucht, wieso er fliesst. Es gehört zu seiner Natur zu fliessen, also tut er es. Es gehört ebenso zur Natur des Menschen, sich selbst zu werden, also tut er es. Es ist also mehr eine Frage des Akzeptierens als eine des Verstehens.“

Was heisst dies nun? Ein eigener Weg ist grösstenteils eine passive Angelegenheit. Sicher, es benötigt eine aktive Entscheidung, dem Herzen zu folgen, aber danach gehen wir einfach dorthin, wo unser Herz uns hinführt, ohne dass wir genau wissen, was dort dann ist.

Dies heisst nun nicht, dass wir passiv alles hinnehmen. Wir reagieren und handeln durchaus, aber wir verfolgen keine konkreten Ziele, ausser eben unserem Herzen nachzugehen. Wir lassen uns dabei nicht nach äusseren Massstäben wie Geld, Karriere oder anderen Verpflichtungen leiten. Sondern wir fliessen und es passiert, was eben passiert.

Freitag, 9. Februar 2007

Was ist Schamanismus?

Den eigenen Weg gehen: Ein Schamane sucht und geht konsequent seinen eigenen Weg. Er beobachtet, wie er in seinem Alltag Hindernissen aller Art begegnet und wie diese bei ihm Gefühle, Krisen, Schmerzen und dergleichen auslösen. Es sind dies die vielen Spannungsfelder und Ungleichgewichte, in denen alle Menschen stecken. Diese Spannungsfelder ermöglichen den Weg zu einem harmonischen Zustand, zu Liebe oder zu Freiheit. Dieser Weg wird gefunden, indem alle Entscheidungen mit dem Herzen gefällt werden.

Als Unterstützung die Wahrnehmung verändern: Als Unterstützung dazu kann ein Schamane seine Wahrnehmung ändern und die materielle Welt seines Alltages verlassen, um in einer spirituellen Welt Hinweise über Anliegen oder Probleme auf seinem Weg zu erhalten.